iOS 12 Notifications: was hat sich geändert?

von Gastautor am 22.März 2019 in App Business, Gastbeiträge, News

Was hat sich mit iOS bei den Notifications geändert. Unser Gastbeitrag verrät es.

Mit iOS 12 hat sich eine Menge getan im Bereich der Mitteilungen. Das Wichtigste ist: Nutzer haben mehr Kontrolle über die Nachrichten, die sie erhalten und schnelleren Zugriff auf die Einstellungen. Und somit auch auf den Aus-Schalter. Für Publisher hat das zur Folge, dass Fehler im Umgang mit den wertvollen Mitteilungen noch schwerer wiegen als zuvor. Zugleich bieten sich aber auch neue Möglichkeiten und Chancen. Sebastian Clauß und Manuel Raimund (Die neue Abteilung), die am 12. April unseren Workshop „Wie Du Deine App zur Fünf-Sterne-App machst“ in Berlin leiten, zeigen in diesem Gastbeitrag, wie Publisher die neuen Notifications richtig einsetzen.

Die Neuerungen aus Nutzersicht

Nicht selten waren Nutzer von der schieren Anzahl der auf sie einprasselnden Mitteilungen erschlagen. Das führt meist dazu, dass die potenziell wichtigen Nachrichten schlichtweg ignoriert werden, oder aber der Hahn für Notifications komplett zugedreht wird. So hat keiner was von dem schönen Werkzeug Mitteilungen.

Zwar gab es auch schon vor iOS 12 granulare und appspezifische Einstellungsmöglichkeiten, allerdings muteten die recht technisch an. Dazu kommt, dass viele App Publisher es auf der einen Seite nicht für nötig erachtet haben, von sich aus komfortable Einstellungsmöglichkeiten anzubieten, auf der anderen Seite aber im Marketing-Wahn Mitteilungen versendeten, als gäbe es kein Morgen.

Klar also, dass sich etwas ändern musste. Und geändert hat sich einiges mit iOS 12.

Markant oder still? Das ist hier die Frage.

Darstellung einer Push-Benachrichtigung und das neue Kontextmenü.

Die wichtigste Neuerung ist die Unterscheidung zwischen Mitteilungen die markant zugestellt werden und denen, die still auf dem iOS Gerät eintreffen:

  • Markante Mitteilungen werden auf dem Sperrbildschirm angezeigt und können dabei auch einen Ton oder Vibration auslösen.
  • Stille Mitteilungen landen unaufdringlich in der Mitteilungszentrale und geben dabei wie der Name schon sagt keinen Mucks von sich.

Zusätzlich kann der Nutzer durch das neue Kontext-Menü an jeder Mitteilung schnell zwischen den beiden Typen wechseln. Markante Notifications werden zu stillen Mitteilungen und andersrum. Oder eben komplett deaktiviert. Ohne Umweg über die Systemeinstellungen.

Markante und stille Benachrichtigungen

Der Trick, den Apple hier anwendet ist, dass es nicht wirklich einen neuen Typ Mitteilungen gibt. Apple hat lediglich zwei Einstellungskombinationen einen Namen gegeben und den Wechsel zwischen diesen gut erreichbar gemacht. Kein schlechter Plan. Wer möchte, kann darüber hinaus in den Systemeinstellungen für jede App noch detailliertere Konfigurationen vornehmen, beispielsweise um den Kennzeichenzähler zu deaktivieren. Davon werden jedoch die wenigsten Nutzer Gebrauch machen, da sie mit der Unterscheidung zwischen markant und still bereits bestens bedient sind.

Gruppierte Mitteilungen

Notifications einer App werden gruppiert, können gesammelt bearbeitet oder auch einzeln betrachtet werden.

Eine weitere grundlegende (und lange überfällige) Änderung ist die Gruppierung von Mitteilungen. Vorbei die Zeiten, in denen eine lange Liste von ungelesenen Notifications von nur einer App die Mitteilungszentrale okkupiert. Stattdessen werden die Nachrichten einer App nun sinnvoll zusammengefasst – bei einer Messaging App beispielsweise nach Gesprächspartnern, bei anderen Apps landen möglicherweise alle Mitteilungen in einem Topf.

Das Tolle dabei: der Nutzer erhält nicht nur sehr viel schneller einen Überblick, um sich auf die für ihn relevanten Nachrichten konzentrieren zu können, er kann darüber hinaus auch ganze Gruppen aus der Mitteilungszentrale entfernen, statt jede Notification einzeln löschen zu müssen. Das spart lästige Fleißarbeit und verringert den Frustfaktor, wenn es mal wieder ganz besonders viele irrelevante oder obsolete Mitteilungen gibt.

Mitteilungsgruppierung in den Systemeinstellungen.

Übrigens: Auch was die Gruppierungslogik einer App betrifft, kann der Nutzer in den Systemeinstellungen bei Bedarf Finetuning betreiben und die Vorgaben des Publishers überstimmen.

Was Publisher jetzt machen können. Und sollten.

Hat man die Nutzerperspektive verstanden, wird eines klar: nie war es einfacher, Push Notifications zu deaktivieren. Und sind Mitteilungen erstmal deaktiviert, bleiben sie es auch meist. Ein wichtiger Kommunikationskanal ist damit gestorben.

Die Grundregeln im Umgang mit Push Notifications und seinen Nutzern gelten also nicht nur weiterhin, sondern mehr denn je:

  • Mach es schön
  • Mach es relevant
  • Mach es mit Anstand

Darüber hinaus führt iOS 12 neue Möglichkeiten ein und forciert die Umsetzung von seit Jahren bestehenden Best Practices. Wer das macht, wird in Form von niedrigeren opt-out Raten und zufriedeneren Nutzern belohnt. Win-win. Schauen wir uns an, was geht und zu empfehlen ist.

Konfigurationsmöglichkeiten anbieten

Viele Apps bieten ein eigenes Einstellungsmenü an, in dem der Nutzer entscheiden kann, welche Mittelungen er erhalten möchte. Allgemeine News? Nein danke. Versandbenachrichtigungen? Auf jeden Fall!

Push-Einstellungen am Beispiel Xing und IMDB.

Wer viel mit Notifications arbeitet, einen solchen Bereich aber noch nicht anbietet, der sollte diesen Missstand schnellstmöglich bereinigen. Primär natürlich zum Wohle der Nutzer und um zu verhindern, dass sie Mitteilungen komplett deaktivieren, nur weil sie ein gewisser Teil davon nicht interessiert.

Mit iOS 12 gewinnt ein derartiger Einstellungs-Screen zusätzlich an Wert. Denn möchte ein User aus dem Kontext-Menü einer Mitteilung für eine App Push komplett deaktivieren, fragt Apple, ob er nicht erstmal nachschauen möchte, ob er nur einen bestimmten Kanal deaktivieren, den Rest aber behalten möchte. Ist das der Fall, kann sich der Nutzer direkt in den Einstellungs-Screen innerhalb der App navigieren lassen und dort die gewünschte Konfiguration vornehmen. Dieser Deeplink wird auch in den Systemeinstellungen angeboten. Eine faire Geste gegenüber den Publishern seitens Apple.

Links die Rückfrage vor dem Deaktivieren der Mitteilungen, rechts der Deeplink aus den Systemeinstellungen zu den Mitteilungseinstellungen der Connect App.

Notification-Typen bündeln

Eng verbunden mit dem vorherigen Punkt lohnt es sich, darüber nachzudenken, ob sich Mitteilungen sinnvoll gruppieren lassen. Das hilft nicht nur, um auf dem Einstellungs-Screen sinnvolle und nachvollziehbare Auswahlmöglichkeiten anzubieten, sondern dient auch der Gruppierung der ungelesenen Notifications auf den iOS Geräten.

Denn als Publisher kann man iOS zu jeder Push Notification mitgeben, welchen Typ diese Mitteilung hat. Notifications vom gleichen Typ werden dann entsprechend zusammengefasst. Zwar kann der Nutzer theoretisch manuell eine abweichende Einstellung treffen, davon ist aber nicht auszugehen.

Am Rande sei noch erwähnt, dass man jede einzelne Mitteilung nun noch etwas schicker gestalten kann. Beispielsweise mit interaktiven Elementen innerhalb der Rich Notification oder auf die spezifische Mitteilung abgestimmten Action Buttons. Das alles zahlt ein auf die Grundregel Mach es schön.

Still zustellen ohne opt-in

Wollte man seinen Nutzern in der Vergangenheit Push Notifications schicken, musste man sich zuerst deren explizites Einverständnis einholen. Noch heute machen das viele Apps plump und falsch, indem sie direkt beim Start der App um Erlaubnis fragen, ohne dass der Nutzer den Grund und Mehrwert davon verstanden hat.

Mit iOS 12 wurde Publishern nun eine weitere Option an die Hand gegeben: Push Notifications dürfen auch ohne Opt-In des Nutzers versendet werden. Allerdings nur still, also unauffällig in die Mitteilungszentrale. Von dort aus kann der User – Gefallen vorausgesetzt – die Mitteilungen befördern und künftig markant erhalten. Das entspricht dann einem expliziten Einverständnis.

Auf diesem Wege versendete Mitteilungen werden in der Mitteilungszentrale gekennzeichnet und der Nutzer gefragt, ob er weiterhin Notifications dieser App erhalten möchte.

Diese Variante eignet sich für Anwendungen, bei denen Mitteilungen keinen zeitkritischen Faktor haben und die mit tollen Inhalten überzeugen können. Nehmen wir als Beispiel eine App für Filmempfehlungen: wann genau man die Notification liest, ist zweitrangig. Trifft die Empfehlung aber rein inhaltlich meinen Geschmack, dann werde ich sie auch öffnen – und möglicherweise von still zu markant befördern. Apps, bei denen Push Notifications eine besonders zentrale oder zeitkritische Rolle einnehmen, beispielsweise in Messengern oder News Apps, sind mit der herkömmlichen Methode besser beraten.

Fazit

Push Notifications sind und bleiben ein mächtiges Werkzeug, das von Publishern und Nutzern jedoch oft missbraucht und missverstanden wird. Mit iOS 12 hat Apple seinen Nutzern mehr Möglichkeiten gegeben, ihre Mitteilungen in den Griff zu bekommen und dadurch den Druck auf die Publisher erhöht, das Wohl seiner User und die Relevanz der versendeten Nachrichten zu priorisieren. Unterm Strich entsteht dadurch eine bessere Notifications-Kultur. Und das ist nur zu begrüßen.

Seminartipp

„Wie Du Deine App zur Fünf-Sterne-App machst“ am 12. April 2019
In unserem interaktiven Workshop „Wie Du Deine App zur Fünf-Sterne-App machst“ am 12. April 2019 in Berlin lernen die Teilnehmer, wie aus einer guten App eine mit dem Prädikat Premium werden kann. Gemeinsam mit den Dozenten Sebastian Clauß und Manuel Raimund (Die neue Abteilung) scannen sie ihre eigene App unter anderem auf Konzept, Geräteoptimierung, Animationen, Design, User Experience, Klickwege, Push-Konzept, Extensions, einhändige Bedienbarkeit, Sound Design, haptisches Feedback, technische Umsetzung oder App Store Optimierung. So werden Schwachstellen erkennbar, Lösungsansätze definierbar und der Weg zu einer Fünf-Sterne-App sichtbar.
Infos & Anmeldung zum Workshop „Fünf-Sterne-App“ hier!

– Anzeige –

+ AppsFlyer veröffentlicht die 8. Ausgabe des Performance Index Reports, der Benchmark der führenden Werbenetzwerke für App-Anbieter
+ Facebook und Google weiterhin marktführend
+ Fraud nimmt zu und beeinflusst Rankings weltweit
+ Abkehr vom Affiliate-Marketing
+ Starkes Wachstum: Afrika und der Nahe Osten erstmals analysiert
Jetzt kostenlos lesen!

 


Artikel teilen

Sichern Sie sich jetzt Ihren Wissensvorsprung in Mobile Marketing und Mobile Business und abonnieren Sie die Meldungen von mobilbranche.de ganz bequem per E-Mail. Unser Newsletter erscheint täglich um 13 Uhr und ist kostenlos.

Hiermit akzeptiere ich die Datenschutzbestimmungen.

Facebook Kommentare:

Kommentare