air-Q: Smarte Luftanalyse „Made in Saxony“.

Der air-Q hat ein ansprechendes Design und kann die Luft z.B. im Wohnzimmer analysieren (Bild: air-Q)

Smart Living gewinnt in Deutschland gegenwärtig enorm an Bedeutung. Immer mehr Unternehmen investieren in den Trend, der durch die Digitalisierung und Vernetzung der Wohnumgebung Komfort und Sicherheit verspricht. So auch das Chemnitzer Technologie-Startup Corant GmbH, dessen Luftanalysator air-Q am 19. Juni seinen Verkaufsstart auf Kickstarter hat. Das Gerät macht es möglich, die Luftqualität in Innenräumen zu analysieren und einzusehen – mit einem Blick auf das Smartphone. Wir haben mit den Entwicklern des air-Qs über die Potenziale des Geräts gesprochen.

Im Westen Leipzigs hat sich in den letzten Jahren eine lebendige Startup-Szene etabliert. Auch die Corant GmbH mit Hauptsitz in Chemnitz hat hier einen Standort. Im Business und Innovation Center (BIC) in Plagwitz findet man das Technologie-Startup in der ersten Etage. In den kleinen Büroräumen riecht es nach Kaffee und frisch gelöteten Maschinenteilen. „Ich arbeite gerade noch in Handarbeit an der Herstellung einiger air-Qs“, erklärt Daniel Lehmann, 38 Jahre alt, in Jeans und blauem T-Shirt. Der promovierte Physiker ist der technische Entwickler des Luftqualitätsanalysators, auf seinem Arbeitsplatz liegen Heißklebepistole, Lötkolben und winzige Maschinenteile. Neben ihm sitzt sein gleichaltriger Kollege Mario Körösi, der als Diplom-Volkswirt und Diplom-Kaufmann zuständig für die Finanzierung der air-Qs ist. Beide Männer sind Mitgründer der Corant GmbH, die 2015 als Ausgründung des Instituts für Physik der Technischen Universität Chemnitz ins Leben gerufen wurde. Zusammen mit dem Softwareexperten Alexander Stinka haben sie den air-Q erfunden und eine passende Smartphone-App entwickelt.

Daniel Lehmann an seinem Arbeitsplatz. Noch lötet er die Maschinenteile des air-Q selbst zusammen. (Bild: Julia Horn)

Die Idee für den Luftqualitätsanalysator stammt von Daniel Lehmann. „Alles begann mit einer privaten Feier, die ich im Herbst 2017 bei mir Zuhause gab“, erzählt der Physiker. Die Fenster blieben während der Party wegen der niedrigen Außentemperaturen geschlossen. Dass „dicke Luft“ herrschte, merkte Lehmann erst, als es zu spät war: „Durch den hohen Kohlendioxid-Gehalt hatte ich bereits einen Brummschädel.“ Am darauffolgenden Tag recherchierte er, ob es ein Gerät gibt, das schlechte Luft frühzeitig anzeigt. Dabei blieb er allerdings erfolglos und sagte sich: „Dann baue ich das eben selbst.“ Heute, eineinhalb Jahre später, blickt er mit Stolz auf den air-Q, der im Büro der Gründer steht. Den anfänglichen Kabelsalat hat er stark reduziert, ein schlichtes Gehäuse versteckt das Innenleben des Geräts. „Unser Anspruch an das Design des air-Q war es, dass man sich das Gerät auch ohne Funktion ins Wohnzimmer stellen würde“, sagt Lehmann. Klein, weiß und rund, erinnert der Luftanalysator an einen Rauchmelder – und das ist er auch. Allerdings stecken in dem Gerät noch viele weitere Funktionen. Es misst den Schalldruck, die Luftfeuchtigkeit, die Raumtemperatur und den Luftdruck in Innenräumen. Außerdem erfasst er die Bestandteile der Luft, „dem Hauptlebensmittel aller Menschen“, wie die Gründer betonen. So können Sauerstoff, Kohlendioxid, Kohlenmonoxid, flüchtige organische Verbindungen, Feinstaub, Stickoxide, Schwefeloxide, Ozon sowie Pollen- und Sporenbelastungen mittels einer Vielzahl an Sensoren gemessen werden.

Blick in die App von air-Q (Bild: air-Q)

„Einige dieser zum Teil gefährlichen Gase können wir als Menschen weder sehen, schmecken oder riechen“, erläutert Körösi. Umso wichtiger schätzt er die Funktion des air-Qs ein, der die in Echtzeit erfassten Daten an eine eigens entwickelte App sowie den Computer überträgt. Ein Gesundheits- und Leistungsindex fasst die komplexen Informationen dort zusammen, außerdem werden der Situation entsprechende Tipps zur Verbesserung der Luftqualität gegeben. Interessierte Nutzer können sich über die App außerdem grafische Verläufe der Daten über Jahre hinweg ansehen. „Durch die extrem hohe Menge an Informationen war die Gestaltung der App und des Web-Interfaces keine einfache Aufgabe“, erzählt Lehmann. Schließlich solle der durchschnittliche User nicht überfordert werden, dem ambitionierten User aber gleichzeitig die Möglichkeit geboten werden, tiefer in die Materie einzusteigen.Gesundheitsbewusste Privatpersonen zählt der Physiker zu den Hauptzielgruppen des air-Qs. „Das sind Leute, die auf einer Lebensmittelverpackung schauen, was drin ist und die sich für ihre Wasserqualität interessieren. Die Luft ist die konsequente Fortsetzung des Ganzen“, so Lehmann. Er merkt aber auch an, dass ganze Unternehmen von dem Gerät profitieren könnten. Denn eine schlechte Luftqualität kann die geistige und körperliche Leistungsfähigkeit stark beeinflussen.„Das kann so weit gehen, dass nicht nur die Gesundheit einzelner Menschen leidet, sondern durch die sinkende Produktivität und Konzentrationsfähigkeit der Belegschaft auch Firmen Nachteile im Wettbewerb haben“, sagt sein Kollege Mario Körösi.

Dies soll der air-Q als intelligentes Smart Home Device verhindern. Ziel der Erfinder ist es, das Gerät so weiterzuentwickeln, dass es bestimmte Situationen erkennt und darauf reagiert. Maschinelles Lernen und künstliche Intelligenz spielen dabei eine wichtige Rolle. Schon jetzt interagiert der air-Q mit den Sprachassistenten von Amazon, Google und Apple. Er bedient damit zwei wesentliche Motive des Trends Smart Living: Komfort und Sicherheit. „In diesem Bereich bieten sich uns noch sehr viele Möglichkeiten“, sagt Körösi. Er könne sich beispielsweise vorstellen, dass bei der Messung eines zu hohen CO2-Wertes durch den air-Q eine automatische Fensteröffnung aktiviert wird. Ebenfalls denkbar sei eine Vernetzung mit Lüftungsanlagen und Luftfiltern bei zu viel Feinstaub in Innenräumen oder eine Steuerung von Thermostaten. „Der Markt für solche Dinge ist momentan gerade mitten in seiner Entstehung“, sagt der 38-Jährige. Allerdings sei die Entwicklung teuer. Geld soll deswegen zuerst einmal in andere Dinge fließen: die Produktion von Werkzeugen und Gehäusen, so dass die Bestückung des air-Qs automatisiert werden kann. Denn noch lötet Lehmann die winzigen Bauteile selber zusammen.

Die Erfinder des air-Q, Mario Körösi, Daniel Lehmann und Alexander Stinka. Mit dabei auch Maria Hess, zuständig für PR und Marketing. (Bild: Julia Horn)

Gefördert wird die Corant GmbH von der Sächsischen Aufbaubank (SAB). Dort erhalten die Gründer durch das Förderprojekt InnoTeam Geld für die Weiterentwicklung einer kombinierten Gesundheits- und Sicherheitslösung. Zusammen mit der TU Chemnitz und der Firma 3dvisionlabs GmbH arbeiten sie an kleinen und günstigen Teilsensoren. Außerdem erhalten die air-Q-Erfinder von der SAB Fördermittel zur Markteinführung des Geräts. „Marketing, Webseite und Prototypenproduktion werden mit 75% bezuschusst“, erklärt Körösi. Stolz erzählt er, dass das Gründerteam im März 2019 nach einem dreiviertel Jahr Verhandlungen auch den Technologiegründerfonds Sachsen (TGFS) für sich gewinnen konnte. Dieser übernahm Anteile des Unternehmens. Wie hoch diese sind, kann Körösi wegen einer entsprechenden Absprache mit dem TGFS nicht sagen. Er betont jedoch, dass der Vertrauensvorschuss in die Corant GmbH sehr groß ist: „Es wird an uns geglaubt.“

Die hohen Erwartungen an sie und ihr Produkt möchten Körösi, Lehmann und Stinka nicht enttäuschen. Über 3.000 air-Qs wurden über ihre Homepage bereits vorgemerkt. Der Verkauf selbst startet am Mittwoch, 19. Juni, mit einer Crowdfunding-Kampagne auf der Finanzierungsplattform Kickstarter. Das stellt das air-Q-Team vor einige Herausforderungen:„Das Hauptproblem ist die Vorkassenzahlung, die bei Kickstarter nur über eine Kreditkarte möglich ist, die nicht alle potentiellen Käufer besitzen werden“, erklärt Körösi. Außerdem müssten Kunden eine lange Lieferzeit für die Geräte einplanen, da diese mit dem eingenommenen Geld erst produziert werden müssen. Von den Kunden werde somit ein Vertrauensvorschuss erwartet. Diesen möchte bei einem Preis von rund 400 Euro pro Gerät nicht jeder Interessierte leisten. „Es ist klar, dass wir durch die Crowdfundig-Kampagne einige Leute verlieren werden“, sagt Körösi. Um dem entgegen zu wirken, setzt er auf persönliche Gespräche mit Interessierten und betont, dass jeder herzlich eingeladen sei, das Team zu besuchen oder anzurufen. „Ein paar hundert Käufer müssen zusammenkommen“, so der Gründer. „Das ist unser großes Ziel, damit eine serienmäßige Produktion der air-Qs anlaufen kann.“ Bis dahin wird es im Büro der Gründer wohl weiterhin nach frisch gelöteten Maschinenteilen riechen.

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