„Apps haben das Ziel, den Alltag von Menschen zu vereinfachen“: Julian Komar von der OTTO App im Fragebogen.

Mit 12 Jahren Erfahrung im Produkt Management von Apps & eCommerce weiß Julian Komar, dass „eine App zu haben oder zu gestalten nicht das Ziel ist, sondern vor allem einen Service, der Menschen hilft. Eine App ist nur der Zugang dazu.“ Der Lead Product Manager für die OTTO App verantwortet die komplette Neuausrichtung der OTTO App und App-Strategie. Der gelernte Mediengestalter und studierte Betriebswirt ist seit 2017 bei OTTO. Davor hat er bei CTS Eventim die erste Eventim-App und weitere eCommerce Features wie Saalplan und Checkout entwickelt. Im Fragebogen von mobilbranche.de verrät er: „Ich misstraue jedem Betriebssystem, wo ich einen Virenscanner und einen Dateiexplorer installieren muss, um mich zurecht zu finden.“

mobilbranche.de: Was war Dein erstes Handy?

Julian Komar: Mein erstes Handy war von O2 Loop oder damals noch Viag Interkom. Es war ein Trium Astral, was wahrscheinlich heute niemand mehr kennt. Ich glaube, es hatte 199 DM gekostet als Pre-Paid Paket und konnte SMS und telefonieren. Das müsste 1999 gewesen sein.

Im Laufe der Jahre habe ich immer wieder neue und andere Handys gehabt und konnte so die Entwicklung sehr gut mitverfolgen. Es war immer wieder spannend zu sehen, was Neues dazukam und vor allem auch, was nicht funktionierte. Auch beruflich habe ich immer wieder damit zu tun gehabt: Gestartet mit WAP-Seiten bis hin zu den ersten Apps und Sprachassistenten.

mobilbranche.de: Was ist aus Deiner Sicht besser: Android oder iOS und warum?

Julian Komar: Hahaha … Fangfrage. Woran beurteilt man das? Ich persönlich bevorzuge iOS. Sicherlich liegt das daran, dass ich mit einem Mac aufgewachsen bin, aber auch daran, dass ich schon immer an gute Usability und ein funktionierendes System geglaubt habe. Ich misstraue jedem Betriebssystem, wo ich einen Virenscanner und einen Dateiexplorer installieren muss, um mich zurecht zu finden. Über die Jahre hat Android auch sehr viel von iOS übernommen. Apple ist immer einen Schritt voraus gewesen, auch wenn sich einige Dinge nicht durchgesetzt haben.

Ich glaube, dass es am Ende sowohl eine Frage des Geschmacks als auch eine Frage der Gewohnheit ist. Meiner Erfahrung nach, wechseln wenige Nutzer*innen das Betriebssystem aufgrund der Leistung, sondern eher, weil sie sich ein neues Handy kaufen oder das Umfeld ein bestimmtes Betriebssystem bevorzugt.

mobilbranche.de: Welche drei Apps willst Du auf Deinem Homescreen nicht mehr vermissen?

Julian Komar: Natürlich die OTTO App, denn ich nutze sie täglich. Ansonsten bin ich eher praktischer App-Nutzer. Apps haben das Ziel, den Alltag von Menschen zu vereinfachen. Ansonsten haben sie nichts auf dem persönlichsten und schnellstzugänglichen Device zu suchen. Daher nutze ich sehr gerne Bring! als Einkaufsapp, Wetter.com und Twitter.

mobilbranche.de: Stichwort Mobile Advertising: Was war für Dich die beste Werbung ever?

Julian Komar: Ich finde Werbung gut, die zum Kontext passt und zudem nicht aufdringlich ist. Die richtige Ansprache ist für mich entscheidend: Passt sie zu mir? Und wird sie im richtigen Augenblick ausgespielt? Werbung, die einfach nur auf Masse aus ist, finde ich grässlich. Leider werden immer mehr Firmen dazu gezwungen, da die Möglichkeiten durch Restriktionen beim Datenschutz immer weiter eingeschränkt werden.

mobilbranche.de: Und was war für Dich die schlechteste mobile Anzeige?

Julian Komar: Schlechte Werbung ignoriere ich meistens, d.h. ich klicke sie weg oder übersehe sie einfach. Daher fällt mir hier kein konkretes Beispiel ein. Aber generell Werbung, die eine Nutzung der App oder Website verhindert, finde ich grässlich. Gerade Anbieter sollten darauf achten, solche Formate eher nicht anzubieten.

mobilbranche.de: Hast Du Mobile-Vorbilder? Wenn ja: welche?

Julian Komar: Spezielle Mobile-Vorbilder habe ich nicht. Für mich sind auch nicht nur Apps an sich interessant, sondern eher Denkweisen, Produktgestaltung und Business-Development, welches sich auf Apps übertragen lässt. Ich glaube fest daran, dass eine App zu haben oder zu gestalten nicht das Ziel ist, sondern vor allem einen Service, der Menschen hilft. Eine App ist nur der Zugang dazu.

Ich beobachte immer einen bunten Mix an spannenden Konzepten wie Airbnb, Jeffrey, Rewe, Etsy … aber auch Stripe, TikTok oder sogar die Post mit ihren mobilen Briefmarken, um zu schauen wie man mehr und mehr ein Geschäft um die App herum entwickeln kann. Apps bringen so viele Möglichkeiten mit sich, die nicht nur den Zugang zu einem Service ändern, sondern den Service an sich.

mobilbranche.de: Wie beschreibt Deine Mutter Deinen Job?

Julian Komar: Meine Eltern versuchen immer zu verstehen, was ich tue und fragen mich immer wieder dazu. Allerdings glaube ich nicht, dass sie es im Detail nachvollziehen können. Ich glaube, sie würde sagen, dass mein Team und ich uns überlegen, welche Funktionen die OTTO App braucht. Also liegt sie gar nicht so weit daneben.

mobilbranche.de: Ist Dein Job für Dich Beruf oder Berufung?

Beides. Ich habe noch mehr in meinem Leben und andere Bereiche, die ich als Berufung bezeichnen würde, aber meine Arbeit macht mir wahnsinnig Spaß! Im Produktmanagement zu arbeiten heißt für mich, ganz viele, unterschiedliche Sichten zu vereinen und eine neue Sicht daraus zu erschaffen. Genau diese Abwechslung und immer wieder neu daraus entstehende Herausforderungen zu haben, ist eine große Motivation für mich. In welchem anderen Job kommt man mit so vielen Disziplinen in Kontakt? Ich kenne kaum einen anderen.

mobilbranche.de: Wie stehst Du zu Mobile Payment?

Julian Komar: Ich nutze es täglich. Auch hier gilt meine Maxime: Payment mobil anzubieten ist nicht das Ziel, sondern einen Service zu erschaffen, der einen großen Mehrwert mobil schafft. Nur dann werden Nutzer das akzeptieren und nutzen. Zu viele verwechseln das. Es gibt großartige Paymentlösungen, wo ich real-time Gelder transferieren kann, eine Vereinfachung beim Login habe oder eine erhöhte Sicherheit. Ich glaube über die Jahre werden wir zu annähernd 100% mobil bezahlen. Das heißt nicht immer per App, aber so gut wie kein Bargeld und weniger Karten.

mobilbranche.de: Wann bzw. wo vermisst Du Mobile in Deinem Alltag, sprich: wo siehst Du noch Entwicklungspotenzial?

Julian Komar: Es gibt bei vielen, alltäglichen Aufgaben bis jetzt nur schlechte oder optimierungsfähige Lösungen. Das beginnt bei Parktickets kaufen, über mobiles Banking und Bezahlen oder Einkaufen im Supermarkt. Ich habe z.B. oftmals kein Bargeld dabei und habe keine Lust ein Parkticket per SMS zu kaufen. Oder man steht im Supermarkt, hat kein W-LAN oder Empfang und Kartenzahlung ist erst ab 10 EUR möglich.

Viele, oft auch kleinere Unternehmen erkennen noch nicht die Chancen, neue Mehrwerte für Nutzer*innen zu bieten, die in mobilen Anwendungen liegen. Oftmals denken sie nur daran, einen Service mobil anzubieten, aber nicht, wie man ein optimales Nutzungsszenario schafft und sich darüber auch Wettbewerbsvorteile sichert.

mobilbranche.de: Mobile in 5 Jahren: was ist verschwunden, was hat sich durchgesetzt?

Julian Komar: Wenn man nur in die Zukunft schauen könnte … Ich glaube sehr stark an 3D & AR, um Nutzer*innen zu helfen, bessere Kaufentscheidungen zu treffen; mobiles Bezahlen, damit man schneller, flexibler & sicherer Einkaufen kann und an Chatbots, die einem unabhängig von Zeit und Ort Hilfe geben können. Klingt jetzt nicht revolutionär, aber das sind Technologien, die zunehmend Akzeptanz finden und echte Mehrwerte bieten. Es dauert noch ein Weilchen, bis alle Anwendungsfälle gefunden sind, aber das wird kommen. Auch glaube ich an mehr fragmentierte Touchpoints. Wir werden zunehmend Informationen auf vielen, unterschiedlichen Devices konsumieren und darauf reagieren.

Ich glaube, dass es große Umbrüche im Bereich soziale Medien geben wird. Sie werden nicht verschwinden, aber spezieller werden. Man sieht bereits wie schwierig es Facebook hat zu wachsen und neue Konkurrenz übernimmt spielend leicht einen Großteil des Business. Zudem hoffe ich, dass Datenschutz noch besser wird. Es gibt zu viel Betrug & Fake in Apps und im mobilen Web. Das muss enden!

mobilbranche.de: Vielen Dank für die spannenden Antworten!

Lesen Sie auch die vorherigen Fragebögen unserer Serie “Köpfe der Mobilbranche”.

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