Interview: Thorsten Schreiber über seinen E-Book-Dienstleister Zeilenwert.

von Florian Treiß am 25.Januar 2013 in Interviews, Mobile Media

„Wir steigen gemeinsam mit den Verlagen in das unternehmerische Risiko ein. Das heißt, der Verlag investiert Geld in Autor und Lektorat etc., wir investieren in die digitale Erstellung der E-Book-Versionen“, erzählt Thorsten Schreiber, Gründer und Geschäftsführer von Zeilenwert. Das Startup aus Thüringen hilft kleinen und mittelgroßen Verlagen seit dem vergangenen Sommer dabei, ihre Bücher auch als E-Books zu publizieren – ein Thema, das bislang von den Großverlagen dominiert wurde. Das Geschäftsmodell von Zeilenwert ist dabei performance-orientiert: die Konvertierung eines Buches in ein E-Book erfolgt zunächst kostenlos in alle gängigen Formate wie etwa ePub und iBook. Anschließend kümmert sich Zeilenwert auch um den Vertrieb und die Auslieferung in die gängigen Stores – und teilt sich mit dem Auftraggeber die Umsätze der tatsächlich verkauften E-Books.

mobilbranche.de: Herr Schreiber, was liegt bei Ihnen auf dem Nachttisch? Ein gedrucktes Buch, ein E-Reader oder eher ein Tablet?

Thorsten Schreiber: Ich habe keinen Nachttisch und daher liegt dort auch nichts darauf. Wenn es um meine Lesegewohnheiten geht, gilt: Zuhause = gedruckt, Unterwegs nur Mobil und dann per Tablet.

mobilbranche.de: Was fasziniert Sie persönlich an den Möglichkeiten mobiler Geräte?

Thorsten Schreiber: Die vielfältigen Einsatzmöglichkeiten. Es geht heute nicht mehr darum ein möglichst kleines Gerät herzustellen, dies wäre ohne Probleme möglich, nur kann es dann niemand mehr bedienen. Aus meiner Sicht geht es um die perfekte Symbiose aus Leistungs- und Einsatzfähigkeit in Kombination mit einer Art „Wunschgröße des Kunden“. Aus diesem Grund hat meiner Ansicht nach auch (fast) jedes Gerät seine Berechtigung am Markt, solange es Käufer für sich gewinnen kann. Ich selbst bin in diesem Bereich tatsächlich mehrfach versorgt. Ich nutze sowohl Laptop und Tablet, als auch Smartphone. Für uns von Zeilenwert ist natürlich sehr wichtig, dass man auf jedem der Geräte digitale Bücher und Publikationen GUT lesen kann.

mobilbranche.de: Wie sind Sie auf die Idee zu Zeilenwert gekommen? Hatten Sie womöglich einen gebrochenen Arm und konnten dadurch nicht mehr in gedruckten Büchern blättern?

Thorsten Schreiber: Nein, Zeilenwert entstand, und das ist kein Marketing-Gag, aus einem Hobby heraus. Der berufliche Hintergrund liegt bei niemandem aus dem Gründerteam in der Verlagsbranche. Wir haben bis 2009 als „Hobby“ iPhone-Apps entwickelt und sind dann darauf gestoßen, dass es fast nur von großen Verlagen überhaupt E-Books gibt. Als wir uns dann damit beschäftigt haben, warum die kleinen und mittelständischen Verlage noch nicht so stark vertreten sind, haben wir beschlossen, das zu ändern und unser Geschäftsmodell entwickelt.

mobilbranche.de: Sie werben damit, dass die Konvertierung eines Buches zu einem E-Book kostenlos ist. Wie verdienen Sie Ihr Geld?

Thorsten Schreiber: Wir werben vor allem damit, dass wir gemeinsam mit den Verlagen in das unternehmerische Risiko einsteigen. Das heißt, der Verlag investiert Geld in Autor und Lektorat etc., wir investieren in die digitale Erstellung der E-Book-Versionen. Wir tun dies mit einem starken Fokus auf Qualität und daher darf ich tatsächlich von einer Investition in ein Buch sprechen. Wir verdienen genau dann, wenn der Verlag auch anfängt Geld zu verdienen. Wir sind am Verkauf der digitalen Produkte umsatzabhängig beteiligt.

mobilbranche.de: Sie bieten unterschiedliche Formen von E-Books an. Welchen Vorteil haben „Enhanced E-Books“ und E-Books in App-Form gegenüber „normalen E-Books“?

Thorsten Schreiber: Sie haben keinen grundsätzlichen Vorteil, denke ich. Sowohl das gedruckte Buch, als auch das konventionelle E-Book sind zur Zeit die wichtigsten Elemente. Aber, wenn es darum geht, Dinge wirklich „wunderschön“ aufzubereiten und vor allem Zusatzinformationen, eine gewisse Aktualität, aktive Elemente und auch etwas Interaktion anzubieten, dann halte ich die Enhanced-Variante für die beste Lösung. Ob eine Enhanced-Variante Vorteile bietet, ist also abhängig von den zu transportierenden Inhalten.

mobilbranche.de: Gibt es ein spezielles Buch, von dem Sie sagen: das müssen wir unbedingt in ein E-Book umwandeln?

Thorsten Schreiber: Diese Frage lässt sich schwer beantworten. Ich würde grundsätzlich gerne mehr Enhanced-Varianten sehen. Ich denke, diese Werke können tatsächlich für den Endkunden einen Mehrwert – eben auch gegenüber einem gedruckten Buch – bieten. Enhanced-Bücher verlangen aber bei Planung und Umsetzung des Projektes auch von den Verlagen einigen Zeit- und auch Finanzeinsatz. Gerade im Sachbuch-Bereich kenne ich bis jetzt kaum Titel, die dementsprechend umgesetzt sind, obwohl sich dies aus meiner Sicht anbieten würde.

mobilbranche.de: Wo möchten Sie mit Ihrem Unternehmen Zeilenwert hin – wo soll es in 5 Jahren stehen?

Thorsten Schreiber: Ich würde mich sehr freuen, wenn das Unternehmen und das Team weiter so dynamisch wachsen würden wie im letzten Jahr. Ansonsten: Wir wollen uns am Markt erfolgreich durchsetzen, d.h. für uns: Von den Kunden vor allem als zuverlässiger, ehrlicher und exzellenter Partner geschätzt, von den Mitarbeitern (in aller Welt) geliebt und von der Konkurrenz respektiert zu werden.

mobilbranche.de: Vielen Dank für das Interview!

Wollen Sie über die Entwicklungen im Mobile Publishing auf dem Laufenden bleiben? Dann abonnieren Sie den kostenlosen Newsletter von mobilbranche.de oben rechts im gelben Kästchen oder per E-Mail an abo@mobilbranche.de.


Sichern Sie sich jetzt Ihren Wissensvorsprung in Mobile Marketing und Mobile Business und abonnieren Sie die Meldungen von mobilbranche.de ganz bequem per E-Mail. Unser Newsletter erscheint täglich um 13 Uhr und ist kostenlos.


Facebook Kommentare:

Kommentare