Die 10 wichtigsten App-Trends 2016: Apps übernehmen die führende Rolle im Netz.

von Fritz Ramisch am 09.Dezember 2015 in App Business, News, Ökosysteme, Trends & Analysen

shutterstock_200250458Das Jahr neigt sich dem Ende und die Zeit der Rückblicke und Prognosen beginnt. Die App-Analyse-Firma AppAnnie hat zehn App-Trends zusammengefasst, die App-Macher und Entwickler für 2016 auf dem Zettel haben sollten. Rückblickend auf das Jahr 2015 stellt AppAnnie eine Konsolidierung der Branche fest. So hätten sich z.B. die Schwankungen bei Umsatz- und Download-Zahlen stabilisiert. 2015 war zudem das Jahr, in dem Android Apples iOS auch in Sachen Umsatz überflügelt hat – zumindest in Deutschland. Weltweit sind Apple-Nutzer trotz geringerem Marktanteil ausgabefreudiger. Wer mit Anwendungen Geld verdienen will, setzt zwar immer noch mehrheitlich auf In-App-Käufe und Freemium-Modelle, doch auch die Umsätze aus Aboverkäufen haben zugenommen. Treiber dieses Trends sind Streamingdienste wie Spotify, Netflix oder HBO Now. Auch die Abo-Einnahmen bei Dating-Apps wie Tinder Plus können sich sehen lassen. Die aktuelle AdBlocker-Diskussion dürfte laut AppAnnie dazu führen, dass mobile Publisher zunehmend auf Anwendungen  setzen und bei der Monetarisierung auf bessere In-App-Werbung setzen. Wobei es nur eine Frage der Zeit sein dürfte, bis AdBlocker auch In-App-Inhalte blocken. Weil die App-Nutzung bei vielen Smartphone-Nutzern stagniert und Google mit Hochdruck daran arbeitet, App-Inhalte – z.B. durch App-Streaming – ins Mobile Web zurückzuholen, und sogenannte Deep Links die Verlinkung zwischen Apps und mobilen Webseiten vereinfachen, könnten Apps als geschlossene Systeme aber womöglich bald der Vergangenheit angehören. Ungeachtet dessen dürften Apps über kurz oder lang aber die führende Rolle im Netz übernehmen. Der Wettbewerb wird sich also weiter anheizen, das App-Angebot weiter steigen und der prozentuale Anteil der Apps, die wirklich Umsätze generieren und genutzt werden, weiter sinken. Doch für App-Entwickler ergeben sich mit Wearables, Smart TVs und dem Internet der Dinge mehr lukrative Einnahmequellen. Weitere Erkenntnisse: Tablets sind nicht tot, sondern werden zunehmend im Berufsalltag eingesetzt, was zu einer verstärkten Nachfrage sogenannter Produktivitäts-Apps führt. Der totgesagte Second Screen wird durch das neue Apple TV widerbelebt und könnte sich zu einem ganz neuen Ökosystem entwickeln.

Die App-Trends 2016 im Überblick:
1. Google Now on Tap: App Annie rechnet damit, dass bis Ende 2016 Android als Plattform für Entwickler 2016 deutlich an Attraktivität gewinnt. Der Grund: Die App-Indizierung und der (kosteneffiziente) Discovery über Google Now on Tap. „Dies dürfte insbesondere für Startups mit geringen Ressourcen interessant werden und hilft Google dabei, mehr Android-zuerst`- Entwickler zu gewinnen“, resümiert App Annie. (Hier ist anzumerken, dass die kontextsensitive Suche per Now on Tap, die Google mit Android 6.0 Marshmallow eingeführt hat, (noch) nicht auf Smartphones mit deutscher Spracheinstellung funktioniert.)

2. eSports: Für Spiele-Publisher sind mobile Spiele eine wachsende Umsatzquelle, da sie eine viel breitere Nutzergruppe erreichen als bei Konsolen- oder PC-Spielen. App Annie erwartet deshalb im nächsten Jahr eine gesteigerte Nachfrage nach mobilen Spielveranstaltungen mit Wettkampfcharakter oder mobilen eSports. Aufgrund von Veranstaltungssponsoring und Einnahmen über Ausstrahlungsrechte dürfte 2016 der Umsatz von Spiele-Publishern zusätzlich wachsen.

3. Messaging: Kulturelle Unterschiede sind für das große Messaging-Gefälle zwischen Asien und dem „Westen“ verantwortlich. Denn in Asien werden per App-Messaging nicht nur Dialoge geführt, sondern z.B. auch Taxis bestellt, Offline bezahlt etc. Im Westen wird die Messaging-App praktisch nur in „Reinform“ genutzt. Das will Facebook mit dem Ausbau seines Facebook Messengers ändern. (Siehe auch Grafik auf Seite 7)

4. Die E-Commerce-Strategie, die Interessenten über mobile Geräte oder Social Media in die stationären Geschäfte zu locken, auch Online-to-Offline-(O2O)- genannt, führte in der Vergangenheit zu einem zunehmenden Wettbewerb im Handel und steigenden Kosten für die Kundenakquise. Das gilt insbesondere für Asien, wo stark subventionierte Preise ein weit verbreitetes Instrument zur Kundengewinnung sind. Dies hatte bereits bis heute Konsolidierungsaktivitäten zur Folge – wie etwa den Kauf von FreeCharge durch Snapdeal oder von Just Eat India durch Foodpanda. App Annie rechnet für 2016 mit einer Konsolidierungswelle im O2O-Bereich – „bis nur noch eine Handvoll der stärksten Akteure in jeder Region übrig bleiben.“

5. Produktivitäts-Apps: Obwohl sich die CPU-Leistung von iPads und Tablets inzwischen gegenüber ihrem Markteintritt 2010 enorm verbessert hat, stieg die Zahl an Produktivitäts-Apps nicht im selben Maße. Der Anteil an iPad-Downloads hält sich laut App Annie auf dem Niveau von 2010. Für 2016 erwartet App Annie jedoch eine signifikante Download-Steigerung, weil etwa das iPad Pro einen größeren Bildschirm bietet.

6. Finanzdienstleistungen: Privatkundenbanken sind mit einem „Tod auf Raten“ konfrontiert, weil inzwischen „FinTech“-Unternehmen die lukrativen Umsatzquellen der Branche für sich entdecken. Mit FinTech sind Firmen bzw. Startups gemeint, die Technologien rund um Finanzdienstleistungen wie beispielsweise Transferwise, We Swap oder Wealthfront anbieten. Das hat einen Bedeutungsverlust von Banken zur Folge, die ihre Rolle als Mittler zu verlieren drohen. „Für 2016 rechnen wir damit dass diese Apps (FinTech-Apps) sowohl auf iOS wie auch auf Google Play – dank größerer Transparenz, geringeren Transaktionskosten und erhöhtem Verbraucherbewusstsein – stark wachsen“, prognostiziert App Annie.

AppAnnie Finanzdownloads steigen

7. Second Screen ist auf dem Vormarsch: tvOS, die Apple TV-Software, bringt nun Apps von Drittanbietern auf den Apple TV. App Annie erwartet, dass Spiele- und Videostreaming-Apps 2016 führen und der große Bildschirm höhere Umsätze pro App und Nutzer bringt. „Der wichtigste Vorteil des Apple TV könnte darin liegen, das Smartphone (und in geringerem Maße das Tablet) dauerhaft als Second Screen zu etablieren“, sagt App Annie.

8. YouTube Red ist der Versuch, eine neue Kostenstruktur für die TV-Nutzung einzuführen, indem Originalserien und Filme gemeinsam mit YouTube Stars produziert werden, fasst App Annie die Situation im TV-Segment ein. Darin sieht App Annie eine Chance für neue Wege im Fernseh-Bereich. Schließlich begrenzten bisher hohe Kosten und die Risiken bei der Angebotserstellung von originalen Premiuminhalten für TV das sogenannte Cord Cutting, also den Umstieg der Nutzer von Kabelverträgen aufs Internet.

9. Wearables: Die App-Entwicklung für Wearables wie Smartwatches ist für Entwickler eine besondere Herausforderung, weil für kleine Displays und kurze Interaktionszeiten entwickelt werden muss. Deshalb stellt App Annie den Trend fest, dass sich die App-Entwicklung auf diesem Feld auf bestimmte Kategorien bzw. Branchen verteilt. Für App-Entwickler dürfte 2016 eine branchenspezifische Fokussierung auf Fitness- und Gesundheitsüberwachungs-Apps rentabel sein.

AppAnnie Apple Watch Apps nach Kategorien

10. Augmented und virtuelle Realität (AR/VR) steigern das Spiele-Erlebnis. Die erwarteten Veröffentlichungen – Facebooks Oculus Rift, Samsungs Gear VR oder Microsoft HoloLens – künden von den ersten AR- und VR-Plattformen. Große Publisher wie Google und die New York Times unterstützen diesen Trend zur virtuellen Wirklichkeit in ihren Produkten. Anstehende Titel wie Pokémon Go weisen ebenfalls in diese Richtung: Im Jahr 2016 werden noch mehr Content-Player in Richtung AR und VR denken und agieren.


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