Wie lässt sich mit smarten Lautsprechern Geld verdienen?

von Stephan Lamprecht am 19.Juli 2017 in News, Trends & Analysen, Voice

Amazon EchoAm 8. August startet Google den Verkauf seines intelligenten Lautsprechers „Home“ auch in Deutschland. In den USA können die Kunden das Gerät bereits seit vergangenem Sommer erwerben. Damit bekommt der Echo von Amazon Konkurrenz. Aber wie steht es um die Monetarisierung der Sprachassistenten?

Angeboten wird Google Home zu einem Preis von 149 Euro, liegt damit also unter dem Preis des Echos von Amazon. Vertrieben wird das smarte Gerät über Media Markt, Saturn, Conrad, Cyberport, EP und Otto.

In erster Linie ein Assistent

Die Hoffnung von Amazon bei der Entwicklung seines Echos dürfte in erster Linie darin bestanden haben, den Einkauf auf seiner Plattform anzukurbeln. Schließlich könnte der Lautsprecher in der Küche platziert etwa nach Rezepten suchen und diese vorlesen. Und mit seinem Bringdienst „Fresh“ verfügt der E-Commerce-Gigant ja auch gleich praktischerweise über eine Möglichkeit, die benötigten Zutaten ins Haus zu liefern.

Eingekauft wird mit dem Echo allerdings wenig, wie Statista einmal ermittelt hat.

Richtig viel gekauft wird mit den Sprachsystemen noch nicht.

In erster Linie wird das Gerät also als Wecker, Nachrichtenquelle oder Steuerungszentrale für das Smart Home eingesetzt. Wohl kaum ein Kunde wird ein teures Produkt per Sprache in den Warenkorb legen lassen, ohne sich einen visuellen Eindruck davon verschafft zu haben. Dieses Manko dürfte letztlich auch zur Entwicklung des Echo Show geführt haben. Hier hat Amazon dem Echo ein Display spendiert.

Monetarisierung der Sprachassistenten

Selbst wenn es noch eine Weile dauern wird, bis die Kunden per Spracherkennung einkaufen, bieten sich für Amazon und Google genügend Umsatzpotentiale.

Echo und Alexa sind in erster Linie als eine Investition in eine Plattform zu sehen. Was für Android und iOS die App-Stores, ist die Alexa-App für den Echo. Wer einen Skill auf dem Gerät nutzen will, muss ihn aus dem Store von Amazon heraus installieren. Das Angebot wird breiter und damit unübersichtlicher werden. Was läge also näher, als den Entwicklern Werbemaßnahmen anzubieten, damit die Skills prominenter platziert werden.

Ebenfalls denkbar wäre die Lizenzierung von Alexa für andere Hersteller. Hersteller von smarten TV-Geräten oder anderer Unterhaltungselektronik könnten Alexa als Whitelabel-Lösung nutzen. Ford und VW haben auf der CES 2017 bereits eine Alexa-Integration präsentiert. Mit seinem Streaming-Angebot „Music Unlimited“ verfügt Amazon ja bereits selbst über einen Dienst, der auf dem Echo läuft, aber kostenpflichtig ist.

Apropos: Es wird sicherlich nur eine Frage der Zeit sein, bis es erste Anbieter gibt, die gern für ihre Skills Gebühren verlangen würden, weil diese exklusive Inhalte zur Verfügung stellen. Das Mauthäuschen für die Abrechnung von Provisionen hätte Amazon ja schon aufgestellt.

Eine von den Nutzern gut aufgenommener Skill produziert im Laufe eines Tages eine enorme Anzahl von Abfragen, die rasch verarbeitet und wieder beantwortet werden müssen. So erreicht Nick Schwab mit seinen Alexa-Skills 250.000 Menschen im Monat. Und auch hier ist es kein Zufall, dass sowohl Amazon als auch Google über die Cloud Infrastrukturen für IT-Lösungen zur Verfügung stellen. Im Zusammenhang mit Amazon werden dessen Webservices (AWS) in der Berichterstattung stets gern vergessen, dabei bescheren diese dem Unternehmen zweistellige Milliardenumsätze.

Nicht vergessen sollte man den Verkauf der Geräte selbst. Gelänge es Amazon beispielsweise, in den kommenden zwei Jahren seine Echo-Familie nur an die Hälfte seiner aktiven Kunden zu verkaufen, ergebe sich ein milliardenschweres Potenzial. Zumal die Geräte ja nicht ewig in den Haushalten stehen, sondern wie andere technische Spielzeuge regelmäßig von den Kunden gegen die Nachfolger ausgetauscht würden.

Für die Entwickler sehen die Chancen auf Monetarisierung ihrer Aufwände derzeit noch nicht günstig aus. Das Beispiel Nick Schwab zeigt das, denn Geld verdient er mit seinen Skills offenbar kaum. Denn noch gibt es keine Option, Skills kostenpflichtig anzubieten. Das ist aus Sicht von Amazon und Google logisch, da ja erst einmal eine Nutzerbasis geschaffen werden soll.

Wir sehen ja erst den Anfang

Was bei Smartphones die Apps, sind für Echo & Co die Skills. Wer jetzt auf die Plattform kommt, kann zumindest mit einigen wohlwollenden Zeilen in der Presse rechnen. Allerdings sehen die Konsumenten auch erst den Anfang der Technologie. Denn so richtig smart sind die Lautsprecher noch nicht. Zwar funktioniert die Spracherkennung sehr gut, aber richtige Interaktionen sind noch sehr selten. Dialoge mit dem Gerät, in deren Verlauf etwa die Wünsche des Nutzers genauer erfragt werden, finden nicht statt. Sieht man einmal von verhaltenen Nachfragen von Alexa beim Notieren eines Termins ab.

Aber das wird sich ändern. Da können wir sicher sein.

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