Interview mit Ericsson-Chef Stefan Koetz zum Thema Mobile-TV.

von Fritz Ramisch am 11.Oktober 2013 in Interviews, Mobile Media

Stefan Koetz von Ericsson im Interview„Im Internet der Dinge werden bis zum Jahre 2020 bis zu 50 Milliarden Geräte und Maschinen miteinander vernetzt werden, die meisten davon mobil“, ist sich Stefan Koetz, seit 2010 Vorsitzender der Geschäftsführung der Ericsson GmbH in Deutschland, sicher. Dabei machen Bewegtbildinhalte den Großteil der übertragene Daten aus, was dazu führt, dass „die Netze so konzipiert werden, dass selbst an den Zellrändern und innerhalb von Gebäuden, wo schlechtere Empfangsbedingungen herrschen, die Videos nicht ruckeln oder abbrechen.“ Deshalb werden neue Übertragungstechniken, wie etwa LTE immer wichtiger als „zusätzlicher Übertragungsweg für Smartphone-, Tablet- und Laptopnutzer unterwegs werden.“  Stefan Koetz ist als „Head Customer Unit West Europe“ für unterschiedlichste Kunden, angefangen von Mobilfunkanbietern bis zu alternativen Festnetz- und Kabelnetzanbietern in Deutschland, der Schweiz und Benelux zuständig. Der 51-Jährige wird bei den Medientagen, die vom 16.10. bis 18.10.2013 auf dem ICM-Messegelände in München stattfinden, die Keynote beim Onlinegipfel halten. (17.10.2013, 12:00 – 13:30 Uhr | Panel 1.3 | Raum 14 a, 1.OG Motto: Anytime, anywhere – Die neuen Regeln der Medienökonomie) Wir konnten Stefan Koetz im Vorfeld der Medientage in einem Interview zum Thema Mobile TV befragen und haben u.a. spannende Einblicke in die mobile Bewegtbild-Strategie des Konzerns erhalten.

mobilbranche.de: Herr Koetz, die Medientage München stehen dieses Jahr unter dem Motto „Mobile Life“. Welche Beobachtungen machen Sie als Geschäftsführer von Ericsson, wie wichtig der mobile Internetzugang heute für den Alltag der Menschen ist?

Stefan Koetz: Der mobile Internetzugang ist nicht mehr wegzudenken aus unserem Leben, so wenig wie das Telefonieren mit dem Handy. Heute möchten wir jederzeit alles von überall her machen können: Surfen, Chatten, Emails bearbeiten, Videos und TV schauen, Bilder oder Kurzvideos unterwegs auf die eigene Facebook Seite hochladen. Und das ist erst der Anfang. Im Internet der Dinge werden bis zum Jahre 2020 bis zu 50 Milliarden Geräte und Maschinen miteinander vernetzt werden, die meisten davon mobil.

mobilbranche.de: Halten die aktuellen UMTS-Netze dem Mobile-Boom stand oder werden sie bald zusammenbrechen?

Stefan Koetz: Die Netzbetreiber haben die Zeichen der Zeit erkannt und investieren in die notwendigen Infrastrukturen wie in LTE, auch wenn die Regulierung dabei nicht immer hilfreich ist. Die Anforderungen sind enorm. Jedes Jahr verdoppelt sich die Menge der übertragenen Daten im Mobilfunk, vor allem dank immer höherer Bildschirmauflösungen, immer mehr Smartphones und Tablets und immer stärkerer Video-Nutzung. Gleichzeitig werden die Verbraucher immer anspruchsvoller, was die Netzqualität anbelangt.

mobilbranche.de: Ericsson hat vor kurzem Microsofts IPTV-Sparte Mediaroom übernommen. Wie passt dieses Angebot in Ihr Portfolio?

Stefan Koetz: Lange Zeit war es ein Buzzword – jetzt sehen wir, dass die TV-Broadcast, die Internet und die Telekommunikationswelt wirklich verschmelzen. Ericsson hat seit dem Jahr 2007 massiv in den TV und Videobereich investiert. Mit der Akquisition von „Tandberg Television“ sind wir einer der führenden Ausrüster professioneller TV-Broadcast-Technik geworden. Nach der Integration von „technicolor“ managen wir den technischen Sendebetrieb für über 200 TV-Sender in Skandinavien, UK, den Niederlanden und Frankreich. Die Erfahrungen aus beiden Bereichen, Telekommunikation und TV-Broadcast, kommen uns bei der Weiterentwicklung von IPTV zu einer mobilen Multiscreen Lösung, aber auch bei LTE-Broadcast zu Gute. Mit jetzt 25 Prozent Marktanteil streben wir als Marktführer bei IPTV an, Endverbrauchern ein durchgängiges Fernseherlebnis über unterschiedlichste Zugangsnetze und Endgeräte bieten zu können.

mobilbranche.de: Das Thema Multiscreen ist derzeit allgegenwärtig. Wie wichtig wird dabei der mobile Konsum von Videos in Zukunft sein?

Stefan Koetz: Video ist der mit Abstand größte Treiber der Telekommunikationsnetze weltweit und wird es auf absehbare Zeit bleiben. 60 Prozent der weltweiten Daten im Mobilflunk wird in Kürze durch Videos erzeugt. Mobilfunknetze sind ursprünglich einmal für das Telefonieren konzipiert gewesen. Inzwischen müssen die Netze so konzipiert werden, dass selbst an den Zellrändern und innerhalb von Gebäuden, wo schlechtere Empfangsbedingungen herrschen, die Videos nicht ruckeln oder abbrechen.

mobilbranche.de: Fernsehübertragungen werden von TV-Sendern und Produktionsfirmen heute meist noch per Satelliten-Uplink realisiert. Wird sich das bald in Richtung 4G/LTE verschieben – oder ist das erst mit der nächsten Mobilfunkgeneration realistisch?

Stefan Koetz: Das ist keine Entweder-Oder Frage. Kabel und Satellit werden die bevorzugten Übertragungswege für den Endverbraucher bleiben und sind auch für den Uplink unverzichtbar. Allerdings werden auch dort (z.B. bei Transpondern) IP-basierte Übertragungstechniken Einzug halten. Fernsehen über LTE wird ein zusätzlicher Übertragungsweg für Smartphone-, Tablet- und Laptopnutzer unterwegs werden. Wenn überhaupt, tritt LTE-Broadcast also in Konkurrenz zu DVB-T, das heute von sehr wenigen Zuschauern und Sendern als Übertragungsweg genutzt wird. LTE-Broadcast kann aber auch für ganz neuartige Einsätze genutzt werden: In den USA will Verizon Wireless Anfang 2014 den Zuschauern des Football-Superbowl Finales im Stadion Wiederholungen von Spielzügen aus allen möglichen Kameraperspektiven auf ihre Smartphones und Tablets übertragen. Wenn 100.000 Zuschauer auf so engem Raum das über die herkömmliche Technik machten, bräche das Netz zusammen.

mobilbranche.de: Vielen Dank für das Interview.


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