apprupt wird zu Opera Mediaworks – Interview mit Jascha Samadi.

von Florian Treiß am 09.September 2015 in Interviews, Mobile Advertising, News

Logo_Opera_MediaworksKnapp eineinhalb Jahre nach der Übernahme durch Opera Mediaworks schüttelt apprupt, der 2008 gegründete Spezialist für mobile Werbung aus Hamburg, seinen alten Namen ab und nutzt ab sofort nur noch die Marke der Muttergesellschaft. „Sicherlich ist es für mich aus emotionalen Gesichtspunkten nicht ganz so einfach, den alten Namen aufzugeben. Aber ganz rational gesehen, ist es jetzt der richtige Zeitpunkt und der richtige Schritt für uns“, sagt apprupt-Gründer Jascha Samadi, der ab sofort als Geschäftsführer der Opera Mediaworks GmbH firmiert. In unserem Exklusiv-Interview habe ich mit ihm aber nicht nur über die Umbenennung gesprochen, sondern auch über die aktuellen Entwicklungen im Mobile Advertising. Der Markt entwickelt sich gerade stark in Richtung automatisierter Werbehandel nach programmatischen Gesichtspunkten. Dass dort weiterhin Raum für Vermarkter wie Opera Mediaworks ist, da ist sich Jascha Samadi vollkommen sicher: „Auch in einer Welt der Maschinen haben wir kein Perpetuum mobile geschaffen, das vollkommen autark arbeitet, denn auch hier muss beraten, verkauft, kreiert, umgesetzt und gemonitored werden.“

Jascha_Samadi_Opera_Mediaworks_GmbH

mobilbranche.de: Vor ziemlich genau vier Jahren habe ich Dich zum ersten Mal interviewt – damals war apprupt noch ein relativ junges Startup mit dem Claim „Premium Performance Network“. Was hat sich seitdem bei Euch geändert?

Jascha Samadi: In der Zeit hat sich natürlich eine Menge verändert. Wir haben uns damals in einem Markt bewegt, der deutlich kleiner war, als er es heute ist, und auch noch viel mehr Kinderkrankheiten hatte als heute. Viele der Themen wie Programmatic, Visibility, Transparenz, Tracking oder Targeting hatten wir damals vielleicht schon im Hinterkopf. Damit haben wir uns damals aber noch nicht tagtäglich beschäftigt, sondern wir waren damals noch mit Basics beschäftigt, z.B. haben uns damals Publisher noch gefragt, wie sie ihren mobilen Auftritt überhaupt gestalten sollen. Ich denke da an die Diskussion Apps vs. Mobile Web. Auch Advertiser hatten damals noch solche Grundsatzfragen, dementsprechend war das damals unser täglich Brot.

Wir sind uns in den Jahren danach auf jeden Fall treu geblieben, auch dem Begriff Premium-Vermarktung. Das ist für uns auch heute noch ein ganz wichtiger Pfeiler unseres Geschäfts. Wir arbeiten sehr stark mit Premium-Medien zusammen, wir konzentrieren uns also auf besonders hochwertiges Werbeinventar und hochwertige Zielgruppen. Performance ist aber auch immer noch ein wichtiger Bestandteil unserer Arbeit: wenn man sich die Big Spender im Bereich Mobile Advertising anschaut, kommt man sicher nicht um Performance-Kampagnen herum, gerade wenn es um das App-Downloadgeschäft geht. Das ist sicherlich einer der größten Bestandteile des Mobile-Werbekuchens. Was sich allerdings verändert hat: Performance ist nicht mehr unser ausschließlicher Fokus. Sprich, eine ganz wichtige Entwicklung für uns aus den letzten vier Jahren ist, dass wir uns sehr stark im Brand-Bereich entwickelt haben, also Kampagnen für die großen Marken. Dort hat auch ein Großteil des Wachstums im Markt stattgefunden. Und wir haben mit vielen Agenturen tolle, spannende Brand-Kampagnen umsetzen können. Und seit der Zugehörigkeit zu Opera sind wir Teil einer internationalen Organisation, bei der wir von pan-europäischen Brand-Kampagnen profitieren und dort den deutschen Teil abdecken. Der Markt für mobile Brand-Kampagnen ist heute einfach viel größer als vor vier Jahren.

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mobilbranche.de: Du hast es gerade schon erwähnt: Vor rund eineinhalb Jahren wurde apprupt von Opera Mediaworks übernommen. Hat sich die Übernahme gelohnt?

Jascha Samadi (lacht): Das ist eine zweideutige Frage! Eine Übernahme birgt natürlich immer für beide Seiten gewisse Risiken und Veränderungen. Ich denke an unterschiedliche Unternehmenskulturen, aber auch die Technologie und die Produkte. Was diese beiden Sorgenpunkte angeht, haben wir es relativ gut und glücklich über die Bühne gebracht. Für uns hier in Deutschland hat sich relativ wenig verändert, dadurch dass wir uns mit einem Unternehmen zusammengetan haben, dessen DNA sehr ähnlich zu unserer ist und in vielen anderen Märkten haargenau das tut, was wir die letzten Jahre in Deutschland getan haben. Es dreht sich also weiter um Mobile Advertising, um den Bereich Premium und um den Bereich Technologie. Auch das ist in der globalen Positionierung ein nahezu exaktes Spiegelbild von dem, was wir lokal aufgebaut haben. Insofern hat es sich von Anfang an sehr gut angefühlt. Und wir haben jetzt in unserer lokalen Arbeit hier in Deutschland einen ganz anderen globalen Rückenwind.

mobilbranche.de: Habt Ihr auch schon Produkte aus der Opera-Familie nach Deutschland importieren können?

Jascha Samadi: Ja, Anfang des Jahres haben wir in Deutschland ein sehr spannendes Videoprodukt gestartet, dass unsere US-Schwesterfirma AdColony entwickelt hat, die ebenfalls zu Opera gehört. Opera gibt uns also die Möglichkeit, aus der Gruppe heraus weitere Potenziale zu schöpfen und Produkte und Technologien zu nutzen, die wir nicht mehr alle selber entwickeln müssen. Wir müssen also nicht mehr jedes Rad selbst erfinden. Weiterhin können wir nun mit Kollegen aus UK, der Türkei oder natürlich aus den USA an Kunden-Pitches und Kunden-Etats teilhaben, an denen wir sonst nicht teilhaben würden. Da haben wir jetzt einen ganz anderen Fuß in der Tür als früher.

mobilbranche.de: Wie oft gibt es denn solche pan-europäischen Kampagnen? Entscheiden über die deutschen Etats nicht nach wie vor die deutschen Mediaplaner?

Jascha Samadi: Der Großteil läuft natürlich weiterhin über das lokale Geschäft hier in Deutschland direkt über unsere Ansprechpartner bei den Kunden und Agenturen vor Ort. Wir sehen aber gerade im Brand-Bereich bei Firmen wie Nike, Samsung oder eBay, dass es da parallel laufende Stränge gibt, die aus London heraus zentral geplant werden. Natürlich dann wieder mit einer lokalen Begleitung in Deutschland, so dass es in solchen Fällen für die Agenturen in der Umsetzung oftmals auch einfacher ist, wenn sie mit einem Partner zusammenarbeiten, der länderübergreifende Strukturen spiegeln kann, um die Kampagnen dann in einem Rutsch über mehrere Länder zu realisieren.

mobilbranche.de: Kurz vor der dmexco verschwindet nun der Name apprupt und Ihr benennt Euch in Opera Mediaworks um. Nur ein neuer Name, oder was ändert sich noch?

Jascha Samadi: Im Grunde ist es jetzt nur noch der neue Name, denn wir haben die letzten eineinhalb Jahre eigentlich schon beide Namen parallel im Markt genutzt. Es war uns schon wichtig, anfangs noch die in Deutschland bekannte Marke apprupt aufrecht zu erhalten und zu nutzen, andererseits aber auch unsere internationale Konzernzugehörigkeit hervorzuheben.

mobilbranche.de: Warum genau jetzt dann die komplette Umbenennung?

Jascha Samadi: Der Zeitpunkt jetzt kurz vor der dmexco ist ein idealer, denn die dmexco ist nun einmal Deutschlands größte Branchen-Plattform. Und dort haben wir wie immer eine große Präsenz. Ganz grundsätzlich haben wir gemerkt, dass der Markt unsere Opera-Zugehörigkeit nun wahrgenommen und auch verstanden hat. Zugleich macht die Zugehörigkeit zu Opera unsere Arbeit im internationalen Kontext auch einfacher. Ansonsten wird sich für uns in Deutschland aber nichts ändern. Wir werden im Kern dasselbe Unternehmen bleiben und unsere Kunden und Publisher behalten natürlich auch alle ihre Ansprechpartner hier in Deutschland.

mobilbranche.de: Du findest es also nicht gefährlich, den etablierten Namen apprupt abzuschütteln?

Jascha Samadi: Wäre ich das vor eineinhalb Jahren gefragt worden, hätte ich es bejaht, denn es hätte damals gewisse Risiken mit sich gebracht. Aber so hatten wir die letzten eineinhalb Jahre Zeit, einen geschmeidigen Übergang zur kompletten Umbenennung zu bewerkstelligen. Seit April 2014 sind unsere Mitarbeiter mit Co-gebrandeten Visitenkarten unterwegs gewesen sodass der Bezug zur globalen Marke immer konkret und klar war.

Sicherlich ist es für mich aus emotionalen Gesichtspunkten nicht ganz so einfach, den alten Namen aufzugeben. Aber ganz rational gesehen, ist es jetzt der richtige Zeitpunkt und der richtige Schritt für uns. Schließlich wird heute niemand mehr denken, wir sind völlig vom Erdboden verschwunden, nur weil der Name apprupt verschwindet und ganz generell ist das ja auch etwas, das an sich ein vollkommen normaler Schritt ist und in unserer Branche regelmäßig vorkommt.

mobilbranche.de: Der mobile Werbemarkt konsolidiert sich und Ihr seid selbst Teil dieser Konsolidierung. Gerade hat AOL das mobile Werbenetzwerk Millennial Media gekauft, kurz davor hat Ströer die Interactive Media der Deutschen Telekom übernommen. Wo führt diese Konsolidierung hin?

Jascha Samadi: Wenn wir drei bis vier Jahre zurückschauen, war das vorhersehbar.

Der mobile Werbemarkt hat einfach nach einer Konsolidierung geschrien: Sehr viel kleine, lokale Player. Sehr hohe Fragmentierung. Sehr viele ähnliche, eigenständige Technologie-Konzepte im Markt. Gleichzeitig noch ein recht überschaubares Marktvolumen, gerade was Deutschland betrifft und den Anteil von Mobile am gesamten Werbekuchen. Eine Konsolidierung, ob jetzt Mobile oder auch insgesamt Digital, ist also alles andere als negativ, egal ob auf Supply Side oder Demand Side (Angebots- oder Nachfrageebene), um einfach mehr in diesem Markt bewegen zu können.

Ob das in der Fülle der Akquisitionen, die einzelne Player in den vergangenen zwei Jahren durchgeführt haben, dann am Ende alles so umsetzbar ist, muss man abwarten. Aber ich sage, dass eine Konsolidierung bis zu einem gewissen Grad für unsere Branche gut und gesund ist.

Wenn wir uns den Markt heute anschauen, hat sich bereits viel verändert. In der heutigen Welt der „programmatischen“ Werbung ist die Art und Weise WIE die einzelnen Vermarkter und Ad-Networks arbeiten schon nochmal etwas anderes als vor ein paar Jahren. Sowohl auf Supply als auch Demand Side stechen mittlerweile einige dezidierte Player hervor, während andere Player derzeit noch unschlüssig sind, auf welcher Seite sie sich idealerweise positionieren oder sogar beide Seiten verbinden können. Das hat das Marktumfeld natürlich auch schwieriger gemacht.

mobilbranche.de: Werden reine Mobile-Vermarkter langfristig überleben? Oder werden wir nur noch Multiscreen-Vermarkter sehen? Und was tut Opera in diesem Bereich?

Jascha Samadi: Ein ganz klarer Trend ist, dass mehr und mehr Mobile-Kampagnen auch in einem crossmedialen Kontext gebucht und ausgewertet werden. Dabei darf man aber nicht vergessen, dass Mobile seine Eigenarten hat und sich darüberhinaus nicht alle Themen erfolgreich auf allen Screens umsetzen lassen. Opera hat in den letzten Jahren ein beeindruckendes Wachstum im Mobile-Bereich hingelegt, und zwar in so unterschiedlichen Märkten wie Nordamerika, Südamerika, Europa, Südafrika, der Türkei bis hin in den Asiatisch-pazifischen Raum. Und im Gegensatz zu vielen globalen Wettbewerbern arbeitet Opera über alle Märkte hinweg hochprofitabel. Durch das historische Produkt, den Browser, kommt noch ein überaus populäres Consumer-Produkt hinzu, in dem Opera auch als Media Owner agiert. Außerdem engagiert sich Opera auch zunehmend im Bereich Smart TV. Das sind in der Summe alles Properties, die Opera kurz- bis mittelfristig deutlich stärker untereinander vernetzen wird.

mobilbranche.de: Wohin führt der Weg? Ist der automatisierte Handel bald das Nonplusultra und was wird aus der klassischen Premium-Vermarktung?

Jascha Samadi: Die Mischung macht’s. Wir sehen natürlich, dass Programmatic auch in Deutschland im Mobile-Bereich zunimmt. Es gibt bereits vereinzelt Agenturen, die, bei jeder Mobile-Kampagne zuerst prüfen, ob diese programmatisch umgesetzt werden kann. Erst wenn klar ist, dass dies im jeweiligen Einzelfall nicht machbar ist, weil beispielsweise bestimmte Reichweiten programmatisch noch nicht erschlossen sind oder ein spezielles Werbemittel eingesetzt werden soll, erst dann wird die Kampagne auch klassisch bei Vermarktern eingebucht. Das ist für uns neu und hat es so in dieser Form vor zwei Jahren noch nicht gegeben.

Was viele an dieser Stelle aber auch schnell verkennen: es wird auch in Zukunft immer noch Menschen geben, die Supply Side und Demand Side zusammenbringen.

Auch in einer Welt der Maschinen haben wir kein Perpetuum mobile geschaffen, das vollkommen autark arbeitet, denn auch hier muss beraten, verkauft, kreiert, umgesetzt und gemonitored werden.

Es wird also auf der Ebene immer noch eine Vermarktungsleistung stattfinden und eine Wertschöpfung geben, das Profil und die Art und Weise mag sich hier lediglich verändern. Vermarkter können vor allem dort im Enabling ihre Stärke ausspielen. Wir haben von Tag 1 an ein tiefes technisches Verständnis gehabt, was in einer programmatischen Welt Grundvoraussetzung ist, genauso kennen wir uns mit tiefergehenden Werbemitteln aus. Und in unserem Fall haben wir durch die Opera-Übernahme zudem sehr tiefe Einblicke in Märkte wie UK und USA erlangt, in denen das Thema schon viel weiter entwickelt ist als bei uns. Wir fühlen uns also bestens gewappnet um hier in Deutschland mitspielen zu können.

mobilbranche.de: Vielen Dank für das Interview!


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