„Für mich war immer der Weg das Ziel“: Nils Bernschneider im Fragebogen.

„Wenn man in der Schule ein bestimmtes Fach nicht mag, sollte man in dem Fach seine Hausaufgaben nicht machen, nicht dafür lernen und versuchen nur gerade so zu bestehen. So stellt man sicher, dass einem in Zukunft auch niemand anbietet, das für Geld zu machen, worauf man sowieso keine Lust hat“, sagt Nils Bernschneider. Der 23-Jährige hat die erfolgreiche Sprach-Lern-App Lengo entwickelt, die mittlerweile für 25 Sprachen verfügbar ist. Damit erreicht er 2 Millionen Nutzer aus 168 Ländern. Im Fragebogen von mobilbranche.de verrät Bernschneider, warum er „nie ein Fan“ von Facebook und Instagram war.

mobilbranche.de: Was war Dein erstes Handy?

Nils Bernschneider: Mein erstes Handy war ein Samsung Galaxy S. Das lag einfach daran, da ich als ein normales Kind aufgewachsen bin und nicht übermäßig viel Geld hatte. Ich habe mich von den technischen Daten überzeugen lassen. Meine Freundin hatte mir damals ihr iPhone gezeigt und zu Hause hatten wir ein iPad, seitdem war ich von iOS begeistert.

mobilbranche.de: Was ist aus Deiner Sicht besser: Android oder iOS und warum?

Nils Bernschneider: Aus meiner Sicht ist iOS mit Abstand das überlegene Betriebssystem. Man merkt, dass Apple ganz klar auf die Bedürfnisse seiner Nutzer eingeht und demnach die richtigen Schritte einleitet. Apple geht es nicht darum, mit wenig verwendbarer Technik anzugeben, sondern darum, unser Leben mit ihren Produkten zu verbessern. Zudem bekomme ich zunehmend den Eindruck, dass Android viele Funktionen von iOS kopiert.

mobilbranche.de: Welche drei Apps willst Du auf Deinem Homescreen nicht mehr vermissen?

Nils Bernschneider: Ich habe eben mal einen Blick in meine Bildschirmzeit geworfen und zu meinen am meisten genutzten Apps gehört momentan TikTok, Fiverr und LENGO. Darüber hinaus stöbere ich gerne viel im App Store und lade mir täglich neue Apps herunter und probiere sie aus.

mobilbranche.de: Stichwort Mobile Advertising: Was war für Dich die beste Werbung ever?

Nils Bernschneider: Werbetechnisch sind wir sehr unkonventionell. Am wichtigsten war es mir immer, dass unsere Nutzer mit der App zufrieden sind und ich ihnen weiterhelfen kann. Dadurch hoffe ich, dass sie die App ihren Freunden zeigen. Auf Social Media waren wir lange überhaupt nicht aktiv. Ende 2021 kamen wir in Kontakt mit einer LENGO-Nutzerin. Die Schweizerin Sarina Schroff hatte uns mit ihrem Talent für Sprachen schnell begeistert. Gemeinsam mit Sarina und einer weiteren Bekanntschaft, Oskar Schnee, starteten wir unseren TikTok-Account. Ihr Talent für Sprachen war mit LENGO gut vereinbar und das Video ging viral.

mobilbranche.de: Und was war für Dich die schlechteste mobile Anzeige?

Nils Bernschneider: Nicht besonders gut hat für mich Facebook bzw. Instagram funktioniert. Dazu muss ich aber auch sagen, dass ich persönlich nie ein Fan der Plattformen war. Mir gefiel es nicht, wie dort mit Daten umgegangen wird und auch nicht, dass der Algorithmus Beiträge über Status periodisiert. Unterhaltung und Mehrwert sind auf den Facebookplattformen weniger im Vordergrund. Instagram im Besonderen lässt viele Leben besser aussehen, als sie wirklich sind. Als Nutzer bekommt man dann oft ein schlechtes Gefühl, weil man denkt, dass andere ein besseres Leben leben als man selbst. Mein Ziel war es immer mein Leben zu nutzen, um das Leben anderer zu verbessern. Ich vermute, dass ich wegen meiner negativen Haltung Facebook gegenüber dort auch nicht erfolgreich war.

mobilbranche.de: Hast Du Mobile-Vorbilder? Wenn ja: welche?

Nils Bernschneider: Ich habe keine direkten Vorbilder, aber es gibt einige Menschen, die ich sehr bewundere. Dazu gehört Steve Wozniak, dem viele Dinge, die normale Menschen im Alltag belasten, unwesentlich erscheinen. Mich fasziniert seine Leidenschaft für Technologie und die Fähigkeit, bei den Dingen, die ihn wirklich bewegen, bis aufs kleinste Detail zu achten und nichts unvollständig zu lassen. Ich denke, viele Menschen lassen sich von externen Faktoren wie Status oder der Meinung anderer Menschen von ihrer eigenen Berufung ablenken.

mobilbranche.de: Wie beschreibt Deine Mutter Deinen Job?

Nils Bernschneider: Meine Mutter gehört zu den wenigen Familienmitgliedern, die tatsächlich versteht, was ich mache. Ich wüsste nicht, wie sie es als Job bezeichnen würde, da sie es – wie ich glaube – ähnlich wie ich nicht als Job, sondern eher als eine Art Unternehmung sieht. Ich denke, sie versteht, dass es mir darum geht, dass ich überzeugt bin, mit meiner Idee Menschen helfen zu können.

mobilbranche.de: Ist Dein Job für Dich Beruf oder Berufung?

Nils Bernschneider: Mit Sicherheit eine Berufung. Ich habe nie daran geglaubt, dass man sich selbst zu etwas zwingen sollte, um ein übergeordnetes Ziel zu erreichen. Ich glaube, man sollte etwas finden, dass einem selbst Spaß macht und anderen weiterhilft. So kann man seine Leidenschaft im Beruf finden und muss nie wieder wirklich arbeiten, um dann sein Glück etwa am Wochenende zu suchen. Für mich war immer der Weg das Ziel. Ich finde, das trifft auf alles zu. Wenn man in der Schule ein bestimmtes Fach nicht mag, sollte man in dem Fach seine Hausaufgaben nicht machen, nicht dafür lernen und versuchen nur gerade so zu bestehen. So stellt man sicher, dass einem in Zukunft auch niemand anbietet, das für Geld zu machen, worauf man sowieso keine Lust hat.

mobilbranche.de: Wie stehst Du zu Mobile Payment?

Nils Bernschneider: Ich bin sicherlich kein Experte, was Mobile Payment angeht. Jedoch glaube ich, dass wir vermutlich zwischen 2030 und 2040 komplett auf unseren Geldbeutel und alle dort enthaltenen Karten verzichten können und sowohl alle Zahlungsabwicklungen als auch alle Ausweisdokumente in unserem Handy speichern werden. Technisch wäre das heute schon möglich, nur braucht so eine Umstellung verständlicherweise Zeit. Die steigende Zuverlässigkeit von Smartphones wird diese Entwicklung beschleunigen.

mobilbranche.de: Wann bzw. wo vermisst Du Mobile in Deinem Alltag, sprich: wo siehst Du noch Entwicklungspotenzial?

Nils Bernschneider: Ich denke, dass das Smartphone als Multifunktionsgerät weiter sehr viel Entwicklungspotenzial hat. Mit unserem Smartphone sind viele Dinge möglich, für die wir momentan noch andere, eigentlich überflüssige Geräte verwenden. So könnte etwa die Fernbedienung für Fernseher, Spielzeugautos oder Geräte im Haushalt komplett durch den Touch Screen vom Smartphone ersetzt werden. Auch könnte man das Smartphone als eine Art Master-Key verwenden, mit dem man nicht nur die Haustür öffnen kann, sondern auch alle Authentifizierungen wie z. B. Überweisungen mit durchführen kann. Viele Menschen haben Probleme mit Passwörtern, verlieren ihre Schlüssel oder Fernbedienungen. Unser Smartphone haben wir sowieso immer bei uns und es ist theoretisch in der Lage, alle diese Probleme zu lösen.

mobilbranche.de: Mobile in 5 Jahren: was ist verschwunden, was hat sich durchgesetzt?

Nils Bernschneider: Mit Sicherheit wird es immer noch täglich neue Apps und Innovationen geben. Viele der langweiligen Themen, die unseren Alltag aber tatsächlich verbessern, werden sich durchsetzen. Beispielsweise wird das vertikale Videoformat auch bei traditionellen Medien ankommen. Ich kann mir vorstellen, dass erstmals bekannte Filme und Shows im Hochformat produziert werden. Wobei ich nicht glaube, dass traditionelle Formate dadurch aussterben. Sie wird es weiter geben. Allerdings denke ich, dass 95 % der heutigen App-Startups nicht mehr existieren werden. Durch haltlose Pitches wird viel investiert, mit der Hoffnung, von einem größeren Investor abgelöst zu werden. Ab einem gewissen Punkt wird der größere Investor nicht mehr zu finden sein. Darunter wird es natürlich aber auch Ausnahmen, mit genialen Produkten, die wirklich vielen Menschen das Leben verbessern, geben.

mobilbranche.de: Vielen Dank für die spannenden Antworten!

Lesen Sie auch die vorherigen Fragebögen unserer Serie “Köpfe der Mobilbranche”.

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