Köpfe der Mobilbranche: János Moldvay von Adtriba.

„Ich mag da komplett falsch liegen, aber glaube nicht, dass sich Voice in den nächsten fünf Jahren durchsetzen wird“, sagt János Moldvay, Co-Gründer und CEO von Adtriba. Der SaaS-Anbieter für dynamisches Attribution Modeling und umfassende Customer-Journey-Analysen hilft Marketing-Managern dabei, die verschiedenen Aktionen und Kanäle genauer zu bewerten und zu optimieren. Nach einem Wirtschaftsinformatik-Studium startete Moldvay 2003 seine Karriere im Bereich Data Warehouse, CRM und Data Mining beim Versandhändler OTTO. 2007 wechselte er zum sozialen Netzwerk XING. 2015 gründete er dann gemeinsam mit Ludwig Ostrowski (CTO) Adtriba. In unserem Fragebogen verrät János, warum er Instagram und Facebook von seinem Smartphone „verbannt“ hat und was sein Supermarkt um die Ecke ihm über Mobile anzeigen könnte, damit er „nicht erst dahin laufen müsste“.

mobilbranche.de: Was war Dein erstes Handy?

Nokia 2110 (Bild: Mustaraamattu/Wikipedia)

János Moldvay: Nokia 2110, 1997.

mobilbranche.de: Was ist aus Deiner Sicht besser: Android oder iOS und warum?

János Moldvay: Was besser ist, kann ich objektiv nicht wirklich einschätzen, dazu nutze ich iOS zu wenig (gar nicht). Da ich aber auf den ganzen G-Suite-Stack stehe, Google Photos nutze und die Integration dieser Services auf einem Android-Gerät per se besser ist, würde ich immer Android präferieren. Bei iOS fühlt sich alles ein wenig begrenzter und weniger offen an.

mobilbranche.de: Welche drei Apps willst Du auf Deinem Homescreen nicht mehr vermissen?

János Moldvay: Windfinder fürs Kitesurfen, Headspace zum Meditieren, Freeletics zum Sport machen. Übrigens: Ganz im Sinne des „digital minimalism“ habe ich Instagram und Facebook von meinem Smartphone verbannt.

mobilbranche.de: Stichwort Mobile Advertising: Was war für Dich die beste Werbung ever?

János Moldvay: Die Ads von Headspace finde ich sehr gelungen. Die habe ich immer im Anschluss an das 7Minute-Training auf der 7Minute-App gesehen. Headspace arbeitet mit kleinen Mini-Animationen und Videos, die mobil auch gut funktionieren. Hier sind Beispiele:

mobilbranche.de: Und was war für Dich die schlechteste mobile Anzeige?

János Moldvay: Geärgert habe ich mich über eine mobile Ad, die einen Führerschein-Kurs in Polen beworben hat, direkt nachdem ich aus Gründen auf Google nach den Bußgeldern für Geschwindigkeitsüberschreitungen dort gesucht habe. Das ist zwar nicht mobile-spezifisch, aber hat mich genervt. Natürlich weiß ich, dass mir die Ad von Algorithmen automatisiert ausgespielt wurde.

mobilbranche.de: Hast Du Mobile-Vorbilder? Wenn ja: welche?

János Moldvay: Adjust, Spezialist im Bereich Mobile-App-Tracking und Attribution, ist eine krasse Company und eine der wenigen deutschen weltweit erfolgreichen Tech-Leader in ihrem Bereich.

mobilbranche.de: Wie beschreibt Deine Mutter Deinen Job?

János Moldvay: Ich helfe Unternehmen dabei, ihre Werbung besser zu machen. Oder: Ich helfe Marketing-Managern dabei, bessere Entscheidungen zu treffen. Das bedürfte wohl etwas mehr Erklärung für sie.

mobilbranche.de: Ist Dein Job für Dich Beruf oder Berufung?

János Moldvay: Definitiv Berufung. Ich hätte schon viel früher mit einer eigenen Idee starten und nicht so viel Zeit als Angestellter verbringen sollen.

mobilbranche.de: Wie stehst Du zu Mobile Payment?

János Moldvay: Nutze ich noch nicht, da es noch nicht verbreitet genug ist. Solange das noch nicht flächendeckend nutzbar ist, ist mir der Trade-Off der zu geringen Convenience vs. noch mehr Daten an Google oder Apple zu liefern, zu hoch.

mobilbranche.de: Wann bzw. wo vermisst Du Mobile in Deinem Alltag, sprich: wo siehst Du noch Entwicklungspotenzial?

János Moldvay: In Deutschland beim Bezahlen, siehe oben. Außerdem gibt es Potenzial in Sachen Terminkoordination für Arztbesuche, Friseure und der Inventar-Anzeige von Stores. Mein Supermarkt um die Ecke könnte mir über Mobile anzeigen, ob sie noch frischen Koriander haben. Dann müsste ich nicht erst dahin laufen, um heraus zu finden, dass sie wieder mal keinen mehr haben.

mobilbranche.de: Mobile in 5 Jahren: was ist verschwunden, was hat sich durchgesetzt?

János Moldvay: Machine Learning – also der Part von KI, den die meisten bei der Verwendung des Begriffs meinen – wird immer tiefer in die Devices und deren Nutzung integriert werden, OHNE, dass man es als Nutzer überhaupt bewusst mitbekommt. Die Convenience der UX wird dadurch massiv optimiert. Einfaches Beispiel Googles Photo App, wo ich ohne über Machine Learning nachdenken zu müssen, einfach nach allen Fotos suchen kann, auf denen ein Strand und ein Lachen gleichzeitig zu sehen ist.

Ich mag da komplett falsch liegen, aber glaube nicht, dass sich Voice in den nächsten fünf Jahren, wie von einigen antizipiert, durchsetzen wird. Sprache ist als Medium einfach zu komplex und mehrschichtig. Ich kenne niemanden, der bspw. seine Alexa zum Einkaufen nutzt oder für andere Dinge als seine Beleuchtung und Musik zu steuern, bzw. sich das Wetter und die Temperatur ansagen zu lassen.

Die Denke Mobile vs. Web/Desktop, bzw. Mobile first oder Mobile only wird verschwunden sein oder zumindest an Relevanz verloren haben. Medieninhalte und Werbekampagnen werden viel häufiger und eher selbstverständlich Cross-Device, Online und Offline geplant, bewertet und gesteuert. Gestützt wird der Prozess durch Machine-Learning-basierte Software wie die von Adtriba.

Zu guter Letzt erhoffe ich mir, dass „Social“ wieder weniger mobile und mehr offline stattfinden wird. Digital Minimalism und Mindfulness sind hier, glaube ich, spannende Paradigmen, die das Thema Mobile bezüglich der Social-Nutzung stark beeinflussen werden. Andy Puddicombe von Headspace hält eine Keynote auf der diesjährigen OMR – das sagt doch schon viel, oder?

mobibranche.de: Vielen Dank für die spannenden Antworten!

Lesen Sie auch die vorherigen Fragebögen unserer Serie “Köpfe der Mobilbranche”.

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