Zu Besuch bei Applause: Wie In-the-Wild-Tests die Entwicklung von Apps voranbringen.

von Florian Treiß am 21.September 2016 in App Business, News, Trends & Analysen

Jan Wolter, Europachef von Applause

Jan Wolter, Europachef von Applause

Vom kleinen Startup zum globalen Unternehmen: Jan Wolter ist diesen Weg in den letzten fünf Jahren konsequent gegangen – Gründung von UI-Check im August 2011, Umwandlung in Testhub im März 2013 und Zusammenschluss mit dem US-Rivalen uTest zum Marktführer Applause im Mai 2014. Dabei immer im Fokus: Das Testen digitaler Produkte. Waren es bei UI-Check einst nur Websites von Startups, kamen später mobile Apps hinzu und jüngst auch Lösungen für das Internet of Things (IoT). Zu den Kunden zählen heute Konzerne wie Google, Fox und Amazon – kein Wunder, dass Applause im letzten Gründerszene-Wachstumranking in die Top 25 gekommen ist.

„Applause ist mein Baby. Und die Firma über die nächsten Jahre zu begleiten, das ist mein Ziel“, sagt Gründer Jan Wolter. Er ist gerade mal 30 Jahre jung, kommt aus Darmstadt und verantwortet das gesamte Europageschäft von Applause mit nahezu 100 Mitarbeitern, davon allein 65 in der heutigen Europazentrale in Berlin-Kreuzberg. Für Jan Wolter, Sohn eines Unternehmer-Ehepaars, war der Zusammenschluss mit uTest zu Applause keine schwere Entscheidung: „Für mich war es nie wichtig, die Firma irgendwann zu verkaufen, sondern es war mir immer wichtig, ein gutes Business aufzubauen. Und es hat sich auch bestätigt, dass es die richtige Entscheidung war, mit einem starken Partner zusammenzuarbeiten, um hier in Europa dieses ganze Thema gut vorantreiben zu können.“

Die Zusammenarbeit mit den US-Kollegen bezeichnet Jan Wolter als angenehm: Zwar kommen mittlerweile vierteljährliche Meetings in der Konzernzentrale in der Nähe von Boston an der US-Ostküste hinzu – doch „wir haben bei Applause hier in Europa den Vorteil, dass wir nicht von den USA aus alles vorgegeben bekommen, sondern wir können hier die Sachen wirklich so umsetzen, wie sie auf den europäischen Markt passen und auch Sachen ausprobieren, die wir dann als neuen Impuls in die USA bringen können“, sagt Wolter.

Doch was macht Applause überhaupt genau? „Wir unterstützen unsere Kunden, gute Anwendungen auf den Markt zu bringen“, erzählt Jan Wolter. „Denn um so digitaler die Welt wird, umso komplizierter wird sie auch. Auf unseren Geräten muss alles funktionieren, und zwar in der U-Bahn, im Urlaub oder beim Pokémon Go spielen im Park – also wirklich überall und auf allen Geräten.“ Damit die Anwendungen auf Smartphones, Tablets, PCs oder der Smartwatch auch wirklich reibungslos laufen, kombiniert Applause Lösungen wie In-the-Wild-Tests, Test Automation, Software-Tools und Analysen zu einem umfassenden Angebot für App-Qualität.

Motivationsposter in den Räumen von Applause

Qualitätssicherung per Motivationsposter

Besonders stolz ist Jan Wolter auf die Community mit mittlerweile 250.000 Testern weltweit für die In-the-Wild-Tests – so kann Applause die Apps seiner Kunden auf nahezu jedem Gerät testen lassen, und das in nahezu jeder Region der Welt. „Ein Problem, das viele unserer Kunden haben, bevor sie zu uns kommen: Das eigene Testing muss flexibler und skalierbarer werden“, sagt Jan Wolter. „Weil die internen Entwicklungsteams möglichst schnell und effizient arbeiten sollen und deswegen häufig zum sprichwörtlichen Nadelöhr werden. Der zweite Pain Point ist die Testabdeckung über diverse Mobile Devices inklusive verschiedener Browser hinweg. Gerade wenn Du international unterwegs bist, kannst Du nicht die ganzen unterschiedlichen Geräte, die z.B. in Asien oder Afrika oder auch hier in Deutschland eingesetzt werden, intern abdecken. Und genau das schaffen wir über unsere Community. Das Nächste ist, eine externe Perspektive mit in die Produkte zu bringen, weil Du intern natürlich ein Stück weit betriebslind wirst. Das ist über externe Tester natürlich relativ einfach abzudecken, weil das einfach per Definition Personen von außen sind, die nicht selbst in die Produktentwicklung involviert sind.“

Doch auch wenn die Community mit 250.000 Leuten riesig ist, werden die Tests oft nur von 10 bis 30 Personen durchgeführt. Wieso? Jan Wolter schmunzelt und sagt: „Manchmal wundern sich die Kunden und sagen: ‚Okay, ich hätte jetzt gedacht, dass da 1.000 Leute testen.‘ Aber das ist einfach eine Frage der Effizienz: Durch mehr Tester gibt es nicht unbedingt mehr Ergebnisse. Die Praxis zeigt: Die meisten Fehler finden die ersten 10 bis 30 Tester auf jeden Fall. Außerdem sind unsere Tester durch die kleinen Teams motivierter, denn sie erhalten von uns Geld für jeden Bug, den sie finden.“

Jan Wolter im Großraumbüro (links). Eine von vier Pinnwänden mit Mitarbeiter-Fotos (rechts).

Jan Wolter im Großraumbüro (links). Eine von vier Pinnwänden mit Mitarbeiter-Fotos (rechts).

Auch wenn Applause heute ein globales Unternehmen ist, so spiegelt der Berliner Standort die „neue Gründerzeit“ wider: In einem Gewerbehof aus der alten Gründerzeit, erbaut ab 1891, arbeitet das Team von Applause Tür an Tür mit diversen Startups, Digitalunternehmen und Kreativen. Stilecht gibts bei Applause eine Minigolfbahn und eine Tischtennisplatte im Büro, zudem sind die Konferenzräume nach Star-Wars-Figuren benannt. Und passend zum Startup-Umfeld sitzt Wolter nicht etwa in einem gläsernen Chefbüro, sondern noch immer im Großraumbüro. Sein Tischnachbar ist Torsten Meyer, einst gemeinsam mit Jan Wolter einer der beiden Geschäftsführer von Testhub und heute Senior Director EU Business Development bei Applause.

Constantin Büker schätzt den Teamgeist bei Applause

Constantin Büker schätzt den Teamgeist bei Applause

Insgesamt herrscht ein internationales Flair im Großraumbüro von Applause: Mitarbeiter aus über 15 Nationen arbeiten am Berliner Applause-Standort, sie kommen u.a. aus Frankreich, Vietnam, Kolumbien, Italien, Spanien, Belgien, Indien, Großbritannien, Jordanien, Polen, Türkei… Bürosprache ist immer seltener Deutsch, dafür immer häufiger Englisch oder Französisch. „Es kommen immer wieder neue Mitarbeiter aus anderen Ländern zu uns. Und für die bieten wir dann
Deutschkurse an und unterstützen sie bei Behördengängen“, erzählt Constantin Büker, Mitarbeiter der ersten Stunde. Gerade für ausländische Mitarbeiter sei der Teamgeist bei Applause enorm wichtig, so Büker, denn sie würden oft noch niemanden in Berlin kennen und Applause werde so zum Mittelpunkt ihres Lebens. „Die Mitarbeiter treffen sich nach der Arbeit und unternehmen etwas zusammen.“

Wenn Jan Wolter, der noch immer Anteile an Applause hält, mal nicht auf Arbeit ist, lässt ihn das Digital Business trotzdem nicht los: Er hat in seiner Freizeit seine Freundin bei der Gründung eines Online-Shops für Kissen unterstützt. Ansonsten probiert der digitale Test-Experte gern ganz analog neue Restaurants aus oder fährt am Sonntag mit dem Boot auf dem See herum. „Wenn mir am Wochenende aber eine gute Idee kommt, dann setze ich mich auch mal hin und arbeite daran den ganzen Tag. Das ist für mich kein Problem, weil das einfach ein Stück weit nicht nur meine Arbeit ist, sondern auch mein Hobby.“

Wie hat sich Jan Wolter verändert seit der Gründungsphase von UI-Check vor fünf Jahren? Ich frage Constantin Büker: Nicht nur Jan Wolter, sondern das gesamte Team habe sich seitdem „ziemlich weiterentwickelt, z.B. in der Art wie man mit den entsprechenden Leuten bzw. Positionen kommuniziert.“ Am Anfang habe noch jeder alles gemacht, doch mittlerweile habe Applause die Zuständigkeiten sortiert. „Jan hat auch damals schon sehr gut gewusst, Dinge zu strukturieren. Das war schon immer seine Stärke“, sagt Büker.

Vor fünf Jahren begann alles mit dem Startup UI-Check. Heute ist dessen Nachfolger Applause ein international agierendes Unternehmen. Und in fünf Jahren? „Für uns ist es wichtig, ein gutes Business aufzubauen. Wir wachsen zwar ziemlich schnell, aber auf der anderen Seite: Es gibt noch viele Potenziale, die bislang relativ unerschlossen sind.“ Er sei kein Freund davon, zu sagen, er müsse jedes Jahr ein neues Produkt auf den Markt bringen, erzählt Wolter weiter. „Am Ende musst Du Dich auf Deine Kernkompetenzen konzentrieren – und wir haben jetzt mit Testautomatisierung zum Beispiel ein Produkt entwickelt, das den Bedürfnissen unserer Kunden klar Rechnung trägt. Daran wollen wir erst einmal arbeiten und Prozesse perfektionieren, bevor wir neue Services launchen.“


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