Köpfe der Mobilbranche: Naomi Owusu von Tickaroo.

Sie ist „die, die den Überblick hat“: Naomi Owusu, CEO und Co-Founder von Tickaroo. Zu den Kunden des führenden Live-Content-Spezialisten Tickaroo zählen neben Medienhäuser wie kicker, Süddeutsche Zeitung und Spiegel Online auch Verbände wie der Deutsche Tennisbund und Sportvermarkter wie Lagardère Sports. Vor der Gründung des Regensburger Unternehmens arbeitete Naomi als Beraterin. Ihr Schwerpunkt lag auf Produktstrategien digitaler Medien. Insbesondere die Planung und Konzeption mobiler Applikationen gehörten zu ihren Arbeitsbereichen. Die Idee zu Tickaroo kam ihr bei der Umsetzung einer Sport-App, als sie feststellte, dass es an guten Tools zur Live-Berichterstattung mangelt. In unserem Fragebogen verrät sie, was „fast zu einer emotionalen Abhängigkeit“ führt und wann sie sich „weniger ist mehr“ wünschen würde.

mobilbranche.de: Was war Dein erstes Handy?

Naomi Owusu: Alcatel One Touch Easy in rot. Das hat sich angefühlt wie wenn ich mir ein Motorrad gekauft hätte. Grenzenlose Freiheit.

mobilbranche.de: Was ist aus Deiner Sicht besser: Android oder iOS und warum?

Naomi Owusu: Hier gibt es aus meiner Sicht kein „besser“. Ich war früher überzeugter iOS-User, mittlerweile nutze ich Android. Einerseits hat Android den besseren Service was meine Alltagssituationen angeht, andererseits gefällt mir nicht, dass man dem Tracking nur schwer entkommt. Ich greife deswegen mittlerweile auf alternative Suchdienste zu. An Apple hat mich irgendwann gestört, dass iCloud sich zu sehr in mein Leben eingemischt hat (Fotos, Messages, Facetime, etc.). Da nutze ich gerne unterschiedliche Dienste. iCloud führt ja schon fast zu einer emotionalen Abhängigkeit, Android hingegen finde ich funktional und pragmatisch.

mobilbranche.de: Welche drei Apps willst Du auf Deinem Homescreen nicht mehr vermissen?

Naomi Owusu: Google Maps, Mail, Slack.

mobilbranche.de: Stichwort Mobile Advertising: Was war für Dich die beste Werbung ever?

Naomi Owusu: Ich muss zugeben, dass mein Gehirn Werbung automatisch rausfiltert. Ich kann mich an keine einzige Werbung mobil erinnern. Was zwar nicht direkt Werbung ist, aber prima als solche funktioniert: Die Rewe App mit Abholservice, Rezepten und Online-Einkauf-Funktion. Werbung mit Funktion verknüpft. Hat es auf jeden Fall geschafft, mich öfter in den Rewe-Markt zu bringen.

mobilbranche.de: Und was war für Dich die schlechteste mobile Anzeige?

Naomi Owusu: Alle Banner, Interstitials und Stickies dieser Welt. Ich reagiere eher auf native Anzeigen.

mobilbranche.de: Hast Du Mobile-Vorbilder? Wenn ja: welche?

Naomi Owusu: Überall dort, wo man Funktion, Brand und Kundenmehrwert sinnvoll verknüpft und das Leben der User einfacher macht: Google Maps, Slack, natürlich auch kicker und die Tickaroo Reporter-Apps.

mobilbranche.de: Wie beschreibt Deine Mutter Deinen Job?

Naomi Owusu: Head of the Company, sie meint, ich sei die, die den Überblick hat.

mobilbranche.de: Ist Dein Job für Dich Beruf oder Berufung?

Naomi Owusu: Ganz klar Berufung. Ich wüsste gar nicht, ob ich einen Beruf noch ausüben könnte. Ich habe ja eigentlich mit Personalentwicklung angefangen, wusste aber dann ganz schnell, was mir Spaß macht und was nicht. Als Unternehmerin in der Softwarebranche fühle ich mich wohl. Ich habe einen ungezügelten Appetit nach neuen Ideen und Launches und Brands. An jeder Ecke sehe ich Optimierungspotential und das macht mir sehr viel Spaß. Manchmal macht es mich aber auch sehr müde ;).

mobilbranche.de: Wie stehst Du zu Mobile Payment?

Naomi Owusu: Ich bin immer froh, wenn ich etwas direkt über die App bezahlen kann. Dann habe ich alle relevanten Transaktionsinformationen (Service, Rechnung, etc.) digital an einer Stelle. Bitte viel, viel mehr davon!

mobilbranche.de: Wann bzw. wo vermisst Du Mobile in Deinem Alltag, sprich: wo siehst Du noch Entwicklungspotenzial?

Naomi Owusu: Der gesamte Bereich im öffentlichen Dienst. Ich bin in einem Alter, in dem man viel mit Behörden sowohl geschäftlich als auch privat zu tun hat. Es ist unglaublich, wie viele Zettel in der Arbeit aber auch zuhause wöchentlich ankommen. Manchmal wünsche ich mir einen Scanner als Briefkasten. Das ist irre!

mobilbranche.de: Mobile in 5 Jahren: was ist verschwunden, was hat sich durchgesetzt?

Naomi Owusu: Mobile heißt für mich ortsunabhängig auf digitale Informationen zugreifen. Das wird noch viel mehr werden: es wird mehr mobile Apps im und für Autos geben. Die Devices werden sich wandeln, die Datenquellen und APIs sowie GUIs sich noch stärker an die Geräte anpassen. Das ist für mich nicht nur auf das Smartphone beschränkt. Ich persönlich würde mir in Sachen User Experience „weniger ist mehr“ wünschen. Also dass Informationen nicht ständig präsent sind, sondern genau dann erscheinen, wenn sie gebraucht werden. Dabei wird KI sehr helfen. Ich selbst lege in dieser Flut an Informationen großen Wert auf Prioritäten. Es wird eine Vielzahl von Devices in den nächsten Jahren geben: von unterschiedlichen Displays über Projektion, Brillen, Sound, Linsen, Oberflächen, intelligentes Licht, Wearables, etc. – All diese „Ausgabequellen“ und noch viel mehr sind nach wie vor auf der Suche nach dem „perfekten Anwendungsfall“. Da ist im Übrigen Apple mit dem iPhone wieder ein tolles Beispiel wie Usability, hier eine perfekte Kombi aus Funktion und User Interface Design, Nutzern geholfen hat, mobil Daten einfach abzurufen statt noch mehr Komplexität zu verursachen.

mobibranche.de: Vielen Dank für die spannenden Antworten!

Lesen Sie auch die vorherigen Fragebögen unserer Serie “Köpfe der Mobilbranche”.

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