Von „CleverShuttle“ bis „Too Good To go“: Grüne Apps für alle Lebenslagen.

Das eigene Auto auch mal stehen lassen, bewusst einkaufen und faire Mode tragen – Nachhaltigkeit spielt in unserer Gesellschaft eine zunehmende Rolle in allen Lebensbereichen. Seit geraumer Zeit ist das Thema auch in der Startup-Szene angekommen. Immer mehr Neugründungen mit dem Fokus auf Umweltbewusstsein sprießen aus dem Boden und zahlreiche grüne Apps kommen auf den Markt. Wir stellen vier innovative Ideen vor, von denen Umwelt, Anbieter und Nutzer gleichermaßen profitieren.

Bewusst konsumieren mit „Too Good To go“

Essen retten, Geld sparen und damit die Welt ein Stück weit verbessern, das ist das Konzept von „Too Good To go“. Gegründet wurde die App zur Lebensmittelrettung 2015 von einer Freundesgruppe aus Dänemark, die es sich zum Ziel gemacht hat, das heutige Konsumverhalten neu zu erfinden. Grund dazu besteht, denn die Zahlen sind alarmierend: Allein in Deutschland werden jährlich 18 Millionen Tonnen Lebensmittel weggeworfen, mehr als die Hälfte davon sind vermeidbare Abfälle. An diesem Punkt setzt „Too Good To go“ an und holt Akteure aus der Gastronomie und Verbraucher an einen Tisch. „Nur wenn wir zusammenarbeiten, schaffen wir es die Lebensmittelverschwendung effektiv zu bekämpfen“, sagt Franziska Lienert vom „Too Good To Go“-Team gegenüber mobilbranche.de. Die Idee dahinter ist ganz einfach: Hotels, Supermärkte, Cafés und Restaurants verkaufen übrig gebliebene Speisen für kleines Geld an die Nutzer der App. Inzwischen ist diese in 400 deutschen Städten und zehn Ländern verfügbar. Über 20.000 Partnerbetriebe machen mit, von der Bäckerei bis zum Sushi-Laden ist alles dabei. Für durchschnittlich drei Euro pro Mahlzeit verkaufen sie, was am jeweiligen Tag übrig bleibt. Das schont nicht nur den Geldbeutel von gut einer Million Nutzern, sondern hilft auch den Betrieben. Diese verschwenden weniger Lebensmittel, steigern ihren Umsatz und haben die Chance, durch die App neue Kunden zu gewinnen. Eine Win-Win-Situation für beide Seiten mit erfolgreicher Bilanz: Über 13.000 Tonnen Lebensmittel konnten seit der Gründung von „Too Good To go“ in den zehn partizipierenden Ländern insgesamt gerettet werden. Bekanntheit hatte das Startup auch durch die Teilnahme an der VOX-Fernsehsendung „Die Höhle der Löwen“ erlangt. Einen Deal mit den Investoren aus der Show schlugen die Gründer im Jahr 2017 jedoch überraschend aus. Die App hatte sich auf dem deutschen Markt so stark weiterentwickelt, dass es für die Beteiligung der „Löwen“ seitens des Startups kein Bedarf mehr gegeben hatte, wie „Gründerszene“ berichtete. Hinter „Too Good To go“ stehen nun andere Investoren. Zuletzt flossen sechs Millionen Euro von privaten Geldgebern in das Startup. Zu Ihnen gehört unter anderem der US-Amerikaner Mike Lee, Mitgründer der Sport-App „MyFitnessPal“, wie es auf dem US-Blog „The Spoon“ heißt.

Umweltbewusst von A nach B: Dank „CleverShuttle“ auch mit dem Auto

Auto fahren und damit etwas für die Umwelt tun? Das geht, wenn man die App „CleverShuttle“ nutzt. Sie ist „Deutschlands grünster Fahrdienst“, wie Fabio Adlassnigg aus dem Team des Berliner Startups gegenüber mobilbranche.de sagt. Vor fünf Jahren von drei Freunden gegründet, zählt die Firma inzwischen ganze 105 Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen. 2018 hat die Deutsche Bahn die Mehrheit von „CleverShuttle“ übernommen, die Gründer des Startups sind allerdings immer noch an Bord. Über eine Million Fahrgäste können sie seit 2014 zählen, die Nutzerzahlen des RidePooling-Fahrservices wachsen stetig. RidePooling bedeutet, dass „CleverShuttle“ automatisch Fahrgemeinschaften zwischen Nutzern bildet, die ein ähnliches Ziel haben. Getreu dem Motto „Gemeinsam besser ankommen“, wird nicht nur der Weg geteilt, sondern auch die Fahrtkosten. Diese sind so bis zu 50 Prozent geringer als bei einer normalen Taxi-Fahrt. Und auch die Umwelt profitiert: Durch die Bündelung der Fahrgäste wird der Verkehr reduziert und die Luft in den Städten verbessert. Dabei nutzt „CleverShuttle“ ausschließlich mit Ökostrom betriebene Elektro- und Wasserstofffahrzeuge. So sind die Fahrten emissionsfrei und leise. Über 1.000 Tonnen des umweltschädlichen CO2 wurden auf diese Weise in einem Zeitraum von fünf Jahren bereits eingespart, wie ein sich ständig aktualisierender Zählerstand auf der Homepage des Startups zeigt. Die Nutzung ist dabei recht einfach: Die Fahrgäste buchen eine Fahrt über die App, werden von professionellen Fahrern abgeholt und bezahlen entweder in bar, per Kreditkarte, PayPal oder App-Guthaben. Angeboten wird der Service in Deutschlands Großstädten, darunter Berlin, Hamburg, Leipzig und München.

Guter Style, gute Tat: „faer“ machts möglich

Nachhaltige Mode auf einfache und transparente Weise per App einkaufen, das ist die Mission hinter „faer“. Gegründet wurde das Startup im Jahr 2017 von zwei ehemaligen Mitarbeitern des Berliner Inkubators „Rocket Internet“. Petar Djekic, CEO und Co-Founder des Unternehmens, erklärt gegenüber mobilbranche.de: „Unser Ziel ist es, nachhaltige Mode auf einfache Art und Weise entdeck- und kaufbar zu machen.“ Über 10.000 Produkte stehen in der App dafür zur Verfügung, beispielsweise von den Marken „Veja“ und „Birdsong“.  Das Angebot wird nach bestimmten Kriterien, wie „vegan“ oder „fairtrade“ gelistet, so dass App-User die Kollektionen gezielt nach ihren Ansprüchen durchsuchen können. Dabei besonders praktisch: Der Einsatz von künstlicher Intelligenz ermöglicht die automatische Personalisierung der App. Ob Sneaker, Vintage-Blusen oder Taschen, die Suchresultate werden nach und nach an die Vorlieben des jeweiligen Nutzers angepasst. Außerdem ist die App mit einigen spannenden Zusatzfunktionen ausgestattet. So ist es möglich, Screenshots von Outfits auf Instagram und Co. zu machen und damit nach ähnlichen Produkten im „faer“-Angebot zu suchen – mit der Garantie, dass die dort angebotene Kleidung nachhaltig ist und ethisch korrekt hergestellt wurde. Per Stadtkarte können User außerdem herausfinden, welche Shops in der Nähe ihres aktuellen Standorts nachhaltige Marken verkaufen. Bisher stehen noch keine Investoren hinter der App. „Wir finanzieren faer vollständig selber“, sagt Djekic gegenüber mobilbranche.de. Auch Nutzerzahlen hat das Berliner Startup bisher noch nicht veröffentlicht. Anzunehmen ist aber, dass die App mit dem Motto „Do good. Look Great“ den Nerv der Zeit trifft.

Nachhaltig um die Welt mit „Wayaj“

Reisen steht auf der Liste der größten Klimasünden ganz weit oben. Flüge sind wegen des hohen CO2-Ausstoßes besonders umweltschädlich, aber auch am Urlaubsort selbst steigern Touristen den Verbrauch von Wasser, Energie und Flächen. Doch wie geht nachhaltiges Reisen? Und welche Unterkünfte bieten sich dafür an? Diese Fragen beantwortet die App „Wayaj“, die 2017 von der New Yorker Agentur „Isokan Collective“ auf den Markt gebracht wurde. Diese versteht sich als Hybrid aus Kreativagentur und Produktionsfirma und kümmert sich um das digitale Marketing von Unternehmen, die ihren Fokus auf Nachhaltigkeit, Transparenz, Gerechtigkeit und Diversität legen möchten. In diesem Sinne wurde auch „Wayaj“ entwickelt. „Es ist die erste Reise-App, die dafür gemacht wurde, nachhaltige und sozialverträgliche Unterkünfte überall auf der Welt zu entdecken und zu buchen“, erklärt Maria Elena Velardi, Chief Marketing Officer des Unternehmens, gegenüber mobilbranche.de. Um zu prüfen, wie nachhaltig Hotels sind, hat das „Wayaj“-Team einen eigenen „Eco-Score“ entwickelt. Dieser setzt sich aus mehreren Kategorien zusammen: Neben Energie- und Wasserverbrauch gehen beispielsweise auch das Müll-Management und das Einkaufsverhalten der Hotels in den Score ein. Den Nutzern der App wird zu jeder Unterkunft angezeigt, wie diese in den einzelnen Bereichen abschneidet. Überzeugt das Angebot, dann kann direkt über die App gebucht werden. Damit vereint „Wayaj“ zwei aktuelle Trends in der Reisebranche: Eine einfache und nutzerfreundliche Reiseabwicklung über das Smartphone und den Fokus auf nachhaltigen Tourismus. Über 300 Hotels und Resorts in 90 verschiedenen Ländern sind bisher über die App buchbar, monatlich kommen neue Reiseziele hinzu. Außerdem arbeitet das „Wayaj“-Team derzeit an einem C02-Fußabdruck-Rechner, wie Velardi verrät. „Wayaj“ ist übrigens der haitianischen Sprache Kreolisch entnommen und heißt auf Deutsch „Reise“.

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