Fortnites Potenzial zur Weiterentwicklung des Internets als soziale Welt.

von Wolfgang Starke am 19.Februar 2019 in Mobile Games, News, Trends & Analysen

Blick in das Blockbuster-Spiel Fortnite von Epic Games (Bild: PR)

Es ist wirklich spannend, den Gedanken von Matthew Ball auf redef.com zur Zukunft von Fortnite und Epic Games zu folgen. Fortnite ist eines der beliebtesten Spiele der Welt und es hat laut Ball das Zeug, in die Liga von Facebook oder Google aufzusteigen. Das liegt nicht etwa am Spielerlebnis oder den 200 Millionen Nutzern. Es bietet das Potenzial zur Weiterentwicklung des Internets als soziale Welt: dem Metaverse.

Die Daten rings um das Spiel sind tatsächlich beeindruckend. Im Mai 2018 schätzte SuperData, dass der monatliche Umsatz bei 318 Mio. Dollar liegt und das, obwohl die User nicht einen Cent für das Spiel zahlen müssen. Die Einnahmen stammen allein aus In-App-Käufen für rein kosmetische Features wie etwa neue Kostüme oder zusätzliche Herausforderungen. Es gibt eher soziale Anreize für Käufe, um Mitspielern einfach optisch zu zeigen, dass man kein Anfänger mehr ist (wen dieses Thema interessiert, findet einen guten Artikel dazu von Rebecca Jennings „Why we spend real money on fake clothes in free games“).

Außerdem gibt es plattformübergreifend inzwischen über 200 Millionen registrierte Accounts. Mehr als sechs aufeinander folgende Monate gab es über eine Million Nutzer, die konstant an einem gemeinsamen Spielerlebnis teilgenommen haben. Das Finale der 6. Staffel am 4. November 2018 erlebten über 5 Millionen aktive Spieler und weitere 4 Millionen Zuschauer via Twitch und YouTube.

Die Frage ist, ob es Fortnite gelingt, diese Erfolge fortzuschreiben. Natürlich kann das Spiel selbst weiterentwickelt und neue Abenteuer implementiert werden, aber das allein wird nicht reichen.

Für die Spieler ist Fortnite auch eine soziale Plattform

Die bedeutendste Eigenschaft des Spiels ist möglicherweise die Rolle, die es im Leben seiner Millionen Spieler einnimmt. Für diese Spieler ist Fortnite der „Soziale Marktplatz“, wie ein digitales Einkaufszentrum, das Afterschool- oder Nachbarschaftstreffen, welcher Städte, Länder und Kontinente umfasst. Unterstützt wird dies durch die kostenlose Verfügbarkeit, einem robusten Voice-Chat und die plattformübergreifenden Funktionen. Fortnite-Spieler verbringen täglich 1-1,5 Stunden mit dem Spiel. Zum Vergleich: auf Instagram sind es nur 30 Minuten. Dabei wurde das Spiel nicht als Second-Life-Erlebnis konzipiert, sondern es hat gezeigt, dass es sich aus sich selbst heraus zu einer Plattform weiterentwickeln kann. Es geht nicht mehr nur um das Spielerlebnis, sondern das Engagement und den Austausch.

Der größte Vorteil von Epic durch Fortnite sind die 200 Millionen registrierten Accounts. Jedes Konto ist direkt mit individueller Mailadresse erreichbar, durch die Zwei-Faktor-Authentifizierung häufig zusätzlich mit Handynummer oder Kreditkartendaten versehen. Das ist natürlich weniger, als z.B. Facebook hat, aber ein Ende des Wachstums im bisherigen Modell ist nicht abzusehen. Ende 2018 sammelte Epic zusätzliche 1,25 Mrd. Dollar an Investorenkapital ein. Seine Marktmacht hat Epic Games zudem unter Beweis gestellt, in dem die Android-Version des Spiels nicht bei Google Play erhältlich ist, sondern nur auf der eigenen Website. Zudem plant Epic Games einen eigenen Store für Games, der auch Drittanbietern offen stehen soll und deutlich weniger Provision kosten soll als z.B. Google Play. Die Übernahme von 3Lateral heizt die Spekulationen darüber an, was das Unternehmen für die Zukunft plant. Genaues ist jedoch nicht bekannt.

Tim Sweeneys Vision des Metaverse

Allerdings ist da Epic-Chef Tim Sweeneys Vision des Metaverse. Der Begriff des Metaverse stammt aus Neal Stephensons Kultroman “Snow Crash”, der Anfang der 90er-Jahre erschien und von einer Zukunft erzählt, in der die Menschen mit Hilfe von VR-Technologie komplett in eine virtuelle Parallelwelt abtauchen, die sie selbst gestalten und bewirtschaften. Sweeney sieht Technologie, mit der menschliche Gesichter und Emotionen glaubhaft digitalisiert werden können, als Notwendigkeit, um “das nächste Level” zu erreichen. Es geht im Metaverse darum, die User direkt einzubinden und neu zu verbinden. Einige zahlen, manche verkaufen, andere kaufen und es gibt eine echte Ökonomie, in der jeder für die Teilnahme auf verschiedene Weise belohnt werden kann. Für ihn ist es die „nächste Version“ des Internets und nur eine Frage des Wann und nicht des Ob.

“Was wir brauchen, sind nach innen und außen gerichtete Kameras, die den Körper scannen”, sagt Sweeney. Solche Technologie existiere bereits, koste aber noch Beträge im fünfstelligen Bereich. Sie sei aber nur drei Jahre entfernt, meint Sweeney und denkt dabei vermutlich an die Zeit, bis die Technologie für den Endkunden erschwinglich wird. “Die wichtigsten Innovationen passieren bei VR, bevor die AR-Revolution startet”, sagt er weiter. Virtual Reality erreiche weltweit vielleicht 200 Millionen Nutzer, hauptsächlich Hardcore-Gamer und Spielhallenbesucher. AR allerdings könne ein Milliardenpublikum erschließen.

Die Entwicklung birgt Gefahren

Er sagt aber auch, dass die Technologie Gefahren birgt. Man stelle sich vor, dass jemand in sozialen Medien angesammelte Daten nutze, um Verstorbene als Spielfigur wiederzubeleben. “Das macht mir etwas Angst, aber das ist nun mal unsere Industrie”.

Sweeney ist mit seiner Vision nicht allein. Auch Mark Zuckerberg hat bei der Übernahme von Oculus gesagt, strategisch mit dem Aufbau der nächsten großen Computing-Plattform beginnen zu wollen. Dabei werden VR und AR zu einem Teil des Alltags der Menschen. Zuckerberg möchte natürlich, dass diese Plattform von Facebook kontrolliert wird. Sweeney dagegen will kein von Unternehmen kontrolliertes, geschlossenes Metaverse-System, da er befürchtet, dass diese Firmen dann weitaus mehr Einfluss auf unser Leben und private Handlungen haben werden, als jemals jemand anderes zuvor. Die Menge an Macht, die Google und Facebook dann besäßen, stellten eine ernsthafte Bedrohung für unsere Demokratie dar. Deshalb will er mit Epic an einer offenen Metaverse arbeiten, die keine Nutzerdaten an andere Unternehmen verkauft, vermittelt oder für Werbezwecke nutzt.

Wer am Ende die Nase vorn haben wird bei diesem Rennen, bleibt abzuwarten. Technisch vorstellbar ist das Szenario allemal – wie auch immer man sich bei dem Gedanken daran fühlt.

– Anzeige –

Workshop „Wie Du Deine App zur Fünf-Sterne-App machst“ am 12. April 2019 in Berlin: Lerne, wie aus einer guten App eine mit dem Prädikat Premium werden kann. Ziel des Workshops mit Manuel Raimund und Sebastian Clauß: Bei den Apps der Teilnehmer Schwachstellen u.a. bei App-Konzept, User Experience, Klickwegen oder Push-Strategie ausfindig machen, Lösungsansätze finden und damit den Weg zu einer Fünf-Sterne-App sichtbar machen.
Jetzt informieren & anmelden!


Artikel teilen

Sichern Sie sich jetzt Ihren Wissensvorsprung in Mobile Marketing und Mobile Business und abonnieren Sie die Meldungen von mobilbranche.de ganz bequem per E-Mail. Unser Newsletter erscheint täglich um 13 Uhr und ist kostenlos.

Hiermit akzeptiere ich die Datenschutzbestimmungen.

Facebook Kommentare:

Kommentare