App-Kritik: Lars Schmiedgen von Lovoo testet My Daily Cosmopolitan.

von Gastautor am 14.September 2015 in App Business, App-Kritik, News

In unserer Rubrik App-Kritik testen App-Macher andere Apps und schreiben dazu einen unterhaltsamen Erfahrungsbericht. Wer kritisieren kann, muss auch einstecken. Deshalb müssen unsere App-Kritiker ihre App ebenfalls zur Kritik stellen. Lars Schmiedgen, Head of Brands bei Lovoo, hat für uns die App „My Daily Cosmopolitan“ von Bauer Media getestet und lobt die hohe Leserfreundlichkeit und die kluge Einbindung von Werbepartnern. Beim Geschäftsmodell hat er allerdings so seine Zweifel.

AppKritik_My_Daily_Cosmopolitan4Mit der App My Daily Cosmopolitan wendet sich die Frauenzeitschrift „Cosmopolitan“ dem mobil-digitalen Zeitgeist zu.  Jeden Tag können die Nutzer hier auf ihrem Smartphone mehr oder weniger interessanten Content rund um das Thema Lifestyle nutzen. Der Gedanke dahinter: Inhalte sollen die Hauptrolle spielen und den Leser täglich mit aktuellen und abwechslungsreichen Themen unterhalten.

Neue Leser können „My Daily Cosmopolitan“ die ersten 14 Tage kostenlos und vollumfänglich nutzen. Alle Inhalte, ausgenommen die E-Ausgaben des Magazins, sind gratis zugänglich. Danach ist ein Monats- oder Jahresabo fällig. Die App gibt es für Android und iOS im jeweiligen App-Store zum kostenlosen Download.

Was gefällt (nicht) an der App:

Prinzipiell gefällt mir das Onboarding gut. Erstnutzer bekommen Schritt für Schritt erklärt, wie man innerhalb der App navigieren kann. Eine Top-Bewertung würde ich geben, wenn die App selbsterklärend und intuitiv zu bedienen wäre. Tutorials lassen das Produkt oft schwerfällig und kompliziert wirken – für ungeduldige Nutzer ist das ein Nachteil.

Positiv ist, dass man gleich aufgefordert wird, im Channel Feed seine Top-Themen in Kategorien zu priorisieren. Wenn man dann aber sieht, was tatsächlich zur Auswahl steht – Top Stories, Mode & Beauty, Liebe & Sex, Stars & Lifestyle, Karriere & Job und Horoskope – ist das ein wenig dürftig und wirkt auf mich eher wie eine Spielerei. Im Inhaltsverzeichnis gibt es zudem noch eine Suchfunktion, mittels derer man nach Stichworten, Beiträgen oder auch Promis, die in der Cosmopolitan genannt sind (Magazin und/oder App), suchen kann und dann bekommt man die entsprechenden Titel/Magazinausgaben angezeigt. Allerdings muss man dazu in den jeweiligen Beitrag oder das Magazin reingehen und sich selbst den einzelnen Artikel oder die Person zum Suchbegriff raussuchen.

Ein großer Pluspunkt der App: Hohe Leserfreundlichkeit dank angenehmer Schriftgröße sowie guter Schrift- und Farbwahl für die Nutzeroberfläche. Auch ist es vorteilhaft, dass die App bereits für die größeren iPhone 6- und iPhone 6 Plus-Displays eingestellt ist.

Die App ist, wie auch das Magazin, sehr stylish und bedient die typischen Themen, die von der Zielgruppe, Frauen im Alter von 18-40+, favorisiert werden. „My Daily Cosmopolitan“ arbeitet mit großen Bildaufmachern für die jeweilige Titelstory der Rubrik und darunter gibt es dann noch drei kleinere Bilder mit den einzelnen Top Stories der vergangenen Woche.

AppKritik_My_Daily_Cosmopolitan3Clever ist natürlich die Einbindung von Werbepartnern wie etwa Zalando. Das macht tatsächlich Sinn, denn da bekommt die Leserin Modetipps und coole Artikel vorgeschlagen und kann dann auch gleich die einzelnen Kleidungsstücke kaufen. Es wirkt authentisch und irgendwie völlig normal.

Was ein wenig nervt, ist der Fakt, dass es zuweilen echt lange dauert, bis die Artikel vollständig geladen sind. Die Beiträge selbst sind kurzweilig und durchaus unterhaltsam. Jedoch braucht man für längere Artikel einen sehr ausdauernden Daumen, um sich durchzuscrollen.

Im Großen und Ganzen jedoch ist die App eine super Alternative, wenn man ein Fan des Magazins ist, da sie schnell und überall verfügbar ist. Man kann auch mehrere Artikel markieren und später lesen oder zu seinen Favoriten erklären. Vielleicht ist da ja ein guter Mode-/Beautytipp oder ein spannender Beitrag, den man sich noch mal anschauen oder mit jemandem teilen möchte.

Allerdings sind ja nur die ersten 14 Tage kostenfrei, danach muss man bis zu 2,99 Euro im Monat oder für ein ganzes Jahr 24,99 Euro berappen, wenn man Artikel in voller (Print-) Länge oder als E-Magazinausgabe lesen möchte. Finde ich ganz schön viel für das bisschen Text und es wird sich zeigen, ob die Nutzer die digitale Variante so viel mehr schätzen.

Der Herausgeber der App betont ja, dass die Artikel „snackable“ sein sollen. Aber das bedeutet auch immer, dass man inhaltlich reduziert, um die App eben auch agil und schnell halten zu können. Das geht aber immer zulasten von ausführlicheren Inhalten.

Ich glaube, viele Frauen bevorzugen gerade eben Magazine, weil man die Bilder besser studieren, ggf. Seiten mit coolen oder nützlichen Tipps rausreißen oder einen interessanten Artikel in voller Länge gemütlich in der Badewanne lesen kann. Mich überzeugt es daher nicht unbedingt, dass sich viele Nutzer für diese kostenpflichtige Variante entscheiden. Vor allem verbrauchen die runtergeladenen E-Magazinausgaben ja auch Speicherplatz – vielleicht für Fotos von Schuhen, dem letzten Mädelsabend, vom hotten Typen, den man auf LOVOO kennengelernt hat oder für andere Inhalte, die es nicht unbedingt auch alternativ als Printausgabe gibt.

AppKritik_My_Daily_Cosmopolitan5Was hätte besser sein können?

Ich hätte noch ein wenig mehr Kategorien zur Auswahl gegeben, die sich um anspruchsvollere Inhalte zu aktuellen und wichtigen Themen rund um Politik, Kultur und Gesellschaft drehen. Die Printausgabe bedient ja auch sehr erfolgreich diesen Mix aus leichter und anspruchsvoller Kost. Ob man stattdessen für den zehnten Artikel über Jennifer Lopez’ Fitnesstipps für einen Knackhintern 2,99 Euro im Monat ausgeben möchte, sei dahingestellt.

Dem kann man jedoch als Android Nutzer ein wenig entgegenwirken: Dank Nutzeranalyse, die sich individuell einschalten lässt, können Artikelangebote besser auf den eigenen Geschmack zugeschnitten werden. Für iPhone Nutzer gibt es dieses Nutzeranalyse-Feature in der App leider bislang nicht.

Überlegenswert wäre auch, ob man, anstatt lediglich die Abovariante, nicht einfach auch einzelne Artikel zum individuellen Kauf anbietet. Ratsam wäre auch ein wenig mehr redaktionelle Sorgfalt. Es sind schon viele Layout- und mitunter Rechtschreibfehler dabei, was natürlich gleich auffällt.

Fazit:

Soweit würde ich die App als gelungen bezeichnen – ob sich viele Nutzer über die kostenfreie Probezeit hinaus tatsächlich für ein Abo entscheiden, sei mal dahingestellt. Es liegt schlussendlich in der Hand des Bauer Verlages, die App stetig zu optimieren und auf Nutzerbedürfnisse zu reagieren. Im Moment glaube ich nicht, dass die App der Printvariante das Wasser reichen kann, auch wenn die mobile Fassung voll im Trend liegt.

Lars-SchmiedgenÜber den Autor: Lars Schmiedgen (31), ist seit seinem 18. Lebensjahr unternehmerisch im digitalen Medienbereich aktiv. Vor seinem Einstieg als Head of Brand bei LOVOO beriet und betreute er mit seiner Agentur Schach&Matt europaweit Kunden, wie z.B. die Hamburger ECE Gruppe zum Thema digitale Transformation und Markenentwicklung. Daraus entstanden sind unter anderem digitale Kinderspielplätze und Shoppingberater, die in Deutschland wie in Istanbul genutzt werden. Auf seinem iPhone 6 befinden sich, unaufgeräumt, nie weniger als 100 Apps, wobei LOVOO, Instagram, Snapchat, Evernote und Wunderlist ganz vorne bei der Nutzung stehen. 

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