Apple Pay: EU-Kommission will angeblich „wettbewerbsfeindliche Praktiken“ untersuchen.

Apple Pay im Einsatz (PR-Bild: Apple)

Muss Apple womöglich bald andere mobile Bezahldienste auf iPhone und Apple Watch ermöglichen, die dem hauseigenen Service Apple Pay Konkurrenz machen? Laut einem Bericht des juristischen Fachdienstes MLex prüfen die Wettbewerbshüter der EU-Kommission derzeit, ein Verfahren gegen Apple wegen „wettbewerbsfeindliche Praktiken“ einzuleiten. Immerhin steht Apple seit Jahren in der Kritik, weil es anderen Payment-Apps nicht den Zugriff auf den NFC-Chip des iPhones gestattet. So ließ sich die Sparkassen-Finanzgruppe anlässlich des Deutschlandstarts von Apple Pay im vergangenen Dezember zu einer bösen Pressemitteilung hinreißen, in der es u.a. hieß:

„Um die Weiterentwicklung mobiler Zahlungslösungen hierzulande nicht zu bremsen, sollte Apple den Industriestandard NFC an seinen Endgeräten zu angemessenen Konditionen nicht nur für die eigene Lösung, sondern auch für Dritte öffnen. Denn auch die NFC-Technologie der Kartenzahlungsinfrastruktur im Einzelhandel steht allen Anbietern zur Verfügung. Letztendlich sollten Smartphone-Zahlungen auf allen Endgeräten möglich sein, ohne technische Hürden und Restriktionen, damit Kunden problemlos die für sie passende Lösung auswählen können.“

iPhone ein eigenes Ökosystem?

Doch mittlerweile hat die Sparkasse den drängenden Kundenwünschen nachgegeben und angekündigt, noch in diesem Jahr Apple Pay unterstützen zu wollen. Auch EU-Kommissarin Margrethe Vestager hatte vergangenes Jahr noch gesagt, sie sehe bisher keine marktbeherrschende Stellung von Apple Pay im Mobile Payment und verwies auf Mobile-Payment-Lösungen von Google und Samsung. Die können aber nicht auf dem iPhone genutzt werden – und die Gretchenfrage für die EU-Kommission dürfte nun sein, ob sie den Markt für Mobile Payment weiterhin als Gesamtmarkt betrachten will oder aber sich genauer anschaut, was bei iOS möglich ist und was bei Android. Während auf Android-Handys alternative NFC-Zahlungsverfahren neben Google Pay zugelassen sind, können alternative Paymentverfahren auf dem iPhone nur dann funktionieren, wenn sie nicht auf NFC setzen, sondern z.B. auf QR-Codes. So hat es Payback Pay beispielsweise hinbekommen, zweieinhalb Jahre vor dem Deutschlandstart von Apple Pay sein mobiles Zahlungsverfahren auf dem iPhone zu etablieren. In der Schweiz wiederum konnte der Anbieter Twint einen Teilsieg gegen Apple erringen: Das QR-Code-Verfahren von Twint darf nicht durch die NFC-Funktion von Apple Pay gestört werden, ordnete die Schweizer Wettbewerbskommission vergangenen Dezember an.

Unklar ist zudem aktuell, ob es bei den Vorermittlungen der EU-Kommission überhaupt über NFC-Payment am POS geht. Denn laut dem Bericht von MLex hat die EU-Kommission zuletzt verschiedene Player dazu befragt, wie sie die Rolle von Apple Pay bei In-App-Payments einschätzen.

ING nun bei Apple Pay dabei

Unterdessen hat Apple eine weitere wichtige Partnerbank für Apple Pay in Deutschland gewonnen: Seit dieser Woche können auch Kunden der Direktbank ING das mobile Bezahlverfahren nutzen. Wenige Wochen vorher hatte die ING bereits für seine Kunden die Unterstützung von Google Pay eingeführt.

Lesetipp

Die EHI-Studie „Kartengestützte Zahlungssysteme im Einzelhandel 2019“ hat herausgefunden, dass die Deutschen das erste Mal in der Geschichte mehr Umsätze am Point of Sale mit kartengestützten Verfahren erzeugen als mit Bargeld. Dabei ist die Diversität der kartengestützten Methoden sehr hoch, u.a. kommen Girocard, SEPA-­Lastschrift und Kreditkarte zum Einsatz. Zugleich werden immer mehr dieser Karten in digitaler Form direkt vom Smartphone als Grundlage für Mobile Payment genutzt. Im Beitrag Ba-Bing! Mobile Payment auf dem Vormarsch schildern wir den aktuellen Stand beim mobilen Bezahlen in Deutschland.

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