„Wir machen jedes Smartphone zur ultimativen Klassik-Sammlung“: Interview mit Till Janczukowicz von Idagio.

von Sebastian Beintker am 17.Oktober 2017 in App Business, Interviews, News

Till Janczukowicz

IDAGIO ist der erste Streaming-Dienst für klassische Musik. Per App können Abonnenten mobil und jederzeit auf einen umfangreichen und stetig wachsenden Katalog an klassischen Aufnahmen zugreifen. Wir haben uns mit IDAGIO-Gründer Till Janczukowicz über seine erfolgreiche Anwendung unterhalten. Neben besonderen marktspezifischen Herausforderungen und der Betrachtung der Zielgruppe sprachen wir auch über mögliche Werbeformen und Zukunftsziele auf dem Weg, der weltweit führende Streaming-Dienst für klassische Musik zu werden.

mobilbranche.de: Was bedeutet der Name IDAGIO?

Till Janczukowicz: Wir haben einen Namen gesucht, der weltweit für klassische Musik und für Technologie steht und der überall verstanden wird. Als unsere Anwälte uns dann bestätigt haben, dass niemand ein Recht auf einen ersten Buchstaben in einem Produktnamen haben kann, lag es nahe, das weltweit mit Technologie assoziierte „I“ mit dem weltweit mit Klassik assoziierten „Adagio“ zu kombinieren.

mobilbranche.de: Wie und wann ist die Idee entstanden, IDAGIO zu gründen?

Till Janczukowicz: Als Künstlermanager, Konzertveranstalter und Produzent hatte ich seit Beginn meiner Karriere das Privileg, mit den großen Musikern und Institutionen der Klassik zusammenzuarbeiten: von Anne-Sophie Mutter über die Bayreuther Festspiele bis zu Lang Lang oder der New Yorker MET.

Das sind alles schillernde Namen, die aber – genauso wie die vielen fantastischen regionalen Orchestern, Festivals oder Organisationen – eines gemeinsam haben: sie befinden sich in einem gnadenlos geführten Wettbewerb um die Aufmerksamkeit unserer potenziellen Kunden, der Hörer.

Dieser Wettbewerb findet in allen Branchen zunehmend digital statt. Klassik konkurriert mit einer schier unüberschaubaren Fülle an Entertainment Content. Wenn man all diese Dinge beobachtet, wird die Notwendigkeit, Klassik digital zu machen, offensichtlich.

Foto: IDAGIO

„Entscheidend ist nicht, wer als erster auf dem Markt ist, sondern als letzter.“

mobilbranche.de: Ist IDAGIO der weltweit erste Streamingdienst für klassische Musik?

Till Janczukowicz: Unsere Vision haben wir 2015 im Rahmen der Salzburger Festspiele vorgestellt und ich weiß von keinem reinen Streamingdienst für Klassik, den es vorher gegeben hätte. Aber wie Peter Thiel so schön sagt: „Entscheidend ist nicht, wer als erster auf dem Markt ist, sondern als letzter.“ Und das gelingt nur mit einem ehrlichen, überzeugenden und klar definierten Produkt.

mobilbranche.de: Gibt es Konkurrenten? Und wodurch hebt sich IDAGIO vom Wettbewerb ab?

Till Janczukowicz: Natürlich gibt es auch bei den großen Streaming-Diensten klassische Musik. Aber die Strukturkriterien, die Klassik besonders machen, fehlen dort: Komponist, Werk, Dirigent, Orchester, Solist etc. Daher kämpfen Klassik-Liebhaber bei diesen Diensten oftmals mit schlechtem Bedienkomfort und falschen Suchergebnissen. Musiker und ihre Aufnahmen werden nur mühsam oder gar nicht gefunden. Dieses Problem haben wir technologisch gelöst und machen Klassik einfach, komfortabel und für jeden erlebbar.

mobilbranche.de: Ist IDAGIO kostenfrei? Oder muss ein Abo abgeschlossen werden?

Till Janczukowicz: IDAGIO kostet 9,99 Euro pro Monat, wodurch Nutzer Zugriff auf unseren gesamten Katalog bekommen. Momentan sind dies 100.000 Aufnahmen, wobei jede Woche 4.000 neue hinzukommen. IDAGIO macht so jedes Smartphone zur ultimativen Klassik-Sammlung, die komfortabel zugänglich ist: mobil, im Auto, zu Hause.

Foto: IDAGIO

„Wir haben hoch anspruchsvolle, qualitätsbewusste und kritische Kunden. Denkbar sind nur Werbeformate, die zu dieser Klientel passen.“

mobilbranche.de: Bietet IDAGIO auch Werbemöglichkeiten?

Till Janczukowicz: Momentan nicht. Werbung wie auf anderen Streamingdiensten – etwa zwischen dem 1. und 2. Satz von Beethovens 7. Sinfonie – passen weder zur Klassik, noch zu unserer Philosophie. Das bedeutet aber nicht, dass neuartige und dezentere Werbeformate in Zukunft ausgeschlossen wären. Wir haben hoch anspruchsvolle, qualitätsbewusste und kritische Kunden, die mit IDAGIO zufrieden sind. Denkbar sind also nur Werbeformate, die zu dieser Klientel passen.

mobilbranche.de: Können Sie die Hauptzielgruppe von IDAGIO eingrenzen?

Till Janczukowicz: IDAGIO richtet sich an die wachsende Zahl an Menschen, die ihre Musik streamen und eine Vorliebe für Klassik haben. Unsere Untersuchungen zeigen: Diese Gruppe hat oft wegen des Berufs oder der Erziehung ihrer Kinder keine Zeit ins Konzert zu gehen, würde dies aber gerne tun. Mit IDAGIO können sie ihre persönlichen Klassik-Erlebnisse genießen, wann und wo immer sie wollen.

„Die Bewertungen im App-Store sprechen für sich.“

mobilbranche.de: IDAGIO ist zur Zeit als iOS-App und als Web-App verfügbar. Im Herbst 2017 soll die Android-App kommen. Wie ist die Resonanz auf die IDAGIO-App im Allgemeinen?

Till Janczukowicz: Die Bewertungen im App-Store sprechen für sich, fast alle Nutzer geben uns 5 von 5 Sternen. Wir sind bisher fast nur organisch gewachsen, also aufgrund von Empfehlungen. Und Nutzer, aber auch Musiker und Labels bestätigen uns, dass IDAGIO die beste Suche und Navigation, also den besten Bedienkomfort für Klassik bietet.

Aber gewisse Features und weitere, nötige Plattformintegrationen, welche Nutzer heutzutage erwarten, stehen noch aus. Wir entwickeln IDAGIO daher technologisch permanent weiter. Dies ist mindestens genauso wichtig wie unser Ziel, mit IDAGIO die größte Klassik-Sammlung aufzubauen.

mobilbranche.de: Welche zukünftigen Ziele haben Sie sich für IDAGIO gesetzt?

Till Janczukowicz: Klassik ist zeitlos, global und wird weltweit positiv mit Deutschland assoziiert. Sie digital zu machen, sehen wir als kulturelle Notwendigkeit und wirtschaftliche Chance in einem. Wir haben uns ganz klar auf die Fahnen geschrieben, den weltweit besten Streaming Service für klassische Musik zu schaffen.

mobilbranche.de: Wir wünschen Ihnen dabei viel Erfolg. Dankeschön für das Interview.


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