17. Mobilisten-Talk: „Wir brauchen das Handy als Steuerungsgerät für die digitale Transformation.“

von Fritz Ramisch am 04.März 2016 in Events, Mobilisten-Talk, News, Trends

Mobile Trends 2011 bis 2021

von links nach rechts: Laurent Burdin, Benjamin Thym, Florian Treiß, Mark Wächter, Markus Oliver Göbel, Jan Wolter

„Ist der Dienst geil, wird er genutzt“, lautet für Benjamin Thym von Barcoo gestern wie heute die simple Regel dafür, ob Verbraucher einen mobilen Service nutzen oder nicht. Das ist allerdings eine der wenigen Konstanten, die in der schnelllebigen Mobilbranche tatsächlich Bestand haben. Der 17. Mobilisten-Talk im Telefónica BASECAMP in Berlin bot anlässlich unseres fünfjährigen Bestehens einen Blick auf die zurückliegenden und kommenden fünf Jahre der Mobilbranche. Der Abend wurde geprägt von Stichwörtern wie Apps, Netzausbau, Internet der Dinge, Smart Home und Big Data.

Mobile Trends 2011 bis 2021

Martje Abeldt von App Annie

Martje Abeldt von App Annie leitete den Abend treffend mit dem Satz „Nothing goes without Apps“ ein und gab in seiner Keynote einen Einblick auf die rasante Entwicklung im App-Markt: Apps knacken einer Prognose von App Annie zufolge bis 2020 die Marke von 100 Mrd Dollar weltweitem Jahresumsatz – und das nur bezogen auf App-Verkäufe und In-App-Verkäufe, während mobile Werbung und Mobile Commerce noch nicht mit eingerechnet sind. „Der tatsächlich durch Apps generierte Umsatz liegt also noch viel, viel höher“, so Abeldt.

Höher, schneller, weiter ist auch das Motto in den digitalen Welthauptstädten, die Laurent Burdin, ehemaliger Geschäftsführer bei SinnerSchrader Mobile, kürzlich bereist hat. „Dreams, Rooms, Animals“, so die Kurzfassung der viermonatigen Digital-Weltreise des gebürtigen Franzosen, der von Konzeptstores mit viel Innovationen und wenigen Kunden („Innovation Stores, die für CEOs gemacht wurden“), sprechenden Robotern und disruptiven Apps wie dem chinesischen Taxi-Dienst Didi Kuaidi berichtete. Burdin forderte Unternehmen zugleich dazu auf, neue, simplere Interaktionsformen anzubieten: „no more boring interfaces, no more boring websites“.

Das zeigte Wirkung: Langeweile kam bei der anschließenden Panel-Diskussion nicht auf. Markus Oliver Göbel, Innovationsexperte im Presseteam von Telefónica Deutschland, musste sich den einen oder anderen Seitenhieb gefallen lassen: Von langsamen Mobilfunkern, die in der Vergangenheit viel Lehrgeld gezahlt haben, und schlechter Netzabdeckung war die Rede. „Wir müssen nicht alles selbst erfinden. Startups sind die Beiboote des Tankers Telefónica“, warb Göbel für den Mobilfunker als Partner für Startups. In Sachen Mobilfunknetz zitierte er seinen Chef Thorsten Dirks, dass „3G noch das Arbeitspferd“ in Deutschland ist und stärker genutzt wird als das 4G-Netz (LTE). Es werde zudem noch lange dauern, bis es ein flächendeckende 5G-Netz geben werde: „So ein Netz, das atmet ja“, so Göbel. Das schöne an 5G sei aber, dass hierfür kein komplett neues Netz aufgebaut werden müsse, sondern das ganze auf bestehenden Netzen aufbaue. Internetkonzerne, die selbst Mobilfunkdienste anbieten, beobachte man bei Telefónica zwar sehr genau, vom Aussterben der Telekommunikationskonzerne könne aber keine Rede sein, denn: „An jeder Antenne hängt am Ende noch ein Kabel dran“, so Göbel. Gerade das Internet der Dinge bietet neue Wachstumsfelder für Telefónica. Viele Alltagsgegenstände werden mit eSIMs ausgestattet – z.B. Schuhe von Demenzkranken, Papierspender oder sogar Bäume.

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An den angeblich bevorstehenden Tod der Smartphones, wie ihn letzte Woche der Sony-Boss auf dem Mobile World Congress ausgerufen hatte, wollte Mobile-Strategieberater Mark Wächter nicht so recht glauben: Es gäbe weltweit schließlich noch rund 4 Mrd Menschen, die noch nicht vernetzt sind. „Das Smartphone hat sich dramatisch zu einem persönlichen Assistenten entwickelt, die Innovationen merken wir da gar nicht mehr. Wir brauchen das Handy als Steuerungsgerät für die digitale Transformation“, sagte Mark Wächter. Applause-Europachef Jan Wolter hingegen kann sich durchaus vorstellen, dass zumindest das Display vom Smartphone irgendwann überflüssig wird, z.B. durch die Verknüpfung von einer intelligenten Brille, Ohrstöpseln und intelligenten Uhren wie der Apple Watch.

„Egal, was man tut – alles wird Mobile, niemand kann sich diesem Trend entziehen“, so Barcoo-Gründer Benjamin Thym. Das gelte insbesondere für den Handel. Beacons seien eine Möglichkeit, eine Brücke zwischen Online- und Offline-Welt zu schlagen. Nach anfänglichem Hype seien die Funksender laut Thym mittlerweile unterschätzt. Im Zusammenhang mit neuen Technologien wird immer auch über das Thema Datenschutz gestritten. Für Thym ein Debatte, die heißer gekocht als gegessen wird: „Wir in Deutschland sind da nicht wirklich viel sensibler. Wir sprechen zwar viel drüber, aber dem deutschen Konsumenten ist das im Prinzip genauso schnuppe wie in den USA. Die Deutschen nutzen schließlich auch Apps wie Snapchat, Facebook und Co.“ Jan Wolter von Applause wunderte sich, warum zwar der Datenschutz so hoch gehängt wird, Unternehmen es aber im Umkehrschluss verpassen, in Datensicherheit zu investieren. „Da nützt auch der beste Datenschutz nichts, wenn die Server irgendwo im Ausland liegen“, so Wolter, der in Zukunft seine Mails gern via Gedankensteuerung beantworten würde und Virtual Reality für eines der nächsten großen Dinge hält.

Einen Videomitschnitt der Veranstaltung finden Sie hier >>

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