Corona-Krise eröffnet auch Chancen.

Liebe Leserinnen und Leser,

weil sich zu viele Bürger nicht an die vergangenen Empfehlungen der Bundesregierung (Stichwort: Social Distancing) gehalten haben, hat die Bundeskanzlerin gestern für mindestens zwei Wochen drastische Maßnahmen verkündet, auf die sich Bund und Länder geeinigt haben. Die Kanzlerin appellierte an alle „Zeigen Sie Vernunft und Herz.“. Danach begab sie sich überraschend selbst in die freiwillige Quarantäne, da bekannt wurde, dass sie Kontakt zu einem infizierten Mediziner hatte. Die Kanzlerin ist nun also auch im Home-Office. Damit geht es ihr nun nicht anders wie vielen Lesern unseres Newsletters, die nicht nur ihre Arbeit neu organisieren müssen, sondern auch das gesamte Privatleben inklusive Kinderbetreuung, Lebensmittelversorgung, sozialer Kontakte und vielem mehr. Wir widmen auch heute dem Thema „Covid-19“ den ersten Teil des Newsletters, stellen aber beruhigt fest, dass auch in der Mobilbranche das Leben mit anderen Themen weitergeht. Da viele heute mehr Zeit zum lesen haben, ist es auch etwas länger geworden.

Weltweit größter Hackathon löst Probleme digital

Komplett digital wurde am Wochenende der „WirVsVirus“ Hackathon der Bundesregierung durchgeführt. Mit fast 43.000 Teilnehmern war dies laut Kanzleramtsminister Braun der größte der Geschichte, was die genutzte Kommunikationsplattform Slack an ihre Grenzen führte. Für den Hackathon wurden gut 2.000 Problemstellungen durch Bürger und Unternehmen eingereicht, von denen letztlich 700 zur Lösung ausgewählt wurden. Im Ergebnis wurden durch die Teilnehmer wie etwa Programmierer, Designer und Startups, nach 48 Stunden rund 1.500 Projekte zur Lösung der Probleme eingereicht.  Dazu gehören Apps zur Unterstützung von Ärzten, dem anonymen Datentracking, Corona-Chatbots oder Lern-Apps. Eine Jury will diese im Laufe der Woche bewerten und die besten Projekte auszeichnen.

Videochat-Apps beliebt, Smartphone-Ortung nicht

Die aktuelle Situation führt auch zu Veränderungen in den App-Store-Charts. Dauer-Nummer-1 WhatsApp steht dort inzwischen auf Platz 13. Als Alternative zu verbotenen Corona-Parties findet man auf Platz 1 nun die vier Jahre alte App Houseparty, mit der man nicht nur Video-Chats mit bis zu acht Personen starten, sondern auch gemeinsam Party-Spiele spielen kann. Auch die gratis Video-Call-Apps Zoom, Skype und Microsoft Teams sind nun in den Top 10. Ebenfalls beliebt ist die Google-Chrome Erweiterung Netflix-Party, um gemeinsam mit Freunden Filme und Serien gucken zu können. Wenn alle Teilnehmer das Plugin installieren, wird die Netflix-Sendung auf den Geräten synchronisiert.

Nach der massiven Kritik an der geplanten Handyortung zur Rückverfolgung von Infektionsketten ist die von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) geplante Änderung des Infektionsschutzgesetzes wohl vom Tisch. In Polen hingegen sollen unter Quarantäne gestellte Personen mit Hilfe einer Smartphone-App kontrolliert werden. Bei Missachtung der Vorgaben drohen Geldbußen oder Polizeibesuche.

In Großbritannien hat eine Anwaltskanzlei ihre Mitarbeiter dazu aufgefordert, Sprachassistenten wie Alexa oder Cortana bei Besprechungen mit Mandanten auszuschalten. Diese könnten die Gespräche mithören. Angeblich soll man sich dagegen übrigens mit der App „IoT Assistant“ schützen können. Die App spioniert im Prinzip zurück und will so die Schnüffler erkennen.

Es gibt aber auch so schon genügend Apps, die einen ausspähen, ohne dass man es merkt. Bekanntestes Beispiel der letzten Zeit war das Antivirenprogramm von Avast, dass einen eigentlich vor Viren schützen sollte, im Hintergrund aber Daten sammelte und verkaufte. Das nennt man „Dual Use“. Um sich davor zu schützen soll einem die App „Jumbo Datenschutz“ helfen. Die App prüft auf dem Smartphone, was andere Apps dort machen, so z.B. bei Facebook, und gibt einem Tipps und Hinweise. Nun kann man nur hoffen, dass diese App wiederum keine Dual-Use-App ist. Ach, es ist kompliziert….

Behörden empfehlen Apps, WHO Chatbot bei WhatsApp

Verschiedene Katastrophenschutzbehörden empfehlen generell die Installation der Apps KATWARN und NINA. Über KATWARN werden Meldungen der örtlichen Feuerwehr-Leitstellen, des Katastrophenschutzes oder des Deutschen Wetterdienstes verschickt. Dies erfolgt unabhängig von der jetzigen Situation, also zum Beispiel auch bei Unwetter. Nina basiert auf dem Warnsystem des Bundes und wird vom  Bundesamt für Bevölkerungsschutz herausgegeben. Beide Apps finden unterschiedlich in den Landkreisen und Städten Anwendung.

Die Weltgesundheitsorganisation WHO hat einen WhatsApp-Chatbot zum Coronavirus gestartet (Englisch). Einfach in der App ein „hi“ an +41 79 893 18 92 senden und man bekommt entsprechende Informationen von autorisierter Stelle.

Snapchat schaltet ein Mental-Health-Feature in seiner Messenger-App frei, um Nutzern bei Ängsten rings um das Coronavirus zu unterstützen. Vor allen junge Leute sollen so Unterstützung bei psychischen Belastungen speziell zu Fragen zum Thema Covid-19 bekommen.

Die Spieler des Fußball-Bundesligisten Eintracht Frankfurt stehen auch unter Quarantäne. Für die Essensversorgung wurde eigens eine App eingerichtet, mit der die Spieler Essen bestellen können, dass dann von Mannschaftskoch Stefan Eisler nach Hause geliefert wird.

Durch vermehrtes Streaming und Homeoffice sollen die deutschen Netze nicht überlastet sein. Vorsorglich haben Youtube, Amazon, Netflix, Apple und Disney angekündigt, den Datenverbrauch während der Corona-Krise zu reduzieren. In Frankreich wird der Start von Disney+ auf Bitten der französischen Regierung auf den 7. April verschoben.

Außer Konkurrenz läuft die Klopapier-App des Teams vom Postillion. Das erste digitale Klopapier wird wie normales Papier verwendet. Für jedes neue Blatt einfach auf dem Bildschirm nach oben wischen und das Smartphone wie herkömmliches Toilettenpapier verwenden. Nach der Säuberung soll das Smartphone in der Toilette runtergespült werden. (Achtung: Ironie!)

Natürlich trifft die Krise auch die Smartphone-Hersteller hart. Die großen Hersteller verkauften im Februar nur 62 Millionen Geräte. Gegenüber dem Vorjahr ein Rückgang von 39 Prozent. Inzwischen läuft der Verkauf von iPhones in China aber wieder so gut, dass Apple dort nur zwei Geräte pro Bestellung im Online-Shop zulässt. Während die Apple-Stores in China wieder geöffnet wurden, bleiben sie im Rest der Welt geschlossen. Ein echtes Problem für jeden, der sein Gerät dort zur Reparatur abgegeben und noch nicht abgeholt hat. Apple kontaktiert die Betroffenen aber und will die Geräte zusenden.

News jenseits von Corona

Apple hat das neue iPad Pro mit Tiefenscanner vorgestellt. Mit dem neuen iOS 13.4 (soll morgen erscheinen) kann man künftig außerdem per Trackpad oder Maus das iPad bedienen. Das sieht in diesem Video wirklich gut aus. Das Magic Keyboard (ab Mai erhältlich) dient außerdem als magnetische Halterung für das iPad und lässt es quasi oberhalb der Tastatur schweben.

Wer sich nicht nur aus hygienischen Gründen mit dem Gedanken beschäftigen will, was passiert, wenn man in Deutschland das Bargeld abschafft, dem können wir diesen Tagesschau-Zukunft-Podcast empfehlen, in dem das Szenario einmal durchgespielt wird. Die Bank of England beschäftigt sich inzwischen mit dem Modell einer staatlichen Crypto-Währung, da man das Feld nicht Facebook mit Libra oder Bitcoin überlassen möchte. Die aktuelle Studie dazu liefert umfangreichen Stoff zur Diskussion.

Trotz der zurzeit schwierigen Situation hält die Telekom an ihrem Plan fest, bis Ende 2020 die 20 größten Städte in Deutschland mit 5G zu versorgen.

Wer noch Abwechslung für die Kids zuhause braucht, kann jetzt kostenlos auf die Hörspiele von „Karussell“ zurückgreifen. Die beliebten „Was ist Was“ oder „Conny“ – Hörspiele werden dann auf Spotify, deezer oder Apple Music abgespielt.

Ausblick

Zum Schluss stellt sich schon heute die Frage, wie die Welt nach der Corona-Krise aussieht. Der bekannte Wissenschaftler und Autor Yuval Noah Harari („Homo Deus“) malt da ein eher düsteres Bild, das den Staaten Tür und Tor zur Überwachung der Bürger öffnet. Schließlich wurden die Sicherheitsgesetze nach 9/11 auch in Deutschland nicht zurückgenommen, Überwachungskameras nicht mehr abgebaut. Ähnlich wird man stärkere staatliche Überwachung auch in Zukunft rechtfertigen können. In China wurde die Corona-Überwachungs-App aus dem Hause Alibaba erfolgreich eingesetzt. Es ist nicht davon auszugehen, dass die dadurch eröffneten Möglichkeiten zurückgenommen werden. Letztlich wurde erfolgreich gezeigt, wie man technische Möglichkeiten zur Verhaltenssteuerung einsetzen kann.

Im Gegenzug ging aber ein sehr positiver Text des Zukunftsforschers Matthias Horx viral. In „Die Welt nach Corona“ malt er ein positives Bild der Gesellschaft. Schon jetzt sei erkennbar, dass Shitstorms und Verschwörungstheorien rückläufig seien und sich eine vernünftige Politik durchsetze. Dafür wendet er die Technik der Re-Gnose an und wirft aus der Zukunft des Herbst 2020 einen Blick zurück auf das, was (theoretisch) geschah. Mutmachend!

Unsere App-Tipps powered by MORE Exciting Commerce

Etwas Ablenkung vom Coronavirus und Inspiration für App-Macher soll unsere neue Serie mit täglichen App-Tipps powered by MORE Exciting Commerce liefern. Hier die letzten zwei Tipps:

Lillydoo – Babynamen finden und Windeln im Abo bestellen.

Begleiter von der Schwangerschaft über die Geburt bis hin zum älter werden des Kindes: Das ist die Idee von Lillydoo. Das Frankfurter Startup ist angetreten, Windeln und andere Produkte für die Babypflege im Abo anzubieten – und will dieses Jahr bereits 100 Mio Euro damit umsetzen. Dabei verfolgt Lillydoo mit seiner App einen smarten Ansatz: Schon während der Schwangerschaft können die künftigen Eltern mit der App spielerisch nach einem passenden Babynamen suchen.

Too Good To Go rettet übrig gebliebenes Essen vor der Tonne.

Über 11 Mio Tonnen Lebensmittel landen in Deutschland jährlich in der Tonne. Wer diese Lebensmittelverschwendung verhindern und gleichzeitig lokale Bäckereien oder Cafés unterstützen möchte, dem sei die App „Too Good To Go“ für iOS und Android ans Herz gelegt. Die Idee: Bäckereien, Restaurants und Lebensmittelhändler können übrig gebliebene Speisen und Lebensmittel über die App zum Schnäppchenpreis verkaufen statt sie wegzuschmeißen. Nutzer bekommen für eine Handvoll Euro nicht verkaufte Frisch- und Backwaren, die viel zu schade für die Tonne sind. Containern 2.0 quasi. Eine Tüte Brötchen, eine Kiste Obst & Gemüse oder ein warmes Mittagsgericht ab 3 Euro – da lohnt sich auch ein kleiner Umweg.

In diesem Sinne: Bleiben Sie neugierig und gesund!
Ihre mobilbranche.de-Redaktion

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