I/O 2019 – Google will wieder weniger böse sein.

Die Keynotes der I/O 2019 sind gehalten.

Die Spekulationen und Prognosen haben ein Ende. Gestern hat Google auf seiner I/O verraten, was es an Neuerungen in der nächsten Zeit geben wird. Es wurden viele Ausrufezeichen gesetzt, aber die Produktpräsentationen hinterlassen auch das eine oder andere Fragezeichen.

Es würde an dieser Stelle etwas weit führen, alle Neuigkeiten aufzuzählen, die Google gestern der Öffentlichkeit verkündet hat. Das haben die Kollegen von Techcrunch auch in gewohnt ausführlicher Art und Weise besorgt. In der schieren Masse an Verbesserungen und neuen Ansätzen sind aus unserer Sicht einige aber besonders erwähnenswert.

Neuer Versuch beim Thema Smart Home.

Der Google Home schlüpft nun unter das Markendach „Nest“. Und wie erwartet gibt es einen „Nest Hub Max“, den die geneigte Kundschaft für 230 Dollar erwerben soll. Im Kern handelt es sich bei dem Device um den bekannten Hub für das Smart Home, erweitert um ein Display, Lautsprecher und eine Überwachungskamera. Damit versucht Google einmal mehr, seine Geräte und Plattform im smarten Zuhause zu platzieren, um dem großen Gegner Amazon Paroli zu bieten. Kein Zweifel, der Nest Hub Max hat einen smarten Preis, allerdings ist das Ökosystem von Amazon vielfach größer (und wahrscheinlich für den Konsumenten auch attraktiver). Mehr Reichweite könnte Google dann erzielen, wenn es mehr unabhängige Geräte mit dem Google Assistenten gäbe. Nur genau hier könnte der Preis der Strategie im Wege stehen, denn für Lizenznehmer und OEMs gibt es so kaum etwas zu verdienen.

Pixel 3a – erschwingliches und pures Android.

Apropos Preis. Ebenfalls erwartet wurden ja die neuen Pixel Modelle. Das preiswerte Pixel 3a wurde mit 399 Dollar aufgerufen, die XL-Variante für unter 480 Dollar. Damit räumt Google ein, dass der Premiumversuch Pixel 3 ein Misserfolg war. Das Gerät wurde irgendwie gegenüber Apple positioniert, ohne auch nur im Ansatz in dessen Nähe zu kommen. Mit Ausnahme der Kamerasoftware, die seinerzeit viele Rezensenten überzeugen konnte. Mit dem 3a liefert Google jetzt ein Ausrufezeichen, gerade auch gegenüber der Konkurrenz aus China. Denn wer sich das Pixel kauft, bekommt Android pur, inklusive zeitnaher (!) Patches und Updates und ohne die Bloat- und Crapware, die sich die Käufer anderer Androiden so einkaufen.

Google will Apple bei Privacy nicht das Feld überlassen.

Mit einem Thema, das sich durch die Präsentationen des Abends zog, reagiert Google ebenfalls auf Apple. Und das durchaus in bemerkenswerter Weise. Apple bemüht sich nach Kräften, seinen Respekt vor Privatsphäre und Datenschutz zu betonen. Und die Botschaft scheint bei Google angekommen zu sein und in den Synapsen wieder das frühere Motto „Don’t be evil“ zu reaktivieren. Ein Beispiel dafür ist der Inkognito-Modus für Google Maps, analog der Funktion im Browser.

Offenbar möchte Google an dieser Stelle Apple nicht die Initiative überlassen. Besonders bemerkenswert ist in diesem Zusammenhang die Verlagerung der Sprachsteuerung zurück auf das Smartphone des Nutzers. Die Cloud soll nur noch selten benötigt werden, um die Eingaben des Nutzers zu verarbeiten. Damit verringert sich die Zahl der Informationen, die übertragen werden müssen. KI hat die Programme geschrumpft, um es lapidar zu formulieren. Mit unter 500 Megabyte passt die Core-Engine für die Spracherkennung wieder auf das Smartphone des Nutzers und gibt ihm ein Stück Autonomie zurück.

Und die ganzen tollen KI-Sachen? Wie jedes Jahr wusste Google mit Neuerungen seiner Assistenten Aufsehen zu erregen. Inklusive neuer Übersetzungsfunktionen oder der Option, auch den Inhalt von Podcasts bei der Suche zu berücksichtigen. Das ist aber generell eher ein hartes Brot. Wenn auf der Folie zu neuen Übersetzungsfunktionen „Deutsche“ statt „Deutsch“ zu lesen ist, dann kann sich das um einen schlichten Tippfehler eines Mitarbeiters handeln. Es ist aber auch ein bisschen symptomatisch für die Dinge, die die KI von Google so abliefern soll. Es werden viele Dinge entwickelt, die dann auch für reichlich Publicity sorgen. Aber ausgerollt werden die dann zunächst in den USA und dann auf die englische Sprache beschränkt. Die Herausforderung für Services wie Google Duplex oder die automatischen Untertitel für Videos liegen in der Lokalisierung. Da ist Amazons Alexa aber auch noch nicht viel weiter, wie jeder Nutzer eines Fire TV beim Aktivieren von Untertiteln selbst herausfinden kann.

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