Interview: Janis Zech von Fyber wünscht sich eine „Teleportations-App zum Beamen“.

von Fritz Ramisch am 29.Oktober 2015 in Interviews, Mobile Advertising, Mobile Marketing, News

Janis Zech„Ich würde mir eine Teleportations-App zum Beamen wünschen“, sagt Janis Zech, Mitgründer und Chief Operating Officer des Berliner AdTech-Unternehmens Fyber, auf die Frage, welche App noch erfunden werden müsste. Damit könnte er u.a. schneller zwischen Berlin und dem Silicon Valley pendeln, wo das AdTech-Unternehmen mittlerweile ein Büro mit rund 60 Mitarbeitern hat. Beim Blick auf seinen Smartphone-Homescreen entpuppt sich der Unternehmer als leidenschaftlicher Smartphone-Daddler. Uhrlos (keine Apple Watch o.Ä.) aber immer mit Blick auf die Zeit, rationiert der vielbeschäftigte Gründer seine Smartphone-Nutzung auf maximal 2 Stunden pro Tag.  Die restliche Zeit des Tages beschäftigt sich Zech mit mobilen Werbetechnologien, ein Markt mit gewaltiger Konkurrenz. „Die Konsolidierung in der mobilen Werbebranche wird schnell voranschreiten“, weiß Zech aus eigener Erfahrung: Der Technologieanbieter für mobile Werbung wurde 2014 selbst für einen dreistelligen Millionenbetrag von der Digital-Agentur RNTS Media übernommen, im April dieses Jahres hat das Berliner Unternehmen mit Sitz in San Francisco sich wiederum das Düsseldorfer AdTech-Startup Falk Realtime einverleibt. Im mobilbranche.de-Interview erzählt Zech, was sich nach dem Mega-Exit verändert hat, worauf es bei guter Mobilwerbung ankommt und wie Fyber mit neuen Softwarelösung die Ladezeiten von mobiler Video-Werbung deutlich verringern will.

mobilbranche.de: Hallo Herr Zech, sie jetten derzeit viel zwischen den USA und Deutschland hin und her. Wo sind sie aktuell und was tun sie in diesem Augenblick?

Janis Zech: Derzeit bin ich in Berlin. Das mobile App-Ökosystem ist sehr international, somit ist Reisen ein Teil meines Lebens geworden. Die US-Trips haben mir viel Inspiration und Innovation gebracht, welche ich nicht missen möchte. Aber um die Frage abschließend zu beantworten, ich habe seit der Gründung von Fyber an sehr vielen unterschiedlichen Themen gearbeitet, weil die Rolle der Gründer bei 20 Mitarbeitern komplett anders ist als bei 280 Mitarbeitern. Derzeit fokussiere ich mich auf den Ausbau unserer Produktplattform, unsere Wachstumsstrategie, General Leadership sowie M & A.

mobilbranche.de: Sie sind viel auf Messen und Veranstaltungen unterwegs. Was war ihre spannendste Erkenntnis der diesjährigen Messe-Saison und was der größte Flop?

Janis Zech: Das Schöne an unserer Branche ist, dass sie sich ständig weiterentwickelt. Spannende Erkenntnisse gibt es quasi am laufenden Band. Deshalb ist es schwer, eine einzelne Erkenntnis hervorzuheben. Persönlich bin ich fasziniert von der Kreativität der Game- und App-Entwickler. Insgesamt wird deutlich, dass sowohl im B2B- als auch B2C-Bereich des mobilen App-Ökosystems iterative Innovation und Exzellenz die nächsten Jahre maßgeblich beeinflussen werden. Exzellenz kann viele Gesichter haben, aber ich meine vor allem die technische Produkt-Exzellenz, die es Firmen ermöglicht, sich von ihren Wettbewerbern zu differenzieren und das Wachstum der gesamten Branche zu stärken.

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mobilbranche.de: Fyber hat Ende vergangenen Jahres für einen dreistelligen Millionenbetrag den Besitzer gewechselt. Was hat sich seit dem Exit bei Fyber verändert?

Janis Zech: Für Fyber war die Transaktion ein großer Meilenstein, auf den wir sehr stolz sind und der es uns ermöglicht, unsere Vision schneller und mit noch mehr Nachdruck zu verfolgen, nämlich unseren Partnern wie Game- und App-Entwicklern die beste mobile Supply-Side-Platform im Markt bereitzustellen. Mit dem Zukauf von Falk Realtime, dem Re-Listing an der Frankfurter Börse und dem Convertible Bond von 112 Millionen US-Dollar der RNTS Media fühlen wir uns sehr gut aufgestellt, um RNTS Media und Fyber zu einem führenden globalen Player im Bereich Ad-Tech auszubauen.

mobilbranche.de: Fyber will in Kürze eine neue Lösung herausbringen, die die Ladezeiten von mobiler Video-Werbung deutlich verbessert. Dabei geht es um sogenanntes Pre-Caching, also das Zwischenspeichern von Videos, noch bevor sie abgespielt werden. Wie funktioniert das und wann soll die Lösung deutschen Werbekunden zur Verfügung stehen?

Janis Zech: Mit den Advanced Pre-Caching Controls werden Ladezeiten, Daten- und Speicherbedarf verringert. Dadurch wird die Gesamtleistung der App und die User Experience verbessert. Eine solche Optimierung ist in einem zunehmend von hochentwickelten Grafik-Engines und Multiplayer-PvP-Spielen dominierten App-Markt extrem wichtig. Pre-Caching gibt App-Entwicklern die maximale Kontrolle für eine bessere User Experience. Dafür haben sie zwei Möglichkeiten: Einmal können Entwickler genau bestimmen, wie viele Werbenetzwerke sie initialisieren, abhängig von deren Performance, Rangfolge und Priorität im Verhältnis zu direkt vertriebenen Kampagnen. Eine erste Version dieser Pre-Caching-Möglichkeit ist bereits für deutsche Kunden verfügbar. Möglichkeit Nummer zwei wird in Kürze umgesetzt sein. Sie besteht darin, den Zeitpunkt des Pre-Cachings im Nutzungsverlauf selbst zu bestimmen, zum Beispiel nachdem andere Komponenten der App bereits heruntergeladen wurden. Das mindert die Belastung des Speichers und Ladezeiten während des App-Starts.

mobilbranche.de: Ad-Networks gibt es wie Sand am Meer, die Konkurrenz bei Supply-Side-Plattformen und Werbenetzwerken ist ebenfalls ziemlich groß, AdTech-Startups schießen wie Unkraut aus dem Boden. Wie sehen sie die Entwicklung, wird es die große Konsolidierungswelle geben?

Janis Zech: Absolut. Meine Freunde von Luma Partners kommen gar nicht mehr nach, deren LumaScapes zu aktualisieren. Nein, im Ernst. Die Konsolidierung hat bereits begonnen und wird schnell voranschreiten.

mobilbranche.de: Was muss ein AdTech-Unternehmen tun, um in diesem Verdrängungswettbewerb die Nase vorn zu haben und nicht den Anschluss zu verlieren?

Janis Zech: Unabhängige Ad-Tech-Player müssen sich meines Erachtens sehr stark auf wenige, große Themen und Kunden-Verticals konzentrieren und dort technisch führend sein, egal ob SSP, DSP, DMP, Data Exchange oder Marketing Automation. Statt alle denkbaren Entwicklungsmöglichkeiten gleichzeitig zu verfolgen, müssen die Unternehmen sehr genau schauen, mit welchen Technologie-Lösungen sie einen einzigartigen Mehrwert schaffen. Dazu gehört auch eine realistische Einschätzung ihrer Stärken und Kapazitäten. Darüber hinaus müssen die Ad-Tech-Unternehmen strategische Entwicklungen vorhersehen und darauf rechtzeitig reagieren, denn der Aufbau von soliden technischen Lösungen braucht Zeit.

mobilbranche.de: Was sind in Sachen AdTech und mobiler Werbung denn die größten Zukunftsthemen, die für Erfolg und Misserfolg ausschlaggebend sind?

Janis Zech: Ein wichtiger Schritt bei der Entwicklung der Ad-Tech-Branche ist es, den Markt für Brands attraktiver zu machen. Die Verlagerung der Werbebudgets in den mobilen Bereich ist längst überfällig, hängt aber von einer Reihe von Entwicklungen ab. Daten aus Daten-Exchanges und -Management-Plattformen müssen zusammengebracht werden, um die Targeting-Optionen auszubauen. Native Werbeformen müssen ausgebaut und standardisiert werden, denn sie verbessern das Nutzererlebnis und erhöhen den ‚Premium‘-Charakter von In-App Platzierungen. Schon jetzt bietet Fyber viele Opt-in-Werbeformate an, die die App-Entwickler maßgeschneidert in das Nutzererlebnis ihrer App einbauen und die vom Nutzer aktiv aufgerufen werden. Mobile Video ist aktuell das am schnellsten wachsende Format für uns, denn es ist nicht nur für Marken interessant, sondern auch für User-Acquisition-Kampagnen.

mobilbranche.de: Momentan ist mobile Werbung – wenn sie auf dem Smartphone überhaupt korrekt dargestellt wird – oft ziemlich eintönig. Klickbetrug trägt ebenfalls dazu bei, dass Mobile Advertising einen miesen Ruf hat. Hat Mobile Werbung langfristig überhaupt eine Zukunft, oder sind gesponserte Inhalte oder native Werbung auf Facebook & Co bald die einzige Möglichkeit halbwegs effizient auf dem Smartphone zu werben?

Janis Zech: Facebook ist ein starker Marktteilnehmer, aber Fakt ist, dass ein Großteil des mobilen Nutzerverhaltens außerhalb von Facebook stattfindet. Eine Wertschöpfung außerhalb von Facebook wird also definitiv möglich sein. Ich denke, Fraud-Prevention-Companies werden Klickbetrug und andere Formen von Fraud eindämmen. Hier besteht ein großer Markt, der für verschiedene Player interessant ist. Außerdem ändert sich das Nutzerverhalten definitiv zugunsten von Mobile. Werbungtreibende müssen also ihre Zielgruppen da abholen, wo sie sich am meisten aufhalten. Damit wird mobile Werbung zu einem integralen Bestandteil eines ausgewogenen Marketing-Mixes. Werbungtreibende profitieren von Mobile als Werbekanal, der die Nutzer ständig begleitet, unabhängig von Ort und ‚Prime-Times‘. Smartphones sind die persönlichsten Devices aller Zeiten, was sie als Medium extrem relevant macht. Auch die technische Entwicklung treibt die mobile Werbung voran. Die Geräte werden leistungsfähiger, die Screens größer und Peripherals und Wearables ermöglichen weitere Innovationen für die Zukunft mobiler Werbung jenseits von Display-Bannern.

mobilbranche.de: Wann und wo haben sie zuletzt eine richtig coole mobile Werbung gesehen (und welche)?

Janis Zech: Ich kenne diverse Beispiele für innovative Werbung auf mobilen Endgeräten, vor allem im Bereich Video und Native Ads. App-Entwickler werden immer raffinierter bei der Integration von Werbung in ihre Apps. Gute Werbung ist für mich die Kombination aus Placements, Format, Timing und Targeting, um die gewünschte Reaktion des Kunden zu erzielen. Der Publisher Yodo1 hat beispielsweise mit dem App-Hit „Crossy Roads“ das Video-Format großartig eingesetzt. Snapchats Ansatz Videos, vertikal zu platzieren, ist ebenfalls sehr spannend.

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Ein Blick auf den Homescreen von Janis Zech

mobilbranche.de: Wie viele Stunden pro Tag nutzen Sie ihr Smartphone und welche Apps nutzen sie am liebsten?

Janis Zech: Zwischen 30 Minuten und zwei Stunden. Morgens schaue ich als Erstes auf meine E-Mails, gefolgt von Weather Underground. Auch am Abend checke ich auf jeden Fall noch einmal meine E-Mails. E-Mail, SMS, Whatsapp, Wunderlist, Weather Underground sind die Apps, die ich am häufigsten nutze. Erreichbarkeit ist für mich essenziell. Meine drei Lieblings-Apps sind aber Games: Nämlich Crossy Roads, Clash of Clans und Agrar.io.

mobilbranche.de: Welche App müsste denn noch erfunden werden?

Janis Zech: Ich würde mir eine Teleportations-App zum Beamen wünschen. Aber Spaß beiseite. Trotz über zwei Milliarden Apps gibt es viel Potenzial für Innovation in alle Richtungen, wie zum Beispiel M-Commerce, Travel, O2O-Konzepte und Content-Creation, um nur ein paar spannende Bereiche zu nennen.

mobilbranche.de: Vielen Dank für das Interview.


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