EXKLUSIV: MyMobai-Gründer André Reif über die Insolvenz seines Startups für Mobile Couponing.

von Florian Treiß am 13.Juli 2012 in Interviews, Location Based Services, Mobile Couponing, News, Personalien

MyMobai, einer der deutschen Pioniere im Bereich Mobile Couponing (Bereitstellung von Gutscheinen via Smartphone), ist zahlungsunfähig, nachdem eine neue Finanzierungsrunde gescheitert ist. Bereits am Montagnachmittag wurde auf Antrag von MyMobai-Gründer André Reif am Amtsgericht Dresden das Insolvenzverfahren eröffnet, Bruno Kübler wurde zum Insolvenzverwalter bestellt. Die verbliebenen Assets sollen nun verkauft werden, die meisten der ehemaligen Mitarbeiter haben bereits einen neuen Job gefunden.

MyMobai-Gründer André Reif erläutert in einem ausführlichen Statement auf mobilbranche.de die Hintergründe der Insolvenz und erläutert, wie es nun weitergehen soll:

Gründer haben gute Ideen. Das was ihnen fehlt ist meist das Schmiermittel – Barvermögen. Wir hatten bereits 2008 die Idee zu Mobile Couponing – weit vor dem Durchbruch von Smartphones. Bis 2010 finanzierte ich als Gründer gemeinsam mit meinem Geschäftspartner selbst. Dann konnten wir einen Investor überzeugen. Sammelten 800 T€ ein. Und nun konnte es losgehen. Organisation aufbauen. Fachkräfte einstellen und somit auf breitere Schulter stemmen. Im Vorfeld hatten verschiedene Innovationen zu ersten Patentanmeldungen geführt. Jeder der schon mal Patente angemeldet hat, erschrickt darüber was das kosten wird, wenn man sie weltweit anmeldet. Ich hatte viele Innovationen, die es wert waren sie anzumelden – weltweit und gleich fünf.

Mit den Mitteln, die wir hatten, haben wir zahlreiche Innovationen im Bereich Clearing, Consumer Insights samt Wiederansprache und einen automatisierten Couponingkreislauf erstellt. Haben 2010 bis 2012 Kampagnen mit namhaften Unternehmen (wie Fitness First, Karstadt, Telekom-Shops, etc) realisiert, nutzten Geschäftsbeziehung zu Retailern, Marken, Media-Agenturen und POS-Providern. Partnerschaften mit NCR Corporation (weltgrößter Kassensystemhersteller), engagierten uns bei der GS1 und im EHI. Unsere Technologie und die Integration in Kassensystem stellt eine perfekte Grundlage für Mobile Payment dar. Wir waren und die Technologie ist noch heute unseren Mitbewerbern überlegen.

MyMobai wuchs 2011 auf 23 Mitarbeiter an. Alles Experten. Im Mai 2011 bereiteten wir eine weitere Finanzierungsrunde vor. Die Investoren wollten eine große Runde drehen. Für mich alles neu. Der Markt war noch nicht so weit. Der Investor lehnte weitere Investoren ab und meinte es müsste noch besser vorbereitet werden. Okay – wenn das so sein soll. Problem war nur, dass ich mich eigentlich auf den Ausbau des Dienstes und strategische Kooperationen konzentrieren wollte und alle andere Themen auch noch realisieren musste. Keine Unterstützung. Im August kam dann ein externer Geschäftsführer. Super, endlich Unterstützung. Bis dahin absolvierte ich wöchentlich bis zu 90 Stunden, selten unter 60. Der Neue stellte jedoch gemeinsam mit dem Investor Pläne, wie die Gründer aus dem Unternehmen ausscheiden sollten. Entdeckt und zur Rede gestellt – verneinte er, dass es von ihm sei. Einen Tag später gab er zu, dass er das Management hintergangen hat. Daraufhin legte ich ihm nahe, sein Amt niederzulegen. Tat er nicht. Es folgte die Einladung zur ausserordentlichen Gesellschafterversammlung. Er legte vor der Versammlung sein Amt nieder. Das Vertrauensverhältnis zum Investor mehr als stark angekratzt. Gute Miene zum bösen Spiel. Geschäftsplan für 2012 erstellt: der Investor meinte, wenn wir den Plan einhalten, finanziert er weiter. Bereits im Januar lagen wir für die ersten beiden Monate über Plan. Am 18. Januar 2012 teilte der Investor mir mit, dass er nicht weiter finanzieren wird. Am 19. Januar erwirkte ich Kurzarbeit für die Belegschaft und einen Tag später startete ich eine Investoren-Roadshow. Verhandelte nach fünf Terminen mit zwei Unternehmen. Es folgten weitere Pläne, wie es weiter geht. Alles eine sehr emotionale Zeit für mich, war es doch mein Baby in dem mein Herzblut steckt. Letztendlich war ein Unternehmen bereit, es weiter zu finanzieren und als Gesellschafter einzusteigen. Bis zum Einstieg musste eine Zwischenfinanzierung her. Erst waren alle dabei, Gründer, Neuinvestor und Alt-Investor – dann zog der Alt-Investor zurück. Daraufhin zog der mögliche Neu-Investor sein Engagement zurück, wenn der Großaktionär keinen Cent investiert. Klar und nachvollziehbar. Daraufhin ich stellte ich einen vorsorglichen Antrag auf Insolvenz, da auch die Förderbank, von denen wir Gelder zur „Verbesserung der regionalen Wirtschaftsstruktur“, Bearbeitungsfehler machte und zu spät auszahlen wollte. Der Druck wurde zu groß. Alle Beteiligten forderten immer noch mehr Engagement von mir. Und da musst du mal kurz innehalten und dich fragen: „Für wen machst du das?“, „Tut dir das gut?“ Normalerweise beantwortet man diese Fragen mit: „Für das Richtige und für dich“, „Ja, das treibt mich an“. Aber wenn die Wertschätzung abhanden kommt…

Nun haben fast alle ehemaligen Mitarbeiter einen neuen Job. Die Assets (Patente und das Couponing-System Skyrocket) werden nun gemeinsam mit dem Insolvenzverwalter Kübler verkauft. Mittlerweile gibt es dafür fünf Unternehmen, die an den Assets interessiert sind.

In den letzten Jahren habe ich viele Kontakte zu Brands, Retailer, Telcos, Verlage und POS-Provider aufgebaut und zahlreiche Lösungen kreiert. Diese Expertise werde ich Unternehmen, die substanzielle Werte schaffen, nachhaltig nach neuen Einnahmequellen suchen und mit Ihrem Management stets am Puls der Zeit bleiben wollen, beratend anbieten.

Abschließend: Es war eine tolle Zeit. Ich bin allen Beteiligen, meinen ehemaligen Mitarbeiter – alle ganz tolle Menschen, den Kunden und Kooperationspartnern und für die Möglichkeit meine persönlichen Horizont so erweitern zu können, dankbar. Ich habe viel dazu gelernt. Jetzt teile ich meine Erfahrungen.

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