TikTok wächst rasant und bricht Rekorde – mit Folgen nach dem NetzDG.

Nach wie vor kann nicht jeder etwas mit der chinesischen Video-App des Entwicklers ByteDance anfangen. Am ehesten werden Eltern wissen, worum es geht, denn vor allem bei Jugendlichen ist die App ein Hit. Weltweit wurde sie inzwischen 1,5 Milliarden mal installiert. Und auch in Deutschland ist TikTok das am schnellsten wachsende soziale Netzwerk.

In Deutschland soll die App rund 5,5 Millionen aktive Nutzer jeden Monat haben. Dabei sollen es im Januar erst 4,1 Millionen gewesen sein. In nur zwei Jahren wurde die magische Grenze von einer Milliarde Nutzern weltweit erreicht. Da wird Mark Zuckerberg neidisch geguckt haben, denn Facebook brauchte dafür immerhin acht Jahre und WhatsApp sieben. TikTok war 2018 die vierthäufigst heruntergeladene mobile App für iOS und Android. Inzwischen liegt die Zahl der Nutzer bei 1,5 Milliarden. Dabei liegt Indien bei den Nutzern weit vorne (466,8 Millionen), gefolgt von China (173,2 Millionen) und den USA (123,8 Millionen). Von den 175 Millionen Dollar Umsatz entfielen gut 48 Prozent auf China und 36 Prozent auf die USA. TikTok testet jetzt weitere Vermarktungsmöglichkeiten mit Verkaufslinks, die Benutzer in ihre Posts einbinden können.

Funktionen nach Netzwerkdurchsetzungsgesetz geplant

Eigentlich sind soziale Netzwerke mit mehr als zwei Millionen Nutzern nach dem Netzwerkdurchsuchungsgesetz (NetzDG) verpflichtet, besondere Bemühungen gegen Beleidigungen und extremistische Inhalte zu unternehmen. Dazu gehört zum Beispiel eine Meldefunktion für die Nutzer, um solche Inhalte dem Anbieter auch melden zu können. Obwohl TikTok längst die 2-Millionen-User-Marke geknackt hat, fehlt es in der App bis heute daran. Allerdings findet man auf der Homepage ganz unten im Kleingedruckten „Support“ – und dann „NetzDG“ weitergehende Informationen, die am Ende zu dem Formular führen. Schwer vorstellbar, dass die meist jugendlichen Nutzer das Formular dort suchen und auch mit der Abkürzung etwas anfangen können. Bleibt die Frage, warum eine Meldung nicht aus der App heraus möglich ist. Allerdings kann man das TikTok-eigene Meldesystem nutzen, dass dann nach den Community-Richtlinien entscheidet. Immerhin gab es in der Vergangenheit auch mit pädophilen Nutzern Probleme, die über die App gezielt Kinder und Jugendliche angesprochen haben sollen. Darauf reagierte TikTok auch sofort und löschte entsprechende Beiträge. An einer NetzDG-konformen Meldeseite in der App wird wohl zurzeit gearbeitet. Wann diese kommt, steht aber noch nicht fest.

TikTok filtert kritische politische Inhalte

Die hausgemachten Regeln sind offenbar in manchen Bereichen strenger als der Gesetzgeber. Nach einem Test der „Welt am Sonntag“ sollen manche politischen Themen vor deutschen Jugendlichen durch TikTok ferngehalten worden sein. Bei Suchen nach Stichworten wie „falungong“, „tiananmenmassacre“ und „Tiananmensquare“ lieferte die App keine oder nur sehr wenige passende Beiträge. Eine Sprecherin von Bytedance erklärte die wenigen Suchtreffer mit dem Konzept der App. Unterhaltsame Videos seien schließlich das, was die Nutzer überwiegend auf TikTok hochladen würden. Einen Einfluss der Moderatoren gäbe es nicht.

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