Das App-Ökosystem steht vor einem Kollaps.

von Maik Klotz am 05.Oktober 2015 in App Business, News, Ökosysteme, Trends & Analysen

shutterstock_135897425Der App-Markt scheint grenzenlos. 3 Mio Apps gibt es heute in den App-Stores. Dem Yahoo-Analyseunternehmen Flurry Analytics zufolge ist die App-Nutzung von 1,4 Mrd Nutzer im Vorjahr dieses Jahr auf gut 1,8 Mrd gestiegen und auch die App-Nutzungszeit hat sich im Vergleich zum Vorjahr um 21 Prozent erhöht. Insgesamt nutzen eine Viertelmilliarde Menschen täglich mehr als 60 Mal eine App auf ihrem Tablet oder Smartphone.

Der Großteil der App-Nutzer, weltweit sind es 985 Millionen Menschen, greift laut der Analyse von Flurry Analytics bis zu 16 Mal täglich auf Apps zu, Heavy User gar bis zu 60 Mal. Zu den am regelmäßigsten genutzten Apps zählen Social-Media- und Messenger-Apps, was sich auch im App-Store-Ranking widerspiegelt. Dort belegen die vordersten Plätze Messenger-Apps wie WhatsApp, Facebook Messenger oder Snapchat gefolgt von Social-Media-Apps wie Instagram, Facebook und Youtube. Apps werden häufiger und länger genutzt, sagt auch eine Erhebung des Marktforschungsunternehmens Nielsen. Nutzer haben zwar eine gleichbleibende Anzahl von Apps auf ihrem Smartphone, jedoch ist die Nutzungszeit in den letzten Jahren kontinuierlich gestiegen. Das Überangebot von Apps wird von den Konsumenten nicht mehr angenommen und das App-Ökosystem steht vor einem Kollaps.

Rückblick

Als Mitte der 90iger Jahre der Computer in unsere Haushalte einzog, war der Bedarf an Software riesig. Bei den Softwareunternehmen herrschte Goldgräberstimmung und Software verkaufte sich hervorragend. Der Bedarf war riesig und gekauft wurde alles, egal ob Telefon-CD, Börsenprogramme, Software zum Drucken von Visitenkarten oder Tuning-Utilities. Die neue Technik bot ungeahnte Möglichkeiten, die es zu nutzen galt. Dieser Software-Boom funktionierte solange, bis die Nutzer festgestellt haben, dass sie sich weder mit der Börse auskennen noch Visitenkarten brauchen geschweigedenn besonders oft nach Telefonnummern suchen. Durch die steigende Verfügbarkeit von Breitband-Internet wurden außerdem viele der Desktop-Anwendungen ins Web verlagert, was immer mehr Software überflüssig machte. Wozu ein Mail-Programm nutzen, wenn es Google Mail im Browser genauso tut? Wozu Office installieren, wenn die Web-Variante das Gleiche leistet? Der Browser war und ist bis heute das wichtigste Werkzeug am Desktop, in dem sich eine Vielzahl von Anwendungsfällen abspielt. Mail, E-Commerce, Office, Messaging, Banking – alles spielt sich im Browser ab.

Google Now persönlicher App-AssistentWir befinden uns heute in einer ähnlichen Situation wie in den 90igern. Einzig der Formfaktor hat sich geändert. Der Computer ist nun ein Smartphone oder Tablet und Apps sind an die Stelle von Software getreten. Die Entwicklung gleicht sich. Nach dem anfänglichen Bedarf, für alles eine App haben zu müssen, werden heutzutage nur noch eine Handvoll Apps regelmäßig genutzt – allen voran eben die bereits erwähnten Social-Media- und Messaging-Dienste. Gleichzeitig übernimmt das Betriebssystem immer mehr Aufgaben, die zusätzliche Apps überflüssig machen. Das Smartphone entwickelt sich immer mehr zum persönlichen Assistenten und für eine Vielzahl von Anwendungsfällen braucht es keine App mehr.

Nachrichten verschicken, Facebook-Status veröffentlichen oder nach dem Wetter erkundigen, funktioniert dank Sprachassistenten wie Siri oder Google Now, ohne das eine App gestartet wird. Beide Assistenten zeigen inzwischen kontextbezogene Informationen an, erinnern ohne Zutun einer App an Termine oder informieren über die aktuelle Verkehrslage oder Flugzeiten. Das Smartphone ist auf dem besten Weg, zu einem Informationshub zu werden, welcher dem Anwender automatisch und kontextbezogene Informationen bereit stellt. In Zukunft wird es nicht mehr um Apps gehen, sondern um Backend-Technologien, aus welchen sich das Smartphone nur noch bedienen wird. Smartwatches sind der erste Schritt in diese Richtung: als verlängerter Arm des Smartphones geht es nicht um Apps, sondern um die kontextsensitive Darstellung von Informationen. Die Zukunft wird vor allen Dingen in der kontextbezogenen Darstellung von Informationen auf unterschiedlichen Formfaktoren bzw. Geräten liegen.

Natürlich muss man die Kirche im Dorf lassen. Apps sind ein wichtiger Faktor und werden so schnell auch nicht verdrängt. Es trennt sich aber zunehmend die Spreu vom Weizen. Nur Apps, die einen nachvollziehbaren Kundennutzen erfüllen, haben die Chance erfolgreich zu sein. Und so wie das Unternehmen hinter der goldenen Visitenkartendruckerei verschwand, genauso werden viele Apps vom Markt verschwinden, die einfach nur da sind. Die Vorteile von Apps werden immer geringer. Offline-Inhalte, Geschwindigkeit oder Usability werden in Zeiten von HTML5 und mobilen Breitbandinternet immer geringer. Kürzlich wurde ein Gedicht bei Techcrunch veröffentlich mit dem treffenden Namen “I Do Not Want Your Stupid App”. Treffender kann man es nicht formulieren. (Beitragsbild: shutterstock.com)

I do not want your stupid app
I will not use this siloed crap.
I do not like them, Sam-I-am.
I do not want this mobile spam!

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