Mysterium DSGVO – Jeder dritte Deutsche weiß nichts mit dem Begriff anzufangen.

Seit einem Jahr gilt die Datenschutzgrundverordnung (DSGVO) in Deutschland. Die Verunsicherung der Seitenbetreiber war groß, gab es doch wenig verbindliche Handlungsempfehlungen. Und die Nutzer? Lediglich sieben Prozent der Deutschen haben nach Einführung der DSGVO einen besseren Einblick darin, wie Unternehmen ihre Daten nutzen. 60 Prozent verstehen nach dem Lesen von Datenschutz- und Einwilligungserklärung immer noch nicht, was mit ihren Daten geschieht. 63 Prozent lesen die Erklärungen allerdings auch nicht bis zum Ende durch.

Der Mobile-Journey-Marketing-Spezialist Ogury befragte 287.000 Personen ab 18 Jahren in Deutschland, Spanien, Italien, Frankreich, Großbritannien und den USA zu den Themen Mobile Marketing, Digitalwerbung und Datenschutz. Unter den Teilnehmern der einwöchigen Online-Umfrage unter Mobile Usern vom Februar dieses Jahres befanden sich über 35.000 Deutsche. Dabei stellte sich heraus, dass Konsumenten hierzulande ein Jahr nach dem Inkrafttreten der DSGVO immer noch weitgehend ahnungslos sind, was mit ihren Daten während der App- und Website-Nutzung geschieht.

Mangelnde Transparenz hinterlässt unwissende Konsumenten

Der ursprüngliche Gedanke der DSGVO war neben der EU-weiten Vereinheitlichung personenbezogener Datenverarbeitung auch Transparenz zu schaffen – vor allem mit Blick auf die Konsumenten. Dieses Ziel scheint aller Aufregung und vereinten Mühen der Marketing- und Werbebranche zum Trotz bis dato verfehlt, wie die Ergebnisse der Studie nahelegen.

Auch wenn sich das Inkrafttreten der DSGVO diesen Samstag jährt, versteht über die Hälfte der Deutschen (55 Prozent) weiterhin nicht, wie Unternehmen ihre Daten nutzen, die sie mit Mobilgeräten generieren. Die Lektüre der Richtlinien hilft beim Verständnis, wie Daten verarbeitet werden, wenig weiter. Sie erhellt lediglich sieben Prozent. Dabei bemühen sich die Deutschen, die Thematik tatsächlich zu durchdringen, und werfen einen Blick auf die entsprechenden Ausführungen. Auch wenn die Mehrheit die Datenschutzerklärungen nicht komplett durchgehen (63 Prozent), liegt der Wert global doch bei mehr als drei Vierteln (78 Prozent).

Ein Ergebnis der Untersuchung sticht besonders heraus: Vier von zehn der deutschen Konsumenten (38 Prozent) wissen mit dem Begriff „DSGVO” noch nicht einmal etwas anzufangen. Dieser Trend spiegelt sich global wider. Bei den Franzosen stößt die DSGVO sogar bei der Hälfte der Befragten (47 Prozent) auf Unverständnis. Großbritannien hingegen schneidet hier mit 29 Prozent etwas besser ab.

Ist der nächste Datenschutzskandal schon in Sicht?

Ahnungslose Konsumenten helfen der Branche nicht weiter – im Gegenteil. Skandale wie Facebook mit Cambridge Analytica haben nicht gerade zum guten Ruf der Werbeindustrie beigetragen. User fühlen sich von Datensammlern und -verarbeitern bedroht. Jan Heumüller, Managing Director DACH von Ogury, sieht die Verantwortung eindeutig bei den Unternehmen, Aufklärungsarbeit für die User zu leisten:

„Die Branche muss dringend das Vertrauen der Konsumenten zurückgewinnen, indem sie klare und faire Wahlmöglichkeiten vorgibt und dadurch die explizite Zustimmung der User erhält. Dies bedeutet, dass die Consent-Einholung in verständlichen Worten geschrieben und die Benachrichtigungen deutlich sichtbar sein müssen.“

Transparentes Datengeschäft schafft Vorteile für alle Beteiligten

Das Ergebnis der Studie mag ernüchternd wirken, dennoch steckt an dieser Stelle großes Potential für Marktteilnehmer, die sauber und transparent arbeiten. Jeder zweite Deutsche ist schließlich dazu bereit, für den Zugang zu Apps oder Content lieber mit seinen Nutzungsdaten als mit Geld zu bezahlen. Jeder Fünfte (17 Prozent) würde zudem seine Kontaktdetails wie die E-Mail-Adresse hergeben (beides zusammen: 67 Prozent). Global steigt die Bereitschaft, die App- und Website-Nutzungsdaten sowie Kontaktadressen zu teilen, bis auf 71 Prozent an. Die Prämissen dafür sind jedoch Klarheit bei der Kommunikation und Wahlmöglichkeiten für den User.

Es gilt also einerseits, die Zustimmung zur personenbezogenen Datenverarbeitung verständlich zu gestalten, und andererseits, übersichtliche Optionen für den Konsumenten zu liefern. So verschaffen sich Unternehmen einen eindeutigen Vorteil.

Datenschutzbeauftragte kontrollieren

Fast 150.000 Anfragen und Beschwerden mit DSGVO-Bezug sind inzwischen bei Datenschutzbehörden in Europa aufgelaufen – davon rund 90.000 Benachrichtigung über Datenschutzverletzungen. Zum ersten Jahrestag der neuen europäischen Datenschutzvorschriften ziehen Andrus Ansip, Vizepräsident der Kommission und Kommissar für den digitalen Binnenmarkt‚ und Věra Jourová, Kommissarin für Justiz, Verbraucher und Gleichstellung, eine positive Bilanz: „Durch die Datenschutz-Grundverordnung können die Behörden wirksam gegen Verstöße vorgehen.“ EU-weit wissen zwei Drittel der Menschen etwas mit dem Begriff Datenschutzgrundverordnung anzufangen – genau erklären, worum es dabei geht, können indes nur 36 Prozent.

In Deutschland haben die Datenschutzbeauftragten in sechs Bundesländern inzwischen 75 Bußgelder aufgrund der DSGVO verhängt. 6.000 Euro betrug das Bußgeld dabei im Durchschnitt, insgesamt waren es 449.000 Euro. Die Spanne ist groß: In Baden-Württemberg wurden in 7 Fällen 203.000 Euro verhängt, im Saarland in 3 Fällen insgesamt 590 Euro. Gegen die Mobile-Bank N26 verhängte der Berliner Datenschutzbeauftragte ein Bußgeld von 50.000 Euro wegen Verstößen gegen die DSGVO. Das ist natürlich nichts gegen die 50 Millionen Euro Strafe, die durch die französische Datenschutzbehörde gegen Google verhängt wurde. Weitere Untersuchungen gegen Google werden zurzeit durch die irische Datenschutzbehörde wegen der Kategorisierung von Nutzern in Werbenetzwerken durchgeführt.

Überhaupt gab es ja rings um die Diskussion zur DSGVO die Hoffnung, damit vor allem die großen amerikanischen Konzerne mit ihrem Datenhunger in den Griff zu bekommen. Dabei zeigten sich Facebook, Apple, Microsoft & Co. besser vorbereitet als viele europäische Unternehmen. Apple-Chef Tim Cook und Mark Zuckerberg sprachen sich unlängst sogar für ein US-Bundesgesetz nach dem Vorbild der DSGVO aus.

Bei allem Ärger und auch Kosten die dadurch entstanden sind, zeigen die Schlagzeilen beinahe täglich, wie wichtig Datenschutz ist. Leider wird die konkrete Ausformulierung von Art und Umfang vermutlich noch Jahre dauern, bis (höchstrichterliche) Rechtsprechung Klarheit schafft.

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