Interview mit Jan Wolter von Applause: Nichts ist schlimmer als ein enttäuschter App-Nutzer.

von Florian Treiß am 01.Oktober 2014 in App Business, Interviews, Mobile Startups, News

Jan-Wolter copy„Unternehmen müssen begreifen, wie wichtig die Qualität ihrer Apps für die eigene Reputation und den langfristigen unternehmerischen Erfolg ist“, sagt Jan Wolter von Applause im Interview mit mobilbranche.de. Jan ist VP und Geschäftsführer Europa bei Applause und verantwortlich für den Ausbau des Unternehmens im europäischen Markt. Applause bietet verschiedene Testing-Lösungen an und hilft Unternehmen die Qualität ihrer Apps und digitalen Auftritte zu steigern – zum Beispiel durch sogenanntes In-The-Wild Testing. Dabei prüfen qualifizierte Tester die Apps in realen Nutzungssituationen auf Herz und Nieren. „Funktioniert eine App nicht ab der ersten Anwendung problemlos, wird sie entweder nicht wieder genutzt oder verschwindet sofort vom Smartphone oder Tablet“, erklärt Wolter die Herausforderung an App-Entwickler. Funktioniert die App nicht, kann „selbst eine über Jahre aufgebaute Bindung zu einer Marke in Sekunden zerstört werden“, warnt Wolter.

mobilbranche.de: 44% aller Fehler in mobilen Apps werden laut einer Studie von Perfecto Mobile erst von ihren Nutzern entdeckt. Warum kommen so viele Apps fehlerhaft auf den Markt?

Jan Wolter: Die App Economy zählt zu den am härtesten umkämpften Märkten. Der Druck steigt von Jahr zu Jahr spürbar – sowohl für Unternehmen als auch für deren App-Entwickler. Die Abstände zwischen den Launch-Terminen und Software-Updates werden immer kürzer und der Anspruch der Nutzer steigt: Funktioniert eine App nicht ab der ersten Anwendung problemlos, wird sie entweder nicht wieder genutzt oder verschwindet sofort vom Smartphone oder Tablet. Dabei fällt ein adäquates Testing mit professionellen Testern, das die Qualität für Nutzer sicherstellt, oft genug unter den Tisch.

Neben dem wachsenden zeitlichen Druck erschwert auch die wachsende Gerätefragmentierung, die steigende Zahl unterschiedlicher Betriebssystemversionen und die teilweise komplexen Nutzungssituationen unterwegs eine schnelle Anpassung an die neuen Anforderungen. Um ein möglichst reibungsloses Nutzererlebnis sicherzustellen, reicht ein Testing unter Laborbedingungen daher meist nicht aus. Leider haben bisher zu wenige Unternehmen verstanden, wie wichtig ein Testing in the wild, also unter realen Bedingungen durch professionelle Tester, vor dem Launch der App wirklich ist.

mobilbranche.de: Was sind aus Ihrer Sicht die größten Fehler, die man bei der App-Entwicklung machen kann?

Jan Wolter: Letztlich gibt es Vieles, das Entwickler falsch machen können. Der größte Fehler wäre jedoch, die eigene App vor dem Launch nicht ausreichend testen zu lassen. Dabei genügt es nicht, die Anwendung nur im Labor einem Qualitätscheck zu unterziehen. Wichtig ist, dass Entwickler verstehen, was die eigene Zielgruppe will und vor allem wie sie die App wahrnimmt. Deshalb muss sichergestellt sein, dass auch die Rahmenbedingungen, unter denen die App getestet wird, der Realität der User so nah wie möglich kommen.

mobilbranche.de: Und was sind die Konsequenzen von schlechter App-Qualität für die Unternehmen, welche die Apps herausbringen?

Jan Wolter: In einem so stark umkämpften Markt mit unzähligen veröffentlichten Apps am Tag, ist das alte Sprichwort „Es gibt keine zweite Chance für den ersten Eindruck“ aktueller denn je. Nutzer erwarten nichts weniger als Perfektion, vom ersten Tag an. Apps müssen immer und überall funktionieren, schnell laden, das halten, was sie versprechen und natürlich dürfen sie nicht abstürzen. Ansonsten kann das schnell zu Frustrationen auf Seiten der Nutzer führen.

Sind die User erst einmal enttäuscht, werden sie sich schnell Alternativen suchen und wechseln – umso mehr, da die Kosten für einen Anbieterwechsel bei mobilen Anwendungen bei nahezu Null liegen. Selbst eine über Jahre aufgebaute Bindung zu einer Marke kann so in Sekunden zerstört werden.

Zusätzlich werden Nutzer in Zeiten von Social Media und der Möglichkeit, Bewertungen und Rezensionen in App Stores abzugeben, ihre Enttäuschung und Frustration mit anderen Menschen teilen. Mit negativen Konsequenzen für die Reputation einer Marke und im schlimmsten Fall auch für den Umsatz.

mobilbranche.de: Applause bietet ein sogenanntes 360° Qualitäts-Testing an. Mit welchem „Rundumblick“ wollen Sie denn dafür sorgen, das Apps besser werden?

Jan Wolter: Wollen Unternehmen ihren Nutzern einmalige digitale Erfahrungen bieten, sollten sie einen möglichst integrierten Ansatz verfolgen, um die Qualität der eigenen Apps konstant zu verbessern. Dabei ist es wichtig, Anwendungen aus jedem Winkel und während jedes Entwicklungsschrittes unter die Lupe zu nehmen. Und genau hier setzen unsere Tools und Services an.
Wir bieten Unternehmen die Möglichkeit, ihre Anwendungen von 150.000 professionellen Testern weltweit in the wild testen zu lassen – also auf echten Geräten und unter realen Bedingungen. Daneben profitieren Entwickler mit unserem SDK (Software Development Kit) von unterschiedlichen Vorteilen: Es vereinfacht die Auslieferung der App an ausgewählte Tester (Over-The-Air Build Distribution) und verbessert das Nachverfolgen von Fehlern mittels In-App Bug Reporting, automatischem Crash Reporting und dem In-App Nutzerfeedback. Derzeit noch auf den US-Markt beschränkt, komplettiert Applause Analytics unseren 360°-Ansatz für App-Qualität, indem es eine „Sentiment-Analyse“ der abgegebenen Reviews durchführt, um Produktmanagern einen Überblick darüber zu geben wie ihre Anwendungen in einzelnen Kategorien wie z.B. Usability oder Performance bewertet werden – auch im Vergleich zum Wettbewerb und im Zeitverlauf. Außerdem ist es möglich, Warnmeldungen per E-Mail zu erhalten, wenn es Auffälligkeiten in den Reviews gibt oder bestimmte Schlüsselwörter genannt werden. All diese Tools und Service-Angebote vereint unser 360° App Quality Dashboard und begleitet unsere Kunden damit über den kompletten Softwareentwicklungszyklus bis nach dem Launch.

mobilbranche.de: Ein zentrales Element Ihres App-Testings ist nach dem Zusammenschluss von uTest und Testhub zu Applause ja das weltweite Netzwerk von 150.000 App-Testern. Was qualifiziert diese Leute dazu, Fehler aufzuspüren?

Jan Wolter: Bei Applause wählen wir nicht beliebig aus – durchschnittlich haben unsere Tester bereits fünf Jahre professionelle Erfahrung, wenn sie in Kundenprojekten für uns arbeiten.

Basierend auf der Ergebnisqualität, Aktivität und dem Feedback unserer Kunden werden Tester innerhalb der Community bewertet: Werden beispielsweise regelmäßig Bugs gemeldet, die Kunden als besonders hilfreich bewerten, beeinflusst das die Bewertung eines Testers positiv. Dabei erhalten die Tester individuelle Bewertungen für jedes Testing-Verfahren, so dass unsere Kunden immer erkennen können, in welchem Feld einzelne Tester besonders qualifiziert sind.

Außerdem füllt jeder Tester ein umfassendes Profil aus, das uns dabei hilft, zu entscheiden, welche Person für welches Projekt am besten geeignet ist. Zudem können Informationen über besondere Stärken, Zertifikate und andere hilfreiche Erfahrungswerte ergänzt werden.

mobilbranche.de: Wie helfen Sie Ihren Kunden nach dem eigentlichen App-Testing dabei, die gefundenen Fehler abzuschalten?

Jan Wolter: Unser Fokus liegt vor allem darauf, alle Fehler und Probleme mit Hilfe des In-The-Wild Testings ausfindig zu machen und nach dem Bug-Fixing noch einmal zu überprüfen, dass auch wirklich alle Fehler behoben sind. Zusätzlich bieten wir über unser Applause Analytics Tool die Möglichkeit Auffälligkeiten in Reviews schnell zu identifizieren. So stellen wir sicher, dass Unternehmen Apps launchen, die aus Nutzersicht problemlos funktionieren. Daneben unterstützen wir unsere Kunden ebenfalls dabei, die Performance ihrer Apps zu verbessern. Dafür arbeiten wir eng mit verschiedenen Unternehmen wie Crittercism, IBM, Intel oder Appirio zusammen. Unsere Kunden erhalten alle relevanten Informationen, die sie über den gesamten Lebenszyklus einer App hinweg benötigen. Mit Applause Analytics geben wir US-Kunden zudem die Möglichkeit, genau zu erfahren, was Nutzer über die eigene App denken.

mobilbranche.de: Mittlerweile gibt’s allein in Apples AppStore über 1,2 Millionen Apps – seien sie nun gut oder schlecht. Wohin wird sich die App Economy in Zukunft hin entwickeln?

Jan Wolter: Die bedeutendste Entwicklung der letzten Jahre war zweifelsohne der Umbruch vom Desktop auf das Smartphone als die neue digitale Schnittstelle. Diese Entwicklung wird sich meines Erachtens nicht nur fortsetzen, sie wird sich verstärken. Das beweist Apple dieser Tage eindrucksvoll mit dem Launch von iOS 8: Apps verbinden mehr und mehr verschiedene Lebensbereiche mit dem Smartphone oder dem Tablet – vom Auto über das Fitnessgerät bis hin zum eigenen Zuhause. Doch während Mobile weiterhin den Markt dominiert, liegt die Zukunft vor allem in neuen, untereinander vernetzten Applikationen. Ich denke, es liegt eine anstrengende aber gleichzeitig äußerst spannende Zeit für App-Entwickler vor uns. Eine Zeit, die von Unternehmen verlangt, genau zu verstehen, was Nutzer wollen und kurzfristig darauf zu reagieren. Eine Zeit, die jedoch auch voraussetzt, dass Unternehmen begreifen, wie wichtig die Qualität ihrer Apps für die eigene Reputation und den langfristigen unternehmerischen Erfolg ist.

mobilbranche.de: Vielen Dank für das Interview!


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