„AppStores sind tot“ – Caroline Seifert (Deutsche Telekom) erklärt warum.

von Fritz Ramisch am 06.Oktober 2014 in App Business, Highlight, Interviews, Mobile Design, News

carolineseifert„Es gibt keine Grenze mehr, die Dinge verschmelzen zu einem Gesamterlebnis. Das Internet der Dinge wird das noch deutlich untermauern“, sagt Caroline Seifert, Senior Vice President of Design bei der Deutschen Telekom. Sie koordiniert ein großes Produktdesign-Team und widmet sich der digitalen Zukunft – sprich dem vernetzten Leben und Arbeiten. „App Stores sind tot.“ So lautet der provokante Titel eines kürzlich von Caroline Seifert in der „Business Punk“ veröffentlichten Artikels. „In 10 Jahren ist der Zugang zur Information und zu Content so vielfältig, dass es andere Ordnungsstrukturen braucht und auf jeden Fall geben wird“, sagt Seifert im Interview mit mobilbranche.de. Permanentes Lernen und kontextuelle Anpassung sind hierbei die Zauberworte.

mobilbranche.de: Sie haben kürzlich in der „Business Punk“ einen Artikel mit dem provokanten Titel „App Stores sind tot“ veröffentlicht. Wie viel Zeit geben Sie den App-Stores – so wie wir sie kennen – denn noch und wie sieht eine Welt ohne App Stores ihrer Meinung nach aus?

Caroline Seifert: In 10 Jahren ist der Zugang zur Information und zu Content so vielfältig, dass es andere Ordnungsstrukturen braucht und auf jeden Fall geben wird. Inhalte werden je nach Kontext zur Verfügung stehen ohne übergeordnete User Interfaces und völlig anders nutzbar sein. Sie ändern sich auch, weil sie durch die Vernetzung permanent „lernen“. Durch die Vielfältigkeit und kontextuelle Veränderung geht es nicht mehr darum, Funktionen und Inhalte immer zu kaufen, sondern sie je nach Situation einfach zu nutzen.

mobilbranche.de: In Zukunft sollen neben Ort und Zeit auch das Befinden des Nutzers für digitale Inhalte und Informationen in den Mittelpunkt rücken. Wollen das Nutzer überhaupt – oder stellt sich die Frage überhaupt gar nicht?

Caroline Seifert: Ich muss ein wenig schmunzeln. Das letzte Mal habe ich diese Frage genau so gehört bei der Erfindung des CTEL Mobiltelefons. Damals haben wir einen Brief erhalten mit der Frage, wer denn überhaupt ein acht Kilo schweres Telefon für 33.000 DM braucht, was nur auf der Autobahn funktioniert. Es ist wie bei allem Neuen – ist es relevant, dann setzt es sich auch durch. Ich bin absolut davon überzeugt, dass in einer Welt, in der fast alles zur Verfügung stehen kann, die Differenzierung über die Emotion passiert. Ein kleines Beispiel: Wenn Sie beim Stadtbummel richtig müde sind und dann sehen Sie ein wunderbares kleines Café und es riecht so gut – was tun Sie? Es ist die pure Emotion im jeweiligen Kontext, die die Entscheidung treibt. Sehen Sie dasselbe Café in einem anderen Kontext, zum Beispiel in Eile auf dem Weg zu einer sehr wichtigen Präsentation und noch ein wenig zu spät, dann nehmen sie es vielleicht gar nicht oder ganz anders wahr. Es ist also alles Kontext und Emotion, wir leben in Erlebnissen.

mobilbranche.de: Digital Flow. So nennen Sie in Ihrem Artikel die allumfassende Vernetzung. Sie sprechen von Technik, die man nicht wahrnimmt, die automatisch das bietet was wir suchen. Wie selbstbestimmt ist der Mensch in diesem Szenario noch?

Caroline Seifert: Der Mensch ist immer selbstbestimmt – wenn er es denn will. Aber vielleicht gibt es auch Momente, in denen uns die Technik hilft, indem wir nicht involviert sind. Nehmen Sie zum Beispiel das Thema Umweltschutz: Ich werde das Licht vermutlich nicht öfter an- und ausschalten, ich bin ein Gewohnheitsmensch. Da sind Smart Cities doch wirklich eine gute Sache, denn die Technologie kann hier die Energiereserven managen. Warum sollte ich mitbestimmen, wann die Straßenlaterne brennt? Warum geht sie nicht aus, wenn niemand da ist? Es gibt keine Absolutheit mehr. Alles was gut ist, kann – in einem anderen Kontext – auch schlecht sein. Das ist bei jeder Entwicklung so und das wird auch so bleiben.

mobilbranche.de: Wo ist denn dann die Grenze zwischen digitaler und analoger Welt?

Caroline Seifert: Es gibt keine Grenze mehr, die Dinge verschmelzen zu einem Gesamterlebnis. Das Internet der Dinge wird das noch deutlich untermauern. Die Frage, die sich hier stellt: Will ich über die Grenzen zwischen digitaler und analoger Welt wirklich nachdenken als Nutzer?

mobilbranche.de: Vielen Dank für das Interview!


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