Mobile Government ist in Deutschland kaum gefragt.

von Fritz Ramisch am 31.Juli 2015 in News, Studien

shutterstock_263479379Behörden haben auf dem Handy (noch) keinen Platz: Online-Angebote von Behörden, Kommunen und Gemeinden werden in Deutschland (39 Prozent) verglichen mit Österreich (73 Prozent) und der Schweiz (69 Prozent) vergleichsweise selten genutzt. Die Nutzung sogenannter eGovernment-Dienste ist laut „eGoverment Monitor 2015“ der Initiative D21 und des Institute for Public Information Management (Ipima) im Vergleich zum Vorjahr rückläufig. Das liegt u.a. an mangelnden Angeboten aber auch an geringer Benutzerfreundlichkeit bestehender Angebote. Die größte Nutzungsbarriere ist demnach die mangelnde Bekanntheit vieler Angebote. „Behörden sind oft zu unbeweglich, zu wenig innovativ und zu wenig kundenfreundlich“, findet Bitkom-Hauptgeschäftsführer Bernhard Rohleder und fügt hinzu: „Wenn wir es ernst meinen mit den digitalen Bürgerdiensten, dann müssen wir das Tempo hier deutlich erhöhen.“ Die Nachbarländer sind da schon mehr als einen Schritt weiter: In den Niederlanden nutzen bereits 79 Prozent der Internetnutzer Online-Behördenangebote, in Dänemark waren es 2013 laut Eurostat sogar 85 Prozent. Mobile Behörden-Angebote sind hierzulande zwar vorhanden, werden oft aber nicht aktiv beworben oder lassen Nutzerfreundlichkeit vermissen. Das Bundesinnenministerium wollte eigentlich schon im April den elektronischen Personalausweis (AusweisApp2) als App für iOS und Android veröffentlichen, bisher gibt es aber nur eine Desktop-Variante. Viele Städte bieten zudem zwar bereits eigene Apps an, die wenigsten bieten aber einen konkreten Zusatznutzen gegenüber der Webseite. Entsprechend gering ist auch die mobile Nutzung. Zwar nutzen oder planen immerhin 40 Prozent der Internetuser in Deutschland die Nutzung der Handy-Signatur – also die digitale Unterschrift als eine Art digitaler Ausweis im Netz. Doch bei der Abwicklung von Behördengängen spielen Mobilgeräte noch keine große Rolle. Die Nutzung mobiler Endgeräte für digitale Behördengänge steigt zwar leicht von 38 Prozent (2014) auf 40 Prozent. Doch nur 49 Prozent der Befragten glauben, dass Handys und Tablets künftig bei der Erledigung behördlicher Angelegenheiten eine wichtige Bedeutung haben werden.

eGovernment Monitor 2015

Zum Vergleich: In Österreich liegt die Zahl bei 68 Prozent, in der Schweiz bei 65 Prozent. Zwar suchen viele Internetnutzer mobil nach Öffnungszeiten und Kontaktdaten von Behörden und öffentlichen Einrichtungen oder holen Fahrplanauskünfte ein, doch oft geht die Nutzung der Angebote über die Recherche nicht hinaus. Nur 10 Prozent der Befragten buchen zumindest gelegentlich ihr Ticket für die Öffis per Smartphone. Noch weniger Deutsche reservieren ihr KfZ-Wunschkennzeichen mobil oder nutzen den Bücher-/Medienverleih ihrer Stadtbücherei.

eGovernment Monitor 2015 mobile Angebote

Der Bedarf ist den Umfrageergebnissen zufolge aber auch nicht besonders groß. Bereits jetzt gibt es übrigens Plattformen, die sich die Vermittlung von Terminen bei Bürgerämtern gegen Geld zum Geschäftsmodell gemacht haben. Die einen nennen das Jerk-Tech (Arschloch-Tech), die anderen eine Geschäftsidee mit Zukunft. Die Behörden könnte solchen Unternehmen schnell den Stecker ziehen – mit innovativen, mobilen Angebote, die Termine vor Ort überflüssig machen. Dass die Umsetzung technisch nicht allzu schweirig ist, beweist buergeramt-termine.de.
egovernment.de, bitkom.org


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