Interview: ConCardis-CEO Rainer Sureth über mPOS und Mobile Payment.

von Fritz Ramisch am 04.September 2014 in Interviews, Mobile Payment

ConCardis_Rainer Sureth„Fest steht, das alles, was den Zahlungsprozess vereinfacht und beschleunigt, im Handel und bei den Kunden willkommen ist. Egal, ob es auf NFC-Chips, QR-Codes, Bluetooth Low Energie oder einer anderen Technologie basiert“, sagt ConCardis-CEO Rainer Sureth im Interview mit mobilbranche.de. ConCardis hat als erster klassischer Finanzdienstleister einen mobilen Kartenleser für Händler auf den Markt gebracht. Damit will das Unternehmen in direkte Konkurrenz zu Startups, wie payleven, iZettle und SumUp treten. Der Wettbewerbsvorteil von ConCardis liegt für Sureth auf der Hand: „Im Gegensatz zu Start-ups besitzt ConCardis sehr viel mehr Erfahrung im Zahlungsmarkt.“ Das händlerbasierte Mobile Payment wird die verbraucherorientierten Apps zwar nicht ersetzen, aber doch sehr gut ergänzen, glaubt Sureth.

mobilbranche.de: ConCardis hat erstmals auch ein klassisches Finanzdienstleistungsunternehmen ein eigenes Chip- und PIN-Kartenlesegerät an den Start gebracht. Damit steht ConCardis in direkter Konkurrenz zu Startups wie Payleven, iZettle und SumUp. Wie will sich ConCardis von der Konkurrenz abgrenzen?

Rainer Sureth: Im Gegensatz zu Start-ups besitzt ConCardis sehr viel mehr Erfahrung im Zahlungsmarkt – Nicht umsonst sind wir einer der Marktführer im bargeldlosen Zahlungsverkehr. Unser Wissensvorsprung bürgt für eine hohe Verlässlichkeit. Händler wollen Zahlungstechnologien, die reibungslos funktionieren, einfach zu handhaben und sicher sind. Genau das bieten wir mit ConCardis OptiPay an.

mobilbranche.de: Payleven hat kürzlich das Gebührenmodell gesenkt. Der Wettbewerb hat das schon früher gemacht. Ist die Abwicklung mobiler Zahlungen am POS überhaupt noch lukrativ?

Rainer Sureth: Ja, denn Kartenzahlungen nehmen immer weiter zu und machen heute bereits fast 43 Prozent des gesamten Einzelhandelsumsatzes aus, Tendenz stark steigend. Im Zuge der anstehenden Begrenzung und Vereinheitlichung der Interbankenentgelte werden Kartenzahlungen für Händler außerdem kostengünstiger und somit auch attraktiver werden. Dadurch wird sich die Akzeptanz im Handel zusätzlich erhöhen.

mobibranche.de: Wie sieht das Erlös- und Gebührenmodell bei ConCardis aus?

Rainer Sureth: Händler kaufen das Lesegerät und zahlen anschließend pro Transaktion eine Gebühr von 0,95 Prozent des Kaufbetrages bei Zahlung mit Debitkarte und 2,75 Prozent bei Kreditkartentransaktionen.

mobilbranche.de: Mobile Wallets und Bezahl-Apps kommen in Deutschland nicht so recht vom Fleck. Was muss geschehen, damit Mobile Payment mit dem Smartphone hierzulande den Durchbruch schafft? Oder brauch es solche Lösungen dank der steigenden Verfügbarkeit von Kartenlesegeräten bei Kleinsthändlern überhaupt nicht mehr?

Rainer Sureth: Immer mehr Menschen werden in Zukunft mobile Zahlsysteme nutzen. Dafür braucht es aber auch die Akzeptanz des Handels. Der scheut sich angesichts der Vielzahl von käuferbasierten Mobile-Payment-Lösungen verständlicherweise davor, sich auf das eine oder andere System festzulegen und entsprechend zu investieren. In den kommenden Jahren werden sich einige wenige Anbieter durchsetzen, dann wird diese Entscheidung für Händler erheblich einfacher werden. Die Entwicklung wird zudem verlangsamt durch das seit jeher gut funktionierende Zahlungssystem auf Basis von Karten. Das kommt auch der Verbreitung von Kartenterminals für das Smartphone zugute. Denn fast jeder Mensch besitzt eine Debit- oder Kreditkarte. Bereits ein paar tausend solcher Kartenterminals ermöglichen also auf einen Schlag Millionen von Kunden mobile Kartenzahlungen. Ein attraktives Szenario für alle Beteiligten. Dieses händlerbasierte Mobile Payment wird die verbraucherorientierten Apps zwar nicht ersetzen, aber doch sehr gut ergänzen.

mobilbranche.de: Gibt es bei ConCardis Überlegungen neben der Chip&PIN-Lösung auch eine eigene Mobile Wallet oder eine Bezahl-App auf den Markt zu bringen?

Rainer Sureth: Wir prüfen und bewerten ständig neue Anwendungen. Alleine in diesem Jahr haben wir die Mobile-Payment-Lösungen von Yapital, MasterPass und V.me in unser Portfolio integriert und stellen damit unseren Händlern ständig vielversprechende Bezahlverfahren zuverlässiger Anbieter zur Verfügung. Uns ist es wichtig, dass unsere Händler von uns alles aus einer Hand bekommen.

mobilbranche.de: Apple experimentiert in den eigenen Apple Stores mit NFC. Das neue iPhone wird die Technologie aller Voraussicht nach unterstützen. Inwiefern könnte das den mPOS verändern und welche Rolle wird die Beacon-Technologie ihrer Meinung nach in Zukunft spielen?

Rainer Sureth: Welche Technologie sich am Ende durchsetzen wird, ist aus meiner Sicht noch nicht ganz klar. Fest steht jedoch, das alles, was den Zahlungsprozess vereinfacht und beschleunigt, im Handel und bei den Kunden willkommen ist. Egal, ob es auf NFC-Chips, QR-Codes, Bluetooth Low Energie oder einer anderen Technologie basiert. Das kontaktlose Bezahlen mit NFC-Technologie hat sehr gute Chancen sich auf breiter Basis zu etablieren. Denn: Die Technologie ist erprobt, viele Händler nutzen entsprechende Kartenterminals und immer mehr Zahlungskarten sind mit NFC-Chip ausgerüstet. Wenn ein großer Akteur dieses System unterstützt, ist das natürlich ebenfalls zuträglich für die Verbreitung.

mobilbranche.de: Mobile Payment wird in fünf Jahren (Bitte vervollständigen Sie den Satz)

Rainer Sureth: …eine viel wichtigere Rolle als heute bei der kanalübergreifenden Zahlung spielen, denn E-Commerce und stationärer Handel werden immer weiter miteinander verschmelzen.

mobilbranche.de: Vielen Dank für das Interview.


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