Wie sieht die Zukunft des kontaktlosen Bezahlens aus: Karte, Smartphone oder Wearables?

von Fritz Ramisch am 16.November 2015 in Highlight, Mobile Payment, News, Trends & Analysen

ratpacklogoZahlen wir in Zukunft mit Karte, dem Smartphone, der Smartwatch oder doch eher mit dem smarten Ring am Finger oder gar der eigenen Kleidung? Der Kreativität scheint beim kontaktlosen Bezahlen keine Grenzen gesetzt zu sein. André Bajorat, Maik Klotz, Rafael Otero, Jochen Siegert und Kilian Thalhammer, bei mobilbranche.de besser bekannt als das RatPack der FinTech-Branche, sind sich zumindest bei einem einig: Dem Kunden ist die Technologie und das Gerät, mit dem er letztendlich bezahlt, schnurzpiepegal, solange es einfach und sicher ist. Im Vordergrund stehe schließlich das Kaufen und nicht das Bezahlen. „Die Zukunft wird biometrisch und so wie der Finger den Stylus ersetzte, so werden wir unsere Identität in Zukunft biometrisch authentifizieren und endlich mit ‚unserem guten Namen bezahlen'“, glaubt Maik Klotz. Bis es soweit ist, dürfte aber noch das ein oder andere krude Bezahlverfahren auf- und auch wieder abtauchen. Jochen Siegert bezweifelt, dass der Bezahlprozess in Zukunft überhaupt noch an eine Kasse oder Zahlungsterminal gebunden sein wird, während Kilian Thalhammer es am besten fände, wenn der Kunde beim Bezahlen “gar nichts tun” müsste.

Andre Bajorat

André M. Bajorat

Darüber will ich als Kunde gar nicht nachdenken. Da bin ich wieder bei meiner Lieblingsthese der Notwendigkeit einer echten Zahlungsidentität. Diese sollte mit allen meinen gewünschten Devices verbunden sein. Das kann entweder eine Karte, eine Uhr oder ein Handy sein. Ob das dann NFC, girogo, v.me, ApplePay oder was auch immer ist, will mich nicht interessieren.

André M. Bajorat ist Unternehmer, Berater, Speaker, Business-Angel und Mentor im deutschen Startup- und FinTech-Umfeld aktiv. Aktuell ist er als CEO bei figo.io, Partner bei KI-Finance sowie im Advisoryboard von FinLeap und Cringle aktiv. Twitter: @ambajorat

Maik Klotz

Maik Klotz

Maik Klotz

Konsumenten wollen kaufen, nicht bezahlen. Bei manch einem Bezahlverfahren wird das ad absurdum geführt und der Bezahlprozess ist aufwendiger als die Auswahl des Artikels. Im E-Commerce weiß man das und die Bestellprozesse werden immer mehr optimiert. Ob nun kontaktlose Karte, Mobile Payment mit dem Smartphone oder bezahlen mit der Smartwatch, letztendlich ist das alles nur ein Träger meiner Identität. Mastercard hat das erkannt und arbeitet zusammen mit Qualcomm an Möglichkeiten, kontaktloses Bezahlen überall zu integrieren – z.B. dem Autoschlüssel, der Handtasche oder integriert in der Bekleidung. Mittelfristig wird NFC die Technologie der Wahl sein, nur eben nicht mehr auf Smartphone oder Kreditkarte beschränkt. Die Zukunft wird biometrisch und so wie der Finger den Stylus ersetze, so werden wir unsere Identität in Zukunft biometrisch authentifizieren und endlich mit “unserem guten Namen bezahlen”. Bis es soweit ist, werden wir allerdings noch viele krude Bezahlverfahren sehen.

Maik Klotz ist Autor und Speaker zu den Themen Mobile, Banking und Payment. Aktuell arbeitet Maik als Head of Business Development im Bereich Mobile Loyalty bei der valuephone GmbH. Sein Fokus liegt auf dem Anwender. Twitter: @klotzbrocken

Rafael Otero

Rafael Otero

Rafael Otero

Aus Kundensicht geht es um die Bedürfniserfüllung (kaufen, kaufen, kaufen), der “Akt” des Bezahlens ist sekundär. Das Bezahlmittel oder die Bezahlmethode sind dem Endnutzer vollkommen egal. Die Zukunft wird den Konsumenten eine Vielzahl an Optionen bieten (Karte, Smartphone, Wearables, Bargeld oder – wie American Express einmal versprach – mit “seinem guten Namen”) aus denen er auswählen kann. Die Auswahl wird der Kunde kontext-sensitiv treffen (beim Joggen will man kein Kleingeld dabei haben, beim Wochenendeinkauf ist der Griff zur Kreditkarte kein show stopper).

Rafael Otero ist Unternehmer, Business-Angel und Mentor im Startup- und FinTech-Umfeld. Rafael schaut zurück auf über 10 Jahre Erfahrung im Payment Bereich in denen er in Führungspositionen oder als Co-Founder aktiv war. Aktuell ist er Co-Founder bei payleven der globalen Kartenakzeptanz-Lösung für KMUs. Twitter: @rotero 

Jochen Siegert

Jochen Siegert

Jochen Siegert

Dass die Zukunft des Bezahlens überhaupt weiter an einer Kasse und Zahlungsterminal stattfindet, möchte ich erst einmal grundlegend in Frage stellen. Bis dahin wird NFC wohl die einzig relevante neue Technologie sein, die heutige kontaktbehaftete Transaktionen am Terminal ablöst. Über den Formfaktor der Wahl entscheidet der Kunde, wobei ich persönlich sehr stark an die Bequemlichkeit der Nutzung von Wearables/Uhren in diesem Kontext glaube. Das heisst jedoch nicht, dass alle heute bekannten, kontaktlosen NFC-Zahlmittel sich auch durchsetzen. Ich bin überzeugt, dass nur einer Kombination von “kontaktlos” und dem “Zugang zum Konto” die Zukunft gehört. Dies kann z.B. über die Debit-Karte erfolgen, aber durchaus auch über eine App unter Umgehung der Karte. Alle anderen heute bekannten ”Umwege” wie z.B. kontaklose Prepaid-Karten, e-Wallets, NFC-Aufkleber, Drittbankverfahren etc. werden wieder schnell verschwinden, wenn es einen für den Kunden einfacheren und bequemeren Weg gibt, mit dem Girokonto der Hausbank ohne weitere Restriktionen kontaktlos zu bezahlen.

Jochen Siegert ist Unternehmer, Speaker, Podcaster und Mentor im FinTech- und Payment-Umfeld. Er schaut zurück auf 15 Jahre Erfahrung und Führungspositionen im Zahlungsverkehr (MasterCard, PayPal, Bigpoint und KarstadtQuelleBank). Aktuell ist der Vorstand/COO der Traxpay AG sowie im Advisoryboard bei Figo, FinLeap und Savedroid aktiv Twitter: @jochensiegert

kilian thalhammer

Kilian Thalhammer

Kilian Thalhammer

Alles, der gesamte Vorgang des Bezahlens, wird aus dem MindSet des Kunden verschwinden. Jedes Medium, dass dies ermöglicht ist ein “gutes Medium”. Starten wird es mit der Karte (weil gelernt), danach wird es übergehen zu diversen “Gadgets” und dort integriert sein. Auch das Smartphone erscheint mir dazu mittelfristig zu “klobig”. Da sind Uhren und Wristbands schon einen Schritt voraus: Man muss nicht in die Hosentasche greifen. Am besten ist aber immer noch, wenn man “gar nichts tun muss”. Der Kunde “will ja den Bezahlvorgang vermeiden” –  also jeder aktive Schritt ist einer zu viel. Am Schluss ist das Device egal. Am Ende steht nur die Frage, wer sich als der viel zitierte Identitätsprovider positioniert und wie viele es davon geben wird.

Die Herausforderung liegt vielmehr bei den Händlern, diese Vielzahl an Bezahlmethoden / -mitteln zu unterstützen. Die Endkunden werden sich früher oder später auf wenige Bezahlmethoden “einschiessen”. Das wird in naher Zukunft eher eine virtualisierte “Karte” (NFC, HCE) sein und in ferner Zukunft mit seiner Identität (ob biometrisch oder anderweitig authentifiziert).

Kilian Thalhammer ist seit mehr als 10 Jahren im Bereich Payment/ FinTech/ eCommerce & Loyalty unterwegs. Nach seiner Rolle als Director Solutions für die Schweizerische Post, war CPO bei RatePay (Otto Gruppe) und Geschäftsführer bei PAYMILL (Rocket Internet). Im Moment ist er im FinTech Umfeld als Berater und Business Angel aktiv. Twitter: @kilian2002 (Beitragsbild: shutterstock.com

Beitragsbild: shutterstock.com


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