Interview: Arndt Groth über die Weiterentwicklung von Smaato zum Marketing-Tech-Player.

von Florian Treiß am 18.Juli 2018 in App Business, Interviews, Mobile Advertising, News

Arndt Groth ist seit September 2017 Präsident von Smaato.

Mit chinesischer Unterstützung auf Expansionskurs: Smaato, Anbieter eines Marktplatzes für In-App-Werbung, will sich künftig verstärkt dem Thema Retail Attribution widmen. Dabei geht es um die Messung des Offline-Abverkaufserfolgs im stationären Handel in Verbindung mit Mobile Advertising. „So können wir uns von einem reinen AdTech-Player zu einem Unternehmen mit umfangreicher Marketing-Technologie wandeln“, sagt Arndt Groth, Präsident von Smaato, im exklusiven mobilbranche.de-Interview. Groth, einst Präsident des BVDW und einer der dmexco-Mitgründer, stieg im September 2017 in die Führungsspitze von Smaato ein. Eines seiner wichtigsten Themen momentan: die Expansion nach China, wo der neue Smaato-Eigentümer Spearhead zu Hause ist. Wir haben mit Arndt Groth über den Wandel des Unternehmens sowie aktuelle Herausforderungen der Mobilbranche wie die DSGVO oder Ad Fraud gesprochen.

mobilbranche.de: Herr Groth, als Sie vergangenen September als Präsident von Smaato ernannt wurden, kündigte Ihr Unternehmen eine starke Wachstumsphase an. Wo stehen Sie denn jetzt?

Arndt Groth: Wir sind mittendrin. Smaato ist seit der Gründung 2005 beständig schnell gewachsen. Wir haben jetzt, auch aufgrund des chinesischen Gesellschafters Spearhead, nochmal ein zusätzliches Augenmerk auf China und APAC gelegt und wachsen besonders in diesen Märkten überproportional.

mobilbranche.de: Sie haben China als Expansionsziel genannt. Wie tickt denn der Markt dort gegenüber Deutschland: Was muss man beachten?

Arndt Groth: Das ist ein riesiger, komplett anderer Markt. Wir beschreiben das gerne anhand der Aktivitäten von Spearhead, einem großen Medienunternehmen dort. Spearhead kommt aus den klassischen Medien und ist sehr stark im Bereich von In-Store-Promotions. In Deutschland lässt ein Supermarkt seine Kunden einen Edamer probieren, in China aktiviert Spearhead 100.000 bis zu 200.000 In-Store-Promotoren und verkauft in einem Monat 10.000 Autos. Zudem haben wir 2018 das Jahr, in dem China mehr Smartphones auf sich vereinigt als Europa und die USA zusammen, in der Summe fast 800 Millionen.

mobilbranche.de: In-Store-Promotions und Ihr Kerngeschäft Mobile Advertising – wie passt das zusammen?

Arndt Groth: Was echte digitale Medien-Expertise im Mobilbereich angeht, ist Smaato die erste Akquisition von Spearhead außerhalb von China. Als Exchange-Plattform im In-App-Bereich haben wir die Chance zusammen in China zu evaluieren, wie die Attribution einer digitalen Wertschöpfungskette und der Messung von digitalem Kommunikationserfolg auf dem Smartphone, auch in Richtung Retail Attribution funktioniert. So können wir uns von einem reinen AdTech-Player zu einem Unternehmen mit umfangreicher Marketing-Technologie wandeln.

mobilbranche.de: Das heißt, bei Smaato geht es nun verstärkt um Drive-to-Store-Traffic und um die Messung der Online-Offline-Conversion?

Arndt Groth: Genau. Dank Spearhead, die im Retail Marketing zu Hause sind, ist genau diese Messung der Attribution vom Offline-Abverkaufserfolg in Verbindung mit Mobile Advertising der nächste sinnvolle Schritt.

mobilbranche.de: Sie haben angedeutet, dass Smaato sich von einem reinen AdTech- zu einem MarketingTech-Unternehmen entwickelt. Was heißt das genau?

Arndt Groth: Wir sind mit diesem großen Schritt gut ausgelastet. Unsere Kernkompetenz als führende globale In App Exchange bleibt natürlich erhalten. In diesem Bereich, in den Regionen Americas, EMEA und APAC, wachsen wir weiterhin. Wir haben nahezu 90.000 Apps auf der Supply-Seite bei uns auf der Plattform. Die Nachfrage kommt über 450 Partner, DSPs und Ad Networks. Das ist ein Wachstumsfeld, schon allein in puncto Mediaauslieferung, auch in APAC und China. Der Vorstoß in Richtung MarketingTech ist etwas, was wir jetzt in Verbindung mit Spearhead sukzessive weiterentwickeln.

mobilbranche.de: Wie sieht Ihre Reichweite aus?

Arndt Groth: Monatlich sind wir bereits bei rund 500 Milliarden Ad Requests, die über unsere Plattform abgewickelt werden. Dabei erreichen wir 1,1 Milliarden Unique Devices. Gerade für viele kleinere App Publisher sind wir die einzige Möglichkeit, um Werbeerlöse wirklich effizient auf sich zu vereinigen. Ein kleiner App-Anbieter kann sich nicht selber vermarkten und braucht eine Exchange wie Smaato. Über diese Form der Monetarisierung können Publisher ihren Content weiterhin kostenfrei für den Nutzer anbieten.

mobilbranche.de: Der digitale Markt ist durch immer mehr Richtlinien wie DSGVO oder E-Privacy unter Druck. Inwieweit merken Sie das in Ihrem Geschäft?

Arndt Groth: Die europäische DSGVO stellt viele deutsche IT-Unternehmen vor große Probleme. Wir haben uns schon seit 12 Monaten intensiv darauf vorbereitet und agieren absolut datenschutzkonform. Trotzdem spüren auch wir Auswirkungen, denn die neuen Regeln begünstigen letztlich Google, Facebook und andere US-Technologiekonzerne, die durch die starke Bindung ihrer Nutzer an die jeweiligen Marken profitieren. Das kann in Europa niemand gewollt haben. Mehr Datenschutz für den User ist gut, aber die Art und Weise, wie dieses Gesetz umgesetzt wurde, ist extrem schwach. Wie wenig Hilfestellung, Unterstützung und Best Practice es für jedes einzelne Unternehmen in diesem Markt gibt, ist einfach abenteuerlich.

mobilbranche.de: Smaato hat sich bezüglich der DSGVO sehr stark engagiert. Wie sah dieses Engagement aus?

Arndt Groth: Als das European Interactive Advertising Bureau (IAB) in Brüssel ein neues DSGVO-konformes Framework vorgestellt hat und dabei Desktop und Mobile Web im Vordergrund standen, haben wir uns dafür eingesetzt, auch In-App-Advertising zu berücksichtigen. Durch unser Engagement, gemeinsam mit anderen Partnern aus der Branche, haben wir es dann geschafft, dass das neue In-App-Consent-Tool rechtzeitig zum Inkrafttreten der DSGVO am 25. Mai fertig wurde. Wir haben es dem IAB als Open-Source-Lösung für die gesamte Branche zur Verfügung gestellt. Auch daran sieht man unserer Vorreiterrolle für das Thema In-App-Advertising. Genauso bereiten wir uns jetzt schon intensiv auf die ePrivacy-Richtlinie vor.

mobilbranche.de: In der Mobilbranche wird derzeit viel über Ad Fraud diskutiert. Ist das auch für Sie ein Thema und was tun Sie dagegen?

Arndt Groth: Das ist sicherlich für jeden Partner relevant. Wir haben das Thema Fraud zum einen beim Traffic, die Inventar-Qualität betreffend, und zum anderen bei Ad Fraud, hinsichtlich der Qualität der Werbemittel auf dem Inventar. Wir adressieren dies schon seit langer Zeit, sowohl über eigene Technologien als auch über Tools von Partnern und darüber, dass wir als weltweit agierendes Unternehmen eine Special Unit für Traffic und Ad Quality haben. Die Teams in Singapur, Hamburg und San Francisco sorgen dafür, dass unser Traffic nahezu fraud-free ist.

mobilbranche.de: Lassen Sie uns zum Abschluss über das Thema Programmatic vs. Premium-Vermarktung sprechen. Wo stehen wir da aktuell?

Arndt Groth: Die Frage ist: Was erwarten Agenturen und was erwarten Werbekunden? Es ist ein Evolutionsprozess: Man muss lernen, mit den unterschiedlichen Technologien und Entwicklungsstufen unserer Branche umzugehen. Als wir in Deutschland angefangen haben, die ersten digitalen Werbemittel auf Internet-Seiten zu vermarkten, haben wir mit statischen Werbemitteln angefangen. Dann kamen dynamische Werbemittel, eMail-Marketing und immer wieder neue Themen, hinzu. Es dauert immer ein paar Jahre, bis bei den Werbekunden das Verständnis für die neuen Möglichkeiten einsetzt. Genau das sehen wir nun bei Werbekunden, die jetzt verstehen, dass man mit Programmatic Advertising Kunden besser erreichen kann. In-App-Advertising bietet zudem im Vergleich zu Werbung im Mobile Web ganz neue Möglichkeiten.

mobilbranche.de: Vielen Dank für das Interview!

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Kaum ein Kommunikationsdraht zwischen App-Anbieter und Nutzer ist so entscheidend für den Erfolg wie Push Notifications. Richtig eingesetzte Benachrichtigungen steigern die Nutzung einer App um ein Vielfaches. Nervige und unpassende Push-Nachrichten führen dagegen schnell zur Deinstallation einer Anwendung. Wir von Appmatics zeigen in unserem Blog, wie Sie Ihre App mit guten Notifications nach vorne bringen.


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