Interview mit Sebastian Spang von Burda über Produktstrategien und Erlösmodelle für mobilen Content.

von Fritz Ramisch am 15.Mai 2014 in App Business, Interviews, Mobile Media, News, Ökosysteme

Sebastian-Spang-sw02-223x300„Die Trennung zwischen Desktop und Mobile verschwindet. Wir sprechen zukünftig über digitale Inhalte und Produkte, die passend für Zielgruppe, Nutzungssituation und Device erstellt werden. Journalismus spielt dabei eine unverändert zentrale Rolle, denn die Qualität der Inhalte ist und bleibt ein entscheidendes Erfolgskriterium“, sagt Sebastian Spang, Senior Product Manager Digital bei Hubert Burda Media, im Interview mit mobilbranche.de. Am 20. Mai hält er auf der 6. Mobile Publishing-Konferenz „The Mobile Shift – Neue Produktstrategien und Erlösmodelle für mobilen Content“ einen Vortrag zum Thema „Free, Freemium, Paid? Erlösmodelle und Monetarisierung mobiler Reichweite am Beispiel von TV Spielfilm“. Im Vorfeld der Konferenz gewährt Sebastian Spang Einblicke in die Mobile-Strategie eines Verlagshauses und worauf es bei der Konzeption journalistischer Apps ankommt. Bei der Wahl des Geschäftsmodells bei Content-Apps stellt sich Sebastian Spang vor allem die zentrale Frage „wo bei bei Freemium-Modellen die Paywall eingezogen wird, wie viele Inhalte kostenlos nutzbar sind und wie attraktiv der Premium-Bereich gestaltet sein muss, um eine möglichst hohe Conversion für In-App-Produkte zu erzielen“. Eine Patent-Lösung dafür, das weiß auch Spang, gibt es nicht.

mobilbranche.de: Was ist derzeit Ihre Lieblings-App und warum (TV Spielfilm-App zählt nicht: ) )

Sebastian Spang: Mein aktueller Favorit ist Pocket. Egal mit welchem Device ich gerade online bin, kann ich mir sehr einfach Artikel oder Videos merken und direkt speichern. Später kann ich die Inhalte dann jederzeit abrufen. Pocket ist für mich ideal, um bei einer Vielzahl von lesens- und sehenswerten Inhalten den Überblick zu behalten.

mobilbranche.de: Sie halten auf der 6. Mobile-Publishing-Konferenz einen Vortrag unter dem Titel „Free, Freemium, Paid? Erlösmodelle und Monetarisierung mobiler Reichweite am Beispiel von TV Spielfilm“. Stellt sich im Consumer-Bereich überhaupt noch die Frage ob man eine App von vornherein kostenpflichtig macht?

Sebastian Spang: Die App-Stores sind nach wie vor voll mit Paid Apps. Und je nach App sind Einzelkäufe eine gute Option. Die Entscheidung ob Free, Freemium oder Paid hängt sehr stark von den App-Inhalten ab. Freemium-Modelle, bei denen zumindest eine Basisversion der App frei nutzbar ist, werden für Entwickler immer beliebter. Die zentrale Frage dabei ist: wo wird die Paywall eingezogen, wie viele Inhalte sind kostenlos nutzbar und wie attraktiv muss der Premium-Bereich gestaltet sein, um eine möglichst hohe Conversion für In-App-Produkte zu erzielen.

mobilbranche.de: Die meisten Apps sind werbefinanziert. Die TV-Spielfilm-App auch. Mobile Werbung – auch dadurch bedingt, dass es noch nicht DAS mobile Werbeformat/konzept gibt – stört die meisten Nutzer. Steigt Ihrer Meinung die Zahlungsbereitschaft für Premium-Versionen von kostenlosen Apps, um diese werbefreie nutzen zu können?

Sebastian Spang: Aus dem aktuellen Nutzer-Feedback wissen wir: Werbefreiheit wird bei unserem Premiumangebot erwartet. Das muss aber nicht immer so bleiben. Je attraktiver ein Premiumangebot gestaltet ist, desto höher ist unserer Erfahrung nach die Zahlungsbereitschaft. Wir haben in den ersten 12 Monaten über 20.000 InApp-Abos verkauft, überarbeiten unsere Premium-Features regelmäßig und entwickeln weiter. Werbefreiheit ist dabei ein Feature, das langfristig aber ersetzt werden kann.

mobilbranche.de: Sie arbeiten bei einem der größten deutschen Verlags- und Medienhäuser. Wie schwer/einfach ist/war es Ihre Vorgesetzten davon zu überzeugen, dass Apps, mobile Webseiten und digitale Magazine eher Chance als Bedrohung für den Print-Journalismus sind?

Sebastian Spang: Bei TV Spielfilm sehen wir: die Nutzungszahlen der mobilen Angebote sind um ein Vielfaches höher als die leichten Verluste, die der Programmzeitschriftenmarkt aufweist. Zudem wissen wir aus unseren Marktforschungsdaten, es handelt sich überwiegend um mobile Komplementärnutzung je nach Nutzungssituation. Für uns stehen die Chancen von Mobile deshalb klar im Vordergrund.

mobilbranche.de: Was  gilt es bei der Konzeption und der Umsetzung journalistischer Apps zu beachten? Was unterscheidet journalistische Apps / Apps von Verlagen von anderen Consumer-Apps?

Sebastian Spang:  Zentral für journalistische Produkte sind Inhalte. Die App ist immer nur der Rahmen, in dem diese transportiert werden: so einfach, schnell und nutzerfreundlich wie möglich. Die TV Spielfilm-App ist erfolgreich, weil uns genau das gelingt: die Nutzer gelangen ohne Umwege zu den Inhalten und erfahren mit einem Klick, was heute im TV läuft. Abseits der Inhalte unterscheiden sich erfolgreiche Consumer-Apps nur unwesentlich: schlanke Usability, interessante Features und Spaß bei der Nutzung sind die entscheidenden Faktoren für erfolgreiche Apps.

mobilbranche.de: Lassen Sie uns einen Blick in die Glaskugel werfen. Welche Rolle spielt Mobile in fünf Jahren für Verlagshäuser im Speziellen und den Journalismus im Allgemeinen?

Sebastian Spang: Die Trennung zwischen Desktop und Mobile verschwindet. Wir sprechen zukünftig über digitale Inhalte und Produkte, die passend für Zielgruppe, Nutzungssituation und Device erstellt werden. Journalismus spielt dabei eine unverändert zentrale Rolle, denn die Qualität der Inhalte ist und bleibt ein entscheidendes Erfolgskriterium.

mobilbranche.de: Vielen Dank für das Interview.

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