Die digitale Transformation im Automobilbereich.

von Gastautor am 16.September 2016 in Mobilität, Trends & Analysen

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Heute: Die digitale Transformation im Automobilbereich

Von Jonas Kristen

Railway blurred motion with cars

Nirgends ist der Einfluss der digitalen Transformation deutlicher zu sehen als in der Autobranche: Google wird zum Autohersteller, aber es ist äußerst unwahrscheinlich, dass ein Fahrzeughersteller zum (marktbeherrschenden) IT-Konzern wird. Die Autobranche hat den Wettbewerb jedoch angenommen und jeder Hersteller stellt ein Kompetenzzentrum für die Digitalisierung auf die Beine, um im eigenen Geschäftsbereich nicht überholt zu werden. Noch gibt es Lücken im Bereich der digitalen Mobilitätsdienste, von denen Autohersteller oder von ihnen finanzierte Startups profitieren können.

“Schon jetzt ist jedes vierte Neufahrzeug vernetzt, in zwei Jahren werden es vier von fünf sein. Das Auto erlebt eine digitale Evolution.
IT spielt dabei die tragende Rolle. Die Zukunft der individuellen Mobilität liegt in der Vernetzung der Fahrzeuge untereinander, mit der Infrastruktur und dem Internet.”
Dr. Ulrich Eichhorn, Geschäftsführer des Verbandes der Automobilindustrie (VDA)

Tipp 1: Das Auto als Software-Plattform nutzen

Tesla hat weder das Elektroauto erfunden, und auch die Einparkhilfe als erstes Ergebnis des autonomen Fahrens stammt nicht von dem Startup aus Kalifornien. Tesla hat das Auto als Software-Plattform erfunden. So ist das Unternehmen in der Lage, mittels Software neue Services auch für ältere Fahrzeuge anzubieten. Alleine mit der stets neuesten Version eines Sprachassistenten, kann Tesla ein riesiges Service-Angebot aktuell halten.

Darüber hinaus ist eine App in Planung, mit der jeder Tesla-Besitzer sein Auto privat und kurzfristig vermieten kann. Das bietet Opel mit Carunity auch. Die geplante Innovation bei Tesla: Das Auto fährt selbständig und fahrerlos dahin, wo es gebraucht wird, statt 80 Prozent der Zeit nutzlos herum zu stehen. Bei Tesla sind Car Sharing und autonomes Fahren die Produkte der Softwareseite. Die vertikale Integration bis zur Stromerzeugung (durch die Fusion mit SolarCity) auf der Hardwareseite zeigt, dass Tesla-Gründer Elon Musk Transformation wesentlich größer denkt als nur im Digitalen.

Autokonzerne und verbündete Startups haben die Chance mit Services wie perfekter Echtzeit-Routenplanung trotz Bauarbeiten und Stau, interessanten Vorschlägen zu Einkauf- oder Erlebnismöglichkeiten und hilfreichen Dienstleistungen möglichst stark personalisierte Services anzubieten. BMW erprobt gerade einen Concierge-Service mit Sprachsteuerung namens “Connected Drive”. Zudem enthält das Angebot eine Routenplanung, die Carsharing und öffentliche Verkehrsmittel einschließt. Sind die Straßen wegen einer Großveranstaltung verstopft, könnte BMW Connected Drive dem Fahrer empfehlen, das eigene Auto stehen zu lassen und stattdessen mit Bus oder Bahn sein Ziel zu erreichen. Hat sich der Stau aufgelöst, könnte er auf dem Rückweg ein Mietauto nehmen, welches er über die App findet und reserviert.

Tipp 2: Das Auto als Shoppingmobil: Von Google lernen

Der Wert von Google Maps ist unbestritten. Auch für Google. Deren Nutzer verraten, wo sie sind und was sie wollen. Fehlt nur noch ein Auto, das sie auch beim Offline-Shopping an das Ziel führt. Dass Googles Auto gar kein Steuerrad und Pedale mehr vorsieht, sondern ausschließlich autonom fährt, ist dabei die Spitze des Eisberges. Im Dunkeln liegt, wie viel Einzelhändler später investieren müssen, um als passendes Ziel der Einkaufstour vorgeschlagen zu werden. Anzeigen-Budgets und Aufwände für Suchmaschinenoptimierung  werden dann auch für Offline-Händler steigen. Und: Wer sich fahren lässt, hat mehr Zeit zum Googeln. Von solchen vernetzten Geschäftsmodellen können deutsche Autohersteller nur träumen. Sie stehen vor der Frage, auf welche Apps bzw. App Stores sie ihre Kunden zugreifen lassen möchten. Mit Apples CarPlay und Googles Android Auto können die beiden bekanntesten App Stores in den Bordcomputer integriert werden. Diese beiden Schnittstellen verbinden das Smartphone mit dem Bildschirm und – wenn möglich – mit den Bedienelementen im Auto. In Deutschland verzichtet nur BMW vollständig auf den Einsatz von Android Auto. CarPlay funktioniert aktuell in einigen Modellen von Mercedes, VW und Opel. Audi und Porsche sind ab 2017 dabei.

Tipp 3: Verkauf und Marketing modernisieren

Wer sich einen Neuwagen leisten kann, freut sich über tausende Details, die er für seinen Wunschwagen festlegen kann. Entsprechend komplex fallen Fahrzeugkonfiguratoren aus.

Diese auch für mobile Geräten so zu entwickeln, dass Ladezeiten kurz ausfallen und die Bedienung flüssig von der Hand geht, ist eine zentrale Herausforderung für das digitale Marketing. Entsprechend werden hier keine Aufwände gescheut:

  • Der Opel Car Configurator erlaubt eine Rundumsicht. Auf einer in Echtzeit berechneten 3D-Bühne, kann das Auto mit der Maus oder Touch-Gesten betrachtet werden. Die Kamera bewegt sich dabei stufenlos seitlich rund ums Auto. Welche Felgen zu welchen Wagenfarben passen, lässt sich so schnell erkennen.
  • Der Innenraum kann mit dem Pano Viewer betrachtet werden. Hier ist die Kamera in alle Richtungen frei beweglich, der Dachhimmel lässt sich also genauso betrachten wie die Fußmatten. Mit der Zoomfunktion lassen sich Details, wie Bedienelemente und Stoffmuster, unter die Lupe nehmen.
  • Natürlich können auch Motoren und Sonderausstattungen selektiert werden. Zum Abschluss kann die erstellte Konfiguration als PDF auf dem Smartphone gespeichert, eine Probefahrt bei einem frei wählbaren Opel-Händler vereinbart und ein Angebot angefordert werden.

Mercedes geht den scheinbar paradoxen Weg, einerseits Läden ohne Autos zu eröffnen, während andererseits der Startschuss für den Online-Verkauf ausgewählter Modelle gefallen ist. Im Mercedes me Store in Hamburg können Autos an speziellen Videomonitoren konfiguriert und bestellt werden. Die Shops sollen vor allem ein Lebensgefühl vermitteln und locken mit Veranstaltungen, z.B. einer Präsentation von VR-Demos, Verköstigungen oder kleine Konzerte.

Im Online-Store von Mercedes können Modelle mit bestimmten Ausstattungspaketen konfiguriert und bestellt werden. Die Unternehmensberatung Arthur D. Little rechnet jedoch bis 2020 mit nicht mehr als 6 Prozent online verkaufter Autos.

Von Startups lernen

Damit Automobilkonzerne mit der digitalen Transformation Schritt halten können, sollten Sie sich von Startups inspirieren lassen. Oder gleich eigene Startups gründen, wie es etwa Opel mit CarUnity getan hat. Vier bemerkenswerte Beispiele sind:

easy-car-pay-gmbhEasy Car Pay

Ermöglicht das bargeldlose Bezahlen beim Autokauf. Sobald sich Käufer und Verkäufer auf einen Preis geeinigt haben, kann der Käufer das Geld an eine Bank einzahlen, die mit Easy Car Pay zusammenarbeitet. Diese verwaltet treuhänderisch das Geld bis zum Übergabetermin. Bei der Übergabe gibt der neue Besitzer das Geld per mobiler Transaktionsnummer (mTAN) frei und veranlasst damit die sofortige und unwiderrufliche Überweisung an den Verkäufer. Dieser kann das Auto daher bedenkenfrei übergeben.

car-unityCarUnity von Opel

Bei Opels Carsharing-Tochtergesellschaft können Autos zur Vermietung von privat für private Nutzer angeboten werden.

 

 

trueTrueCar

Ist eine neue Form von Preissuchmaschine. Hat man ein Auto ausgewählt und einige Filter wie die Farbe festgelegt, zeigt TrueCar einen Durchschnittspreis, der von Händlern im entsprechenden PLZ-Bereich abgeleitet wurde.

uberUber

Das aggressive Startup macht längst nicht nur Taxi-Unternehmern Konkurrenz, sondern entwickelt sich zum Logistikkonzern. Dabei wird das autonome Fahren auf die Spitze getrieben: In Pittsburgh startet Anfang September ein Feldversuch. Autonom fahrende Uber-Wagen sollen die ersten Passagiere befördern.

Lesetipp

In dieser Serie sind bereits die folgenden Beiträge erschienen:

Über Sevenval

Gestalten Sie mit uns die Digitale Transformation! Die Sevenval Technologies GmbH entwickelt Software für die schnelle und hoch qualitative Realisierung und Pflege von Webseiten und digitalen Services. Sevenvals Frontend-Experten liefern in kurzer Zeit nutzerfreundliche Lösungen, die mit wenig Aufwand zu betreiben und für zukünftige Entwicklungen vorbereitet sind.

Jan Webering, CEO Sevenval GmbH

Sevenval-Gründer Jan Webering

Sevenval, gegründet 1999, wurde für seine Technologie und Lösungen vielfach ausgezeichnet und zählt internationale Konzerne, wie Mercedes-Benz, Bosch, Baur, Douglas uvm. zu seinen Kunden.

Sevenval-Gründer Jan Webering: „Für die erfolgreiche Digitale Transformation empfehlen wir interdisziplinäre Teams aus Marketing, Sales, Technik und Geschäftsführung zu bilden. Es ist wichtig, dass Mitarbeiter mit viel Kundenkontakt ihr Feedback einbringen können, wenn die nächsten Features für die App oder Webseite geplant werden. In der Geschäftsführung muss jemand die Transformation verantworten, Ressourcen bereitstellen und die Entwicklung auch gegen Widerstände verteidigen.“


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