Interview mit Stephan Steigleder von Deutsche Grammophon zum Launch der Streaming-App: „Hiermit wollen wir eine neue Erlösquelle erschließen.“

von Julian Heck am 25.August 2014 in App Business, Interviews, News

Stephan SteiglederEine App eines Labels, die exklusiv klassische Musik spielt. „Das hat es bisher nicht gegeben.“, kommentiert Stephan Steigleder den Launch der Streaming-App von Deutsche Grammophon, dem Klassiklabel der Universal Music Group. Steigleder verantwortet dort als Senior Director Digital Media das neue App-Angebot. Die Motivation, warum die Deutsche Grammophon als erste Plattenfirma eine Streaming-App auf den Markt bringt, sei ein Mix aus der Reichweitenmaximierung und Geld. Monats- oder Jahresabonnements finanzieren die App, die im App Store kostenlos erhältlich ist. Zentraler Aspekt und Alleinstellungsmerkmal soll neben dem exklusiven Musikangebot das Kuratieren der unzähligen Titel durch Experten sein. „Die redaktionelle Liebe zu alten als auch neueren Aufnahmen ist also gegeben.“, behauptet Stephan Steigleder, der selbst am liebsten „das gute alte Vinyl“ aus den 50ern und 60ern hört.

mobilbranche.de: Ihre neue Streaming-App ist die erste direkt von einer Plattenfirma. Warum hat das so lange gedauert?

Stephan Steigleder: Das ist eine Frage des Marktes und unsere Einschätzung der Business-Möglichkeiten bei unserer speziellen Klassikdemografie. Oben drauf kommt die Vorbereitungszeit, hinter einer solchen App steht eine Menge Infrastruktur und Logistik, das alles benötigt seine Zeit.

mobilbranche.de: Was ist das Ziel, das sie mit der Anwendung verfolgen. Geld verdienen? Reichweite? Prestige?

Stephan Steigleder: Ganz klar Reichweite und Geld verdienen. Wir glauben Kunden ansprechen zu können, die wir vorher nicht erreicht haben. Hiermit wollen wir eine neue Erlösquelle erschließen.

mobilbranche.de: Wie finanziert sich die App?

Stephan Steigleder: Die App finanziert sich aus den kostenpflichtigen Kunden-Abonnements – entweder als 1- oder 12-Monatsabonnement. Besonders die Jahres-Abonnements sind eine interessante Verdienstquelle, weil es einen verlässlichen monatlichen Einkommensstrom bedeutet, der uns ermöglichen soll die App weiter zu entwickeln und zum Beispiel weitere Betriebssysteme wie Android auszurollen.

mobilbranche.de: Was macht eine App, die direkt von einer Plattenfirma kommt besser oder schlechter als die Konkurrenz? Was ist das Alleinstellungsmerkmal?

Stephan Steigleder: Vor allem spielt diese App exklusiv klassische Musik. Das hat es bisher nicht gegeben. Außerdem ist unser Editorialteam im Label integriert, Experten also, die den Katalog der Deutschen Grammophon in- und auswendig kennen. Die redaktionelle Liebe zu alten als auch neueren Aufnahmen ist also gegeben.

mobilbranche.de: Curation scheint das zentrale Stichwort zu sein. Wollen sich die Nutzer ihre eigene Musik nicht selbst zusammenstellen?

Stephan Steigleder: Das können die User durchaus auch machen, es gibt eine Playlistenfunktionalität. Diese kann man dann natürlich auch online in Netzwerken teilen.

mobilbranche.de: Die Plattenindustrie hatte lange mit der Digitalisierung zu kämpfen. Inzwischen hat sich die Umsatzlage wieder etwas entspannt. Wie können Plattenfirmen von „Mobile“ auch in Zukunft profitieren?

Stephan Steigleder: Das Schlagwort aus unserer Sicht ist, eine neue Reichweite zu schaffen.

mobilbranche.de: Gibt es weitere Pläne in Richtung Mobile?

Stephan Steigleder: Natürlich möchten wir schon bald in eine Android-Version investieren, wir werden zunächst aber abwarten, wie der Launch der App verläuft.

mobilbranche.de: „A lovingly curated app for expert and enthusiastic intermediate listeners“ steht in der Beschreibung bei iTunes. Ist die App also nichts für den „Durchschnitts-Hörer“?

Stephan Steigleder: Ein Durchschnittshörer kann durchaus enthusiastisch sein. Die Bespielung der Homepage mit relevantem Content ist hierbei der Schlüssel für die richtige Ansprache der unterschiedlichen Hörer. Sie können also so viel Klassik konsumieren wie sie wollen und unseren Empfehlungen als User gerne folgen.

mobilbranche.de: Wie hören Sie selbst Musik? Streaming, Radio oder sogar der gute alte Walkman?

Stephan Steigleder: Sie werden erstaunt sein, aber ich höre privat am liebsten das gute alte Vinyl und dabei in erster Linie die Originalpressungen der 50er und 60er Jahre. Wobei ich sagen muss, dass unseren heutigen DG Vinyl Re-Issues schon klanglich sehr nah an die sehr seltenen Originalpressungen heranreichen.

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