paydirekt im Interview: Warum ein weiteres Online-Bezahlverfahren?

von Maik Klotz am 11.Februar 2016 in Interviews, News

paydirekt

paydirekt, das gemeinsame Online-Bezahlverfahren der Banken (Foto: paydirekt)

Mit paydirekt unternimmt ein Zusammenschluss deutscher Banken den gemeinsamen Versuch, ein gemeinsames Online-Bezahlverfahren im E-Commerce zu etablieren. Direkt an das Konto und Online-Banking der Hausbank geknüpft, möchte man den Nutzer davon überzeugen, die Onlinekäufe künftig mit paydirekt zu bezahlen.  Wir haben den Geschäftsführer von paydirekt, Dr. Niklas Bartelt, gefragt warum wir ein weiteres Bezahlverfahren in Deutschland brauchen.

mobilbranche.de: Warum braucht es ein weiteres Online-Bezahlverfahren wie paydirekt?

Dr. Niklas Bartelt: Aus zweierlei Gründen. Erstens haben wir in Nutzerbefragungen sehr deutlich zurückgespiegelt bekommen, dass sich Konsumenten ein Zahlverfahren von ihrer Bank wünschen. Ein Bezahlverfahren, welches sowohl sicher als auch einfach ist. Zweitens möchte die Deutsche Kreditwirtschaft das E-Commerce-Feld nicht kampflos anderen Anbietern überlassen.

mobilbranche.de: Sicherheit ist wichtig. Ist paydirekt sicherer als andere Bezahlverfahren?

Dr. Niklas Bartelt, Geschäftsführer von paydirekt

Dr. Niklas Bartelt, Geschäftsführer von paydirekt

Dr. Niklas Bartelt: Ich glaube, mit paydirekt haben wir es geschafft, unterschiedliche Arten von Sicherheit zu bieten. Auf der einen Seite, indem wir die technische Transaktion schützen, unter anderem durch den Einsatz sicherer Technologien. Auf der anderen Seite aber auch über den Kauf hinaus, mit einem Käuferschutz für die Nutzer und dem Schutz der Kundendaten. Alle Transaktionen werden gemäß den deutschen Datenschutzbestimmungen und gemäß dem deutschen Bankgeheimnis abgewickelt.

mobilbranche.de:  Ist denn Sicherheit für die Nutzer das wichtigste Kriterium?

Dr. Niklas Bartelt: Der Nutzer will natürlich mehr als nur Sicherheit, aber das Thema Sicherheit ist schon besonders wichtig. Es gibt neben der technischen Sicherheit auch die emotionale Komponente. Der eigenen Bank vertraut der Kunde eher, da es ja schon eine oft langjährige Beziehung gibt. Was wir über die Marktforschung und verschiedene Studien gesehen haben ist, dass vor allem die Bank ein hoher Vertrauensanker ist. Deshalb ist sie auch prädestiniert, dem Kunden ein Online-Bezahlverfahren anzubieten. Die Hausbank des Nutzers ist nicht irgendeine Bank.

Ein weiteres Kriterium ist, dass der Nutzer eine einfache Lösung möchte. Er möchte sich seinen Benutzernamen und Passwort selbst aussuchen. Auch das hat uns die Marktforschung gezeigt. paydirekt liefert das. Und wir haben uns Gedanken dazu gemacht, wie wir den Nutzern Kontrolle über ihre Finanzen geben können. Gerade für die deutschen Nutzer ist die Kontrolle über die eigenen Finanzen ein wichtiges Thema. Früher genügte ein Blick in die Geldbörse um zu sehen, wie man finanziell stand. Heute hat das Konto die Rolle der Geldbörse übernommen. Deshalb haben wir paydirekt um das Konto gebaut. Zahlt der Nutzer mit paydirekt, kann er nicht mehr Geld ausgeben, als ihm zur Verfügung steht. Auch sieht er alle seine Transaktionen an einer zentralen Stelle und hat damit eine Übersicht über seine Ausgaben. Wir haben uns viele Gedanken dazu gemacht, wie der Nutzer seine Ausgaben im Blick behält – entweder auf dem Konto oder direkt bei paydirekt. Und im Fall einer Rücksendung läuft das Geld direkt auf sein Girokonto und wird nicht irgendwo zwischen gelagert.

mobilbranche.de: Wie eng ist paydirekt mit dem Online-Banking des Nutzers verzahnt?

Dr. Niklas Bartelt: paydirekt ist ein Produkt der Banken. Wir haben die Möglichkeit geschaffen, dass man sowohl im Online-Banking der Banken die Transaktionen sieht, als auch direkt bei paydirekt im Web oder der App. Der Nutzer hat also die Wahl, wo er sich eine Übersicht über seine Transaktion verschafft. Auch die Registrierung für paydirekt läuft innerhalb des Online-Bankings. Wir haben von unseren Nutzern das Feedback bekommen, dass sie es sehr zu schätzen wissen, dass sie sich in der ihnen vertrauten Umgebung mit der bekannten PIN und TAN registrieren können. Was den Workflow betrifft, gibt es sicher an der ein oder anderen Stelle Optimierungspotential. Uns war es aber erst einmal wichtig, mit dem Produkt auf den Markt zu kommen. Natürlich arbeiten wir kontinuierlich an paydirekt und wir lernen ja auch noch. Um aber zu lernen und zu optimieren, muss man erst einmal starten. Beim eigentlichen Bezahlvorgang wollten wir bewusst nicht das Online-Banking-Login zu nutzen. Hier sind wir dem Kundenwunsch nachgekommen, einen selbstgewählten Benutzernamen und Passwort zu nutzen. Ein weiterer Grund: Unseren Umfragen nach sind Nutzer mit ihren Zugangsdaten zum Konto sehr vorsichtig und wollten deshalb, dass die Zugangsdaten zu paydirekt nicht dieselben sind wie vom persönlichen Online-Banking.

mobilbranche.de: Wer ist denn der typische paydirekt-Nutzer?

Dr. Niklas Bartelt: Zunächst einmal alle diejenigen, die Online-Banking nutzen. Das mag sich zunächst weit gefasst anhören, aber wenn man sich die Wünsche der Händler anschaut, dann ist es eben das was sie sich wünschen: viele Nutzer, die mit einem Bezahlverfahren im Shop bezahlen können. Wir wollen mit paydirekt aber nicht nur die Nutzer begeistern, die heute schon im Internet einkaufen, sondern wir hoffen auch die zu erreichen, die heute noch nicht im Internet einkaufen oder aber ein Bezahlverfahren nutzen, welches für den Händler unattraktiv oder teuer ist.

mobilbranche.de: Ein neues Bezahlverfahren lebt von der Bekanntheit. Wie soll man diese Bekanntheit erhöhen?

Dr. Niklas Bartelt: Zum einen sicherlich, in dem man daran arbeitet, neue Händler an Bord zu bekommen, was uns natürlich bewusst ist. Zum anderen werden wir dieses Jahr eine Kommunikationskampagne starten. Im Moment haben wir ganz bewusst noch nicht viel in dieser Richtung unternommen, weil wir auf der Händlerseite erst einmal eine kritische Masse erreichen müssen.

mobilbranche.de: 220.000 Nutzer haben sich für paydirekt registriert. Wie werden die Nutzer heute auf paydirekt aufmerksam?

Dr. Niklas Bartelt: Bisher haben wir sehr wenig in die Öffentlichkeit kommuniziert. Die Nutzer, die sich bisher registriert haben, sind wahrscheinlich aufgrund der Diskussion in der Öffentlichkeit und in der Presse auf uns aufmerksam geworden oder haben in ihrem Online-Banking einen Hinweis bekommen. Dieses Jahr möchten wir aber auch mit einer eigenen Kampagne verstärkt für paydirekt werben. Aber auch die Banken werden sicherlich eigene Aktivitäten starten. Dabei werden wir unsere Kampagne natürlich mit den Kampagnen der Banken synchronisieren. Unsere Herausforderung ist es jetzt, den richtigen Zeitpunkt zu finden – dazu brauchen wir Händler.

mobilbranche.de: Was ist das Argument für den Händler, paydirekt als weiteres Bezahlverfahren zu integrieren?

Dr. Niklas Bartelt: Im ersten Schritt unser Kundenpotential und der Zugriff auf potentiell 50 Millionen Onlinekonten. Den Nutzern bieten wir nicht nur die tatsächliche Sicherheit, sondern eben auch eine gefühlte Sicherheit. Wir gehen davon aus, dass sich das im Bestellprozess positiv auf die Konvertierungsrate auswirken wird.

mobilbranche.de: Konvertierungsrate ist den Händlern wichtig. Sind da weniger Bezahlverfahren nicht besser?

Dr. Niklas Bartelt: Wir wissen, dass die Konvertierungsrate und damit die Vermeidung von Abbrüchen für die Händler ein wichtiges Thema ist. Ich bin sicher, dass paydirekt hier einiges mitbringt, um zu überzeugen: zum einen das Vertrauen, das paydirekt beim Nutzer hat. Zum anderen die vereinfachte Registrierung. Und auch die Tatsache, dass wir Kundendaten nicht weitergeben, ist ein wichtiger Punkt für die Händler. Unserer Erfahrung nach haben Händler sehr wohl ein Interesse an Alternativen.

mobilbranche.de: Wo wird paydirekt Ende 2017 stehen?

Dr. Niklas Bartelt: So weit können wir nicht in die Zukunft schauen. Wir sind ein Startup und haben gerade viele Themen und Herausforderungen vor der Brust. Wir sind eine überschaubare Mannschaft mit 30-40 Mitarbeitern im Kern und möchten jetzt Schritt für Schritt in den Markt kommen und unser Produkt optimieren. Wir haben aber eine ganz konkrete Vorstellung, wo die Reise bei paydirekt hingehen wird: in den nächsten Monaten neue Händler und Nutzer zu generieren.

mobilbranche.de: Vielen Dank für das Gespräch.


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