Interview: Maik Klotz will „Mobile Payment neu erfinden“ – in einem zweitägigen Workshop.

von Fritz Ramisch am 26.März 2014 in Interviews, Mobile Payment, News

Seminar-Design-Thinking-mit-Maik-Klotz„Warum muss der Anwender am POS überlegen mit welcher Technologie oder App er denn nun bezahlen kann? Bei einer Kartenzahlung muss er das ja auch nicht“, bringt Maik Klotz das Problem des Mobile Payment hierzulande auf den Punkt. Durch die Fragmentierung im MPayment in Deutschland haben Nutzer oft die Qual der Wahl. „Das größte Problem beim Mobile Payment am POS ist der fehlende Anwendungsfall. Keiner der Lösungsanbieter kann mir erklären, warum man nun mit dem Smartphone im Supermarkt zahlen können soll“, stellt der Klotzbrocken – wie er sich selbst nennt – fest. Deshalb will der als größter Kritiker des M-Payment hierzulande bekannte Experte  in einem zweitägigen Workshop mit Experten und Nutzern „Mobile Payment neu erfinden“. „Der Workshop soll die Aufmerksamkeit auf die Kundenbedürfnisse lenken und versuchen herauszufinden wie mobiles Bezahlen, das den Anwender begeistert, in Deutschland aussehen könnte“, erklärt Maik Klotz die Initiative „Reinventing Mobile Payment„. Als Head of New Business bei der Buhl Data Service GmbH ist er verantwortlich für die mobile App-Vermarktung, als Speaker und freier Autor für t3n.de und mobile-zeitgeist.de beschäftigt sich Maik hauptsächlich mit Mobile Payment, Mobile Wallet oder Online-Banking. Im mobilbranche.de-Interview erzählt Maik Klotz, wie mutig man als Nutzer mobiler Bezahltechnologien wirklich sein muss und wie er in einem zweitägigen Workshop herausfinden will, „wie mobiles Bezahlen, das den Anwender begeistert, in Deutschland aussehen könnte.“

mobilbranche.de:  Du spuckst den Mobile Payment-Anbietern hierzulande regelmäßig in die Suppe, stehst der Marktentwicklung in Deutschland kritisch gegenüber. Jetzt willst du im Rahmen deiner Initiative „Reinventing Mobile Payment“ den Worten Taten folgen lassen und in einem zweitägigen Workshop mit Experten und Nutzern „Mobile Payment neu erfinden“. Was genau versprichst du dir selbst und den Teilnehmern von dem Workshop?

Maik Klotz: Das größte Problem beim Mobile Payment am POS ist der fehlende Anwendungsfall. Keiner der Lösungsanbieter kann mir erklären, warum man nun mit dem Smartphone im Supermarkt zahlen können soll. Als Freund kundenzentrierter Entwicklungen spreche und beobachte ich immer wieder Anwender. Interessant beim Einkaufsverhalten ist, dass viele das Smartphone zwar für Preisvergleiche, zur Suche von Produktinfos oder als Einkaufsliste nutzen, aber beim Bezahlen mit dem Smartphone überhaupt nicht in Betracht kommt. Die Gründe sind vielfältig. Angst vor Datenmissbrauch, ein weiterer Zahlungsstrom der zu weniger Überblick führt, sperrige Usability, die Vielzahl von Lösungen und zu gu­ter Letzt die Frage, warum man denn nun mit dem Smartphone am POS zahlen soll, führen dazu, dass aktuelle Lösungen zum Scheitern verurteilt sind. Der Workshop soll die Aufmerksamkeit auf die Kundenbedürfnisse lenken und versuchen herauszufinden wie mobiles Bezahlen, das den Anwender begeistert, in Deutschland aussehen könnte. Zusammen mit weiteren Experten, wie z.B. André Bajorat und den Anwendern, werden wir versuchen eine Idee dazu zu entwickeln. Wenn uns das gelingt, wäre das schon ein großer Erfolg.

mobilbranche.de: Du kritisierst häufig, dass es zu viele Anbieter und zu viele unterschiedliche Lösungen im Mobile-Payment-Markt in Deutschland gibt. Ist dieser Markt nicht irgendwann auch einmal gesättigt, warum ist der Markt für viele (so unterschiedliche) Unternehmen von Telekommunikationsunternehmen, Banken, Startups etc. so attraktiv?

Maik Klotz: Stand heute wissen wir nicht, ob und worauf genau Anwender Appetit haben. Die Lösungsanbieter versuchen aber einen Bedarf zu decken, ohne zu wissen ob und in welcher Form es diesen gibt. Für die Unternehmen bietet mobile Payment verschiedene Optionen: Kundenbindungsinstrumente, die Möglichkeit an den Transaktionen zu verdienen, sammeln von Nutzerdaten, Einblicke in das Einkaufsverhalten. Kurzum: im Zahlungsverkehr kann eine Menge Geld verdient werden. Anders als im eCommerce, wo der Kuchen bereits weitestgehend verteilt ist, sieht die Welt im Mobile Payment noch anders aus. Wären da nicht wir, die Anwender, die Bargeld immer noch lieben und skeptisch gegenüber neuen Zahlungsmethoden stehen.

mobilbranche.de: Stichwort Übertragungsstandards: Kommt es überhaupt darauf an, ob NFC, QR-Code oder BLE?

Maik Klotz: Die Diskussion ist eigentlich müßig. Am Ende zählt nur wie smart der Bezahlprozess ist und ob eine Lösung die Anwender begeistert. Warum viele Unternehmen ausschließlich auf eine einzige Technologie setzen, ist mir ohnehin schleierhaft. Gerade die Mobilfunkanbieter haben einen Tunnelblick beim Thema NFC entwickelt. Man sollte sich auf die Lösungen konzentrieren und nicht auf die Technologie dahinter. Warum muss der Anwender am POS überlegen mit welcher Technologie oder App er denn nun bezahlen kann? Bei einer Kartenzahlung muss er das ja auch nicht.

mobilbranche.de: “Inzwischen habe ich mir auch den notwendigen Mut angeeignet, eine mobile Zahlung (in stationären Geschäften) einzufordern. Denn immer noch zieht man die Aufmerksamkeit des gesamten Personals plus die Blicke aller Menschen in der Warteschlange auf sich. Eine Verbesserung in meinem Leben durch mobiles Bezahlen kann ich noch nicht feststellen”, hat Maike Strothoff kürzlich im mobilbranche.de-Interview ihre Mobile-Payment-Erfahrungen geschildert. Muss man mutig sein, um in Deutschland per Smartphone zu bezahlen?

Maik Klotz: Maike hat absolut Recht. Mir geht es da nicht anders, aber Mut alleine reicht nicht aus. Es gehört ein gewisser Wahnsinn dazu mit seinem Smartphone in stationären Geschäften zu bezahlen. Smartphone-Zahler sind die neuen Passend-Herausgeber. Paradoxerweise hat jemand, der mit dem Smartphone zahlt zunächst kein Problem, denn er muss ja nicht warten – die Menschen dahinter schon. Und hier sieht man schon das Dilemma. Viele Menschen reagieren abneigend beim Thema Mobile Payment, ohne es selbst genutzt zu haben, ihre passive Erfahrung war einfach schlecht. Dazu kommen die oben genannten Ängste.

mobilbranche.de: Für Achim Himmelreich von Mücke, Sturm & Company ist iBeacon ein potenzieller Game Changer am POS und Apple ein ernstzunehmender Player im Mobile Payment Markt. Laut MS&C könnte Apple innerhalb der nächsten drei Jahre den Kreditkartengesellschaften 120 Mio Euro Umsatz mit Kredikartengebühren streitig machen. Hälst du die Einschätzung für realistisch?

Maik Klotz: Die Möglichkeiten mit Beacons am POS sind zweifelsohne spannend und Apple ist die große Unbekannte im ganzen Payment-Markt. Bei der über BLE funktionierenden Beacon-Technologie darf man aber das Thema Sicherheit nicht ausser Acht lassen, denn anders als NFC ist BLE leichter angreifbar. Sollte Apple tatsächlich in MPayment einsteigen, dann wird es gut funktionieren. Vorstellbar wäre eine Kombination aus BLE und NFC. iBeacons für alles um die Zahlung herum (Produktinfos, Indoor Navigation, Marketing) und NFC als Technik für den Bezahlprozess. Das alles wieder in einem geschlossen Ökosystem, welches gut funktioniert. Denn wenn Apple etwas gut kann, dann sind es kundenzentrierte Entwicklungen. Mit einem Zahlungsanbieter wie zum Beispiel PayPal an Board könnte Apple ein gut funktionierendes System etablieren. Bezahlt wird dann mit dem Fingerabdruck. Samsung zeigt beim Galaxy S5 zusammen mit PayPal ja schon erste Ansätze. Man darf aber auch nicht vergessen, dass es nicht „den“ Payment Markt gibt, sondern Bezahlprozesse in jedem Land anders funktionieren. Auch für Apple eine Hürde.

mobilbranche.de: Damit Mobile Payment in Deutschland Mainstream wird muss … (Bitte vervollständige den Satz)

Maik Klotz: … muss es ein Kundenbedürfnis befriedigen.

mobilbranche.de: Vielen Dank für das Interview.

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