Interview: Jascha Samadi von Apprupt über mobile Performance-Werbung.

von Florian Treiß am 05.September 2011 in Interviews

Jascha Samadi ist Geschäftsführer von Apprupt, dem Premium Performance Netzwerk für mobile Kontext-Werbung aus Hamburg, das Samadi nach einer Station bei Xing im Legal Department 2008 gegründet hat. Bei Apprupt hat sich Jamadi der Aufgabe verschrieben, ein Netzwerk an reichweitenstarken Premium Publishern aufzubauen, um zielgruppenspezifische und reichweitenstarke Lösungen für kontext-getriebene mobile Werbung zu ermöglichen, und hat dafür mittlerweile Partner wie stern.de und web.de gewonnen. Im Interview mit mobilbranche.de erläutert Samadi, wieso er an Performance-orientierte Werbung glaubt und wenig von Branding-Kampagnen im Mobile Web hält. Zudem stellt er die neue Re-Targeting-Lösung von Apprupt vor, die auf der Dmexco Premiere feiern wird.

mobilbranche.de: Was kann man sich unter Apprupt vorstellen?

Jascha Samadi: Apprupt ist ein mobiles Werbenetzwerk mit den Zusätzen Premium und Performance. Wir konzentrieren uns darauf, Performance- und auch ROI-orientierte Kampagnen für unsere Kunden vor allem in hochwertigen und qualitativen Umfeldern umzusetzen, wie z.B. in den mobilen Auftritten von „Stern“ oder „TV Spielfilm“.

mobilbranche.de: ROI heißt Return on Investment – wie messt Ihr den Erfolg der Werbung?

Jascha Samadi: Das hängt davon ab, um welche Art von Kampagne es sich handelt. Wenn es eine App-Kampagne ist, sagen wir dem Kunden nicht nur, wie sich die App im Ranking bewegt hat, wie das Werbemittel sowie die Teaser und die Creatives, die wir eingesetzt haben, performt haben, sondern wir können ihm vor allem auch sagen, wie sich die Conversion nach dem Klick darstellt. Der Kunde hat bei uns also die Möglichkeit, über ein Tracking herauszufinden, wie viele Downloads er tatsächlich im Kampagnenzeitraum generiert hat. Dieses Download-Tracking wird für viele Kunden immer wichtiger.

Darüber hinaus kann er ein noch tiefer gehendes Tracking einsetzen: Dabei schauen wir uns an, welcher Nutzer und welcher Download über welchen Kanal generiert wurden und welche Nutzung der App es im Nachgang gibt. Wir haben viele Kunden, für die Mobile mittlerweile ein absatz- und umsatzorientierter Kanal ist. Diese Kunden möchten natürlich nicht nur wissen, wie viele Downloads in der Summe generiert werden, sondern sie möchten auch wissen, was der Nutzer tatsächlich innerhalb der App tut und wie hoch das Verhältnis derjenigen Nutzer und Downloads ist, die tatsächlich zu zahlenden Nutzern konvertieren. Vieles von dem, was wir tun, beschäftigt sich auch mit solchen Fragen, dass wir Kanäle und die Wertigkeit einzelner Kanäle danach bemessen und bewerten, wie werthaltig und umsatzstark der jeweilige Nutzer und Kunde in der App ist.

mobilbranche.de: Auf dem Mobile Summit in Wiesbaden hast Du eine Apprupt-Kampagne für Gigalocal vorgestellt, die nur in bestimmten Orten läuft. Was habt Ihr konkret für Targeting-Möglichkeiten?

Jascha Samadi: Zentrales Element am mobilen Gerät, das wir auch zu Targeting-Zwecken nutzen, ist die Lokalisierungsfunktion, mit der wir also die Möglichkeit haben uns über ein Geo-Targeting gezielt einzelne Regionen herauszusuchen und mobile Produkte nur dort zu bewerben. Neben dem Thema Geo-Targeting, was sehr stark angefragt wird, erleben wir in letzter Zeit auch eine verstärkte Nachfrage nach Device-Targeting. Und zwar nicht nur mit der Unterscheidung nach iPhone, iPod Touch oder iPad, sondern zielgerichtet auf eine spezielle Version des Betriebssystems. Die Kunden erwarten z.B.: „Targeting aller iPhones ab dem Betriebssystem iOS Version 4.0, da die App nur damit kompatibel ist“.

Unsere neueste Innovation im Targeting-Bereich, die wir auch zur Dmexco offiziell vorstellen werden, ist eine Re-Targeting-Lösung, die nun erstmalig auch mobil Werbetreibenden die Möglichkeit bietet, Nutzer gezielt mit Ads zu relevanten Produkten zu verfolgen, insbesondere hierbei Warenkorb- bzw. Kaufabbrecher. Wir haben aber auch die Option, die Nutzung einer App anzukurbeln, indem wir diejenigen Nutzer, die eine Anzeige für eine App klicken, die sie aber bereits installiert haben, direkt in die App leiten. Der Nutzer kann dann sofort den jeweiligen Service nutzen. Bei inzwischen durchschnittlich bis zu 100 Apps auf einem iPhone können wir dem Nutzer hier eine beachtliche Hilfestellung leisten und App-Nutzungszeiten erhöhen.

mobilbranche.de: Es gibt Statistiken, wonach mobile Werbung bis zu achtmal häufiger geklickt wird als klassische Onlinewerbung. Was hältst du von solchen Statistiken?

Jascha Samadi: Zum Einen zeigt sich hier natürlich, welches Potential Mobile hat, gerade weil wir den mobilen Nutzer, der einen relativ kleinen Screen nutzt, mit einer ganz anderen Aufmerksamkeit erreichen als wir das über den Desktop-Bildschirm können. Insofern freuen wir uns alle über die deutlich höheren Klickraten. Was wir Kunden aber ans Herz legen: diese Klickraten oder insgesamt die Zahlen, die wir bei Mobile sehen, sollten hinterfragt und differenziert werden. Das soll nicht heißen, dass die Klickraten im Mobile-Bereich per se überbewertet sind und die Banner in der Art und Weise, wie sie aktuell aufgesetzt sind, nicht funktionieren. Es heißt vielmehr, dass wir unseren Kunden ans Herz legen, sich anzuschauen, ob eine achtmal höhere Klickrate im Mobile-Bereich gegenüber Onlinewerbung auch bedeutet, dass die Werbung bzw. die Kampagne achtmal besser konvertiert nach dem Klick – gerade wenn wir darüber sprechen, dass nach dem Klick die App herunter geladen werden soll. Für den Kunden ist es ganz wichtig, dass er sich bewusst wird, wieviel ihm der Klick und dieses initiale Interesse, das damit ausgelöst wird, wert ist.

Die Problematik liegt vor allem darin, dass wir im Mobile-Bereich des Öfteren noch sehen, dass Werbebanner teilweise in sehr klick-sensitiven Bereichen platziert werden. Ein Beispiel dazu: es gibt eine Radio-App, in der Werbebanner direkt unter der Laut-Leise-Leiste platziert waren. Hier passiert es natürlich häufiger, dass ich mich mit meinem „Wurstfinger“ auf diesem kleinen Bildschirm vertippe, und das Werbemittel aus Versehen tippe. Wenn das dann als Kennzahl für den Erfolg und Misserfolg mobiler Kampagnen gewertet wird – gerade wenn wir das Ganze unter ROI-Aspekten betrachten – muss eigentlich jeder Performance-orientierte Kunde hinterfragen, was Klicks oder Werbemittel-Interaktionen eigentlich wert sind. Daher ist es umso wichtiger zu analysieren, wie viele Downloads ich generiere und wie stark die App-Nutzung ist.

mobilbranche.de: Wie unterscheidet sich Apprupt von anderen Wettbewerbern?

Jascha Samadi: Im mobilen Bereich gibt es viele Vermarkter, viele Netzwerke. Zum Einen sind dies ganz klar die Premium-TKP-Vermarkter. Von denen unterscheiden wir uns ganz essentiell dadurch, dass bei uns alles performance-orientiert ist: Das können sowohl Kampagnen für Applikationen sein. Das können andererseits auch Online-Performance-Kampagnen sein, die wir z.B. über eine Click-to-Call-Einbindung mobilisieren: Hierbei können wir potentiellen Endkunden die Möglichkeit geben, sich gerade bei erklärungsbedürftigen Produkten mit einem Callcenter verbinden zu lassen. Zudem bieten wir u.a. Click-to-E-Mail oder klassische Leadgenerierungsthemen.

Gegenüber anderen Performance-Netzwerken differenzieren wir uns ganz klar anhand der Tatsache, dass wir qualitativ hochwertige Umfelder belegen und dort über unser Bild-Text-Kombiformat werben können. Sehr stark sind wir in redaktionellen Umfeldern vertreten, arbeiten hier mit Qualitätsumfeldern wie stern.de, Handelsblatt.com oder FTD.de und haben somit die Möglichkeit, sehr hochwertige Nutzergruppen für Performance-orientierte Kunden anzusprechen. In den Longtail-Bereich gehen wir dagegen überhaupt nicht, spielen also keine Banner in To-do-Listen oder Radioapplikationen aus.


mobilbranche.de: Eure Partner sind vor allem Verlage?

Jascha Samadi: Das ist richtig. Es sind einerseits Verlage, andererseits aber auch Telcos wie Freenet. Jedoch immer sehr qualitätsgetriebene Angebote, bei denen wir in der Lage sind, hochwertige Nutzer anzusprechen, die affin für das jeweilige beworbene Produkt sind. Zudem arbeiten wir inzwischen mit drei der Top 5 AGOF Mobile-Vermarkter zusammen.

mobilbranche.de: Könntet Ihr mit Branding-Kampagnen nicht mehr Umsatz machen?

Jascha Samadi: (lacht) Ich glaube, Branding ist ein spannendes Thema im Mobile-Bereich, wir konzentrieren uns jedoch gerade aufgrund des technischen Know-hows, das wir aufgebaut haben, sehr stark auf den Performance-Bereich, da dieser in seiner Tiefe technisch komplexer ist. Unserer Meinung nach hat Performance im Mobile-Bereich schlicht einen höheren Stellenwert, als das Online der Fall ist. Viele der Kampagnen, die wir Mobile in den letzten eineinhalb bis zwei Jahren gesehen haben, sind App-Kampagnen. Und App-Marketing betrachten wir nicht als Branding-Thema. Es gibt für uns keine Branding-getriebene App-Kampagne, da die Bewerbung einer App immer etwas Transaktionsgetriebenes ist. Wenn ich eine App habe, selbst für einen großen Werbekunden, der ein reines Branding-Ziel mit der App verfolgt, ist die Kampagne für die App – und das ist ein großer Unterschied zum Online-Bereich – trotzdem eine Performance-Kampagne, weil auch das Brand-Engagement eben erst nach dem Download innerhalb der Applikation stattfindet und im Gegensatz zu Online nicht mehr Teil der Kampagne ist. Brand Engagement setzt erst dann ein, wenn wir als Performance-Vermarkter unseren Job getan haben, nämlich die App mit dem besten ROI so schnell wie möglich auf das Gerät des Nutzers zu bekommen. Wir setzen den Fokus einzig auf die Performance, dahin gehend optimieren wir die Kampagnen und bieten den Kunden entsprechende Leistungsnachweise.

mobilbranche.de: An welcher Stelle zahlt der Werbekunde bei Apprupt: Schon beim Klick auf die Werbung, beim Download der App oder erst, wenn die App zwei-, dreimal genutzt wurde?

Jascha Samadi: Unsere Abrechnungsmodelle sind weder download- noch nutzungsbasiert. Wir rechnen auf Basis des Klicks auf die Werbemittel ab, nutzen also ausschließlich CPC-basierte Modelle. Wir sind aber technisch in der Lage, dem Kunden zu sagen, was denn aus den Klicks, die er bei uns gebucht und bezahlt hat, geworden ist, nämlich wieviele Downloads generiert wurden und wie die Performance innerhalb der Applikation ist. Das ist allerdings auch eine Thematik, die Kunden oftmals selber messen, mit uns abgleichen und anschließend die Kanäle entsprechend danach bewerten.

mobilbranche.de: Mobile Textanzeigen sind ein Feld, in das auch Google strebt. Habt Ihr Angst, dass Google Euch da die Butter vom Brot nimmt?

Jascha Samadi: Das Schöne am deutschen Mobile Advertising-Markt im Jahre 2011 ist, dass der Markt mittlerweile groß genug ist und somit genug „Butter“ für mehrere Anbieter da ist, vor einigen Jahren war das sicherlich noch anders. Zum Anderen freut uns, dass auch Google das Potential in dem Markt erkannt hat, in dem wir schon seit über 2 Jahren aktiv sind und uns entsprechend etabliert haben. Wir machen beide Performance, aber wir decken unterschiedliche Segmente ab. Google ist deutlich stärker im Longtail vertreten. Unser Fokus hingegen liegt sehr stark auf qualitativen Umfeldern mit hochwertigen Nutzergruppen.

mobilbranche.de: Wie reagiert Ihr auf HTML5 und andere aktuelle Trends?

Jascha Samadi: Wir haben seit ehedem immer einen sehr starken Fokus auf die Bewerbung von Applikationen gelegt, sei es nun für iPhone, iPad, Android oder neuerdings auch Windows Phone 7. Seit Ende vergangenen Jahres öffnen wir uns hier jedoch immer weiter und stellen uns breiter auf, weil wir Raum und Potential gesehen haben und auch viele klassische Online-Performance-Kampagnen „mobilisieren“ können. Es geht also nicht mehr nur um Apps, gleichwohl die Bewerbung von Apps immer noch einen großen Teil unseres Geschäfts ausmacht. Gerade Kunden aus dem Finanz- und Versicherungswesen, also Unternehmen, die erklärungsbedürftige Produkte haben, hegen großes Interesse daran, auch mobil hochwertige Zielgruppen anzusprechen. Da eignet sich beispielsweise der Call sehr gut. Durch Click-to-Call-Kampagnen können wir die Anforderungen performance-orientierter Kunden nun auch verstärkt bedienen. Beim Thema Mobile Browser sind wir zudem schon länger mit unserem Pocket-Ad-Format im Markt präsent, Hierbei wird über die Bookmark-Funktion des Browsers der Download einer Web-App auf das Gerät ermöglicht, d.h. auch hier macht es für uns aus technischer Sicht betrachtet keinen Unterschied, ob wir eine native Applikation oder eine Web-basierte Applikation bewerben. Für uns steht immer im Vordergrund, dass wir den richtigen Nutzer in einem hochwertigen Umfeld mit dem richtigen Produkt versorgen.

mobilbranche.de: Was bedeutet Click-to-call eigentlich genau?

Jascha Samadi: Nach dem Klick auf das Werbemittel gelangt der User auf eine Landing-Page, wo er zum Einen erst einmal grundlegende Informationen zu einem Produkt erhält und zum Anderen dann mit einem Klick direkt ein Anruf in das Callcenter oder die Servicehotline des jeweiligen Unternehmens eingeleitet wird. Wir haben hier also die Möglichkeit geschaffen, Zielgruppen für Kunden im Mobile-Bereich performance-orientiert anzusprechen und das unabhängig davon, ob sie eine App haben oder nicht.

mobilbranche.de: Stichwort Internationalisierung. Ihr habt ein Büro in London, kommt da bald noch mehr?

Jascha Samadi: Für uns ist die grundsätzliche Erkenntnis der letzten 6 bis 12 Monate, dass der deutsche Mobile Advertising Markt mittlerweile so groß ist – und uns zudem mit der Positionierung, die wir mittlerweile im Markt erreicht haben, bereits so viel Potential bietet – dass wir nicht zwangsläufig weiter internationalisieren müssen, um weiter wachsen zu können. Das war sicherlich einmal anders. Trotz alledem steht bei uns in den nächsten 12 bis 18 Monaten das Thema Internationalisierung generell sehr weit vorne. Wir haben jetzt mit Matthias Schenk einen neuen Chief Sales Officer an Bord geholt, der unser nationales und internationales Sales-Geschäft verantworten wird. Gerade im Hinblick auf die weitere Expansion sind wir sehr glücklich, dass wir einen so renommierten Fachmann für diese Aufgabe gewinnen konnten.

mobilbranche.de: Vielen Dank für das Interview!

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