So wird eine App ein langfristiger Erfolg.

Von Felix van de Sand (COBE)

Laut einer aktuellen Studie von Adjust verlieren Apps in der ersten Woche nach der Installation fast 80 Prozent ihrer Nutzer. Ein Grund dafür könnte das mangelnde Bewusstsein für die Relevanz der User Experience bei der Konzeption einer App sein. Bei der schieren Flut an Anwendungen im App-Store wird User Experience Design immer wichtiger, denn nur gute, durchdacht designte Apps können langfristig begeistern. 

Die ersten Sekunden sind entscheidend, um den Nutzer von einer Anwendung zu überzeugen. Oft jedoch scheitert es bereits an den einfachen Dingen, wie etwa einem aufwändigen Anmeldeprozess oder unerwünschter Informationsflut. Zudem muss für den User sofort erkennbar sein, worin der Mehrwert der Anwendung liegt. Auch wie sie sich anfühlt, sollte nicht unterschätzt werden. Entspricht die App nicht den Erwartungen, wird sie von Usern schnell wieder gelöscht. Vor allem die Digital Natives haben da sehr konkrete Vorstellungen. Auch wenn die Anwendung irgendwie praktisch ist: Erfolgreich sind digitale Produkte nur dann, wenn sie es schaffen, den Nutzer emotional zu berühren und im nächsten Schritt eine langlebige Beziehung mit ihm aufzubauen.

Hedonische Qualität ist entscheidend

Ein durchdachtes Design kann die Unternehmensidentität widerspiegeln und sich somit von den Wettbewerbern abheben. Deshalb gilt es, den Fokus bei der Entwicklung einer App auf eine gelungene User Experience zu legen, die auf der pragmatischen sowie hedonischen Qualität basiert. Die reibungslose Funktionsweise einer digitalen Anwendung gehört bereits zum guten Ton. Aber entscheidend für den nachhaltigen Erfolg einer App ist die hedonische Qualität. Sie bietet dem Nutzer ein emotionales Erlebnis innerhalb der Anwendung. Im Idealfall werden dabei die Markenwerte in die App „reingebacken“, sodass sie sich nach der Marke anfühlt und gleichzeitig mit den Wertvorstellungen des Users übereinstimmt. Im Marketing werden Erkenntnisse aus der Neurowissenschaft bereits genutzt, zahlreiche Kampagnen und deren Kommunikation richten sich nach den Motiven und Zielen der Nutzer. Dieses Wissen macht sich auch UX Design zu Nutze, das einen entscheidenden Teil der Customer Experience darstellt. Denn damit sich die Produkte und Services für den Nutzer „natürlich“ anfühlen, müssen sie zu dem vorhandenen Mentalen Konzept passen. Jedes Produkt ruft bestimmte Bilder im User hervor, die übermittelten Werte werden mit den eigenen Werten, die in den ersten Lebensjahren geprägt werden, unterbewusst abgeglichen. Dieses Konzept bildet die Grundlage für die Entscheidung, welche Designelemente das Produkt am besten repräsentieren und die Marke erlebbar machen. Die Botschaft des Unternehmens lässt sich durch Elemente wie Schriftart und Farbgestaltung, die verwendeten Formen, aber auch Text-Tonalität, Bewegtbilder und Sound übertragen und löst idealerweise beim User die Verknüpfungen aus, die kongruent zu den Werten der Marke sind. Die App erfüllt also nicht nur einen funktionalen Zweck, sondern erzählt darüber hinaus auch die Story der Marke.

Growth Hacking für mehr App-Downloads

Erfüllt die App alle Anforderungen, muss sie im nächsten Schritt an den Mann bzw. die Frau gebracht werden. Das ist durch gutes Marketing möglich, etwa mit der Growth Hacking Methode oder zielgerichtetem App Store Marketing. Ist die App dann erst einmal auf dem Smartphone, zählt nun die gute User Experience, mit der die Aufmerksamkeit des Nutzers für einen längeren Zeitraum gehalten wird.

Ist die App zudem so konzipiert, dass sie sich organisch vergrößern kann, zahlt das auch auf einen langfristigen Erfolg ein. Ein Mittel dazu ist beispielsweise die Spielmechanik, bei der Freunde zum Mitspielen eingeladen werden können. So vergrößert sich die Nutzerschaft fast wie von allein.

Konzeption, Marketing, Wachstumsmechanismen – Am Ende besteht der Erfolg einer App aus vielen Einzeldisziplinen. Dazu ist eine intensive Recherche im Vorfeld unerlässlich. Die Zielgruppe und die Marke müssen genauestens unter die Lupe genommen werden, um auf allen Ebenen die Basis für eine langlebige App zu schaffen.

Felix van de Sand

Über den Autor:

Felix van de Sand ist Managing Director und Co-Gründer von COBE. Mit der User Experience Identity Methode hat die Digitalagentur einen eigenen Designansatz entwickelt, der aktuell in Zusammenarbeit mit der Technischen Hochschule Ingolstadt validiert wird. Auf dieser Basis entstanden bereits erfolgreiche digitale Produkte für Vodafone, Wirecard und MunichRe.

 

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