Interview mit Datarella-Geschäftsführer Jörg Blumtritt zum Call for Data Fiction.

von Fritz Ramisch am 13.August 2014 in App Business, Interviews

Joerg Blumtritt„Wir wollen lernen, wieviel wirklich in unseren Daten steckt“, so Datarella-Geschäftsführer Jörg Blumtritt zum Ziel des kürzlich gestarteten Call for Data Fiction. Der Wettbewerb ruft Entwickler, Kreative und Künstler dazu auf, ein innovatives, fiktives Konzept zu entwickeln, das zeigt, wie Daten in Zukunft durch Sensoren (z.B. am Smartphone) gemessen und genutzt werden können. Grundlage ist eine App des Mobile-Analytics-Startups namens explore. Sie kommt vor allem im stationären Handel, in der Tourismus- und Gesundheitsbranche zum Einsatz. „Mit unserer App ‚explore‘ können wir gezielt nachfragen, wenn Menschen z.B. einen bestimmten Ort besucht haben. Wir können also Fragen, warum ein Kunde des einen Händlers das Geschäft der Konkurrenz besucht hat“, erklärt Blumtritt die Möglichkeiten, die die App bietet. Den Teilnehmern werden anonymisierte Daten, die durch die App erhoben wurden zur Verfügung gestellt. Im Kern geht es aber um die Suche nach „Ideen, nach Inspiration, was man wirklich mit Daten machen kann“. „Die Ideen sollen daher nicht nur die Geo-Daten einbeziehen, sondern insbesondere Messwerte auf den Smartphones, die noch kaum jemand kennt: Magnetfelder, Beschleunigung, Erschütterungen, oder welche Wifis in der Umgebung des Smartphones liegen“, so Blumtritt weiter.

Der Call for Data Fiction richtet sich nicht nur an Entwickler sondern auch Kreative aller Art und soll keine streng organisierte competition, sondern ein Austausch sein. „Ideen, die sich sinnvoll umsetzen lassen, wollen wir gemeinsam mit den Einreichenden weiter entwickeln. Das kann in unserem Unternehmen Datarella sein, oder bei Partnern“, stellt Jörg Blumtritt in Aussicht. Bewerben können sich Entwickler und Kreative noch bis 15.09.2014 auf der Webseite von Datarella.

mobilbranche.de: In der Jugend hat man oft ein klares Bild vor Augen von der Zukunft. Hatten Sie auch solche Science-Fiction-Fantasien und falls ja, sind diese Wirklichkeit geworden?

Jörg Blumtritt: Kryptologie und Spionagetechnik – „Cypherpunk“ – war meine Science
Fiction. Das meiste davon ist Wirklichkeit geworden.

mobilbranche.de: Datarella hat einen Wettbewerb gestartet: Der Call for Data Fiction ruft Entwickler, Kreative und Künstler dazu auf, ein innovatives, fiktives Konzept zu entwickeln, wie Daten in Zukunft durch Sensoren (z.B. am Smartphone) gemessen und genutzt werden können. Grundlage ist die Explorer App von Datarella. Was genau erwarten Sie sich von dem Wettbewerb?

Jörg Blumtritt: „Data is made of people“ („Daten sind aus Menschen gemacht“): unsere Daten stammen von einer großen Anzahl von Smartphones, auf denen unsere App ‚explore‘ installiert ist. Diese Daten erzählen vom Leben der Nutzer. Was wir aus den Daten herauslesen, hängt davon ab, wie wir in den Daten „lesen“. Naheliegende Fragen kennen wir aus unserem Kundengeschäft: „Wer kauft was wo ein?“, „Welche Verkehrsmittel werden wann genutzt?“, „Welche Werbung wird wo wahrgenommen?“. Wir wollen darüber hinaus gehen, und lernen, wieviel wirklich in unseren Daten steckt!

mobilbranche.de: Über die Explorer-App werden Nutzer dazu animiert, Interessen, Orts- und Bewegungsdaten (über Sensoren am Smartphone gemessen) selbst bewusst preiszugeben. Die Daten werden anonymisiert dem Nutzer selbst und anderen Nutzern zur Verfügung gestellt. Ziel ist es Nutzern daraus wertvolle Erkenntnisse zu liefern, die ihm helfen sollen sein Leben noch angenehmer zu gestalten. Was sind Use-Cases (evtl. auch im Big-Data-/B2B-Umfeld) der App?

Jörg Blumtritt: Stationärer Handel ist heute unser wichtigster Usecase. Wenn Leute in den einen Laden gehen, aber im anderen Laden kaufen, können wir nachhaken, woran es gelegen hat: War die Konkurrenz billiger? War der Service nicht überzeugend? Dafür reicht es eben nicht, einfach nur zu beobachten, wo sich Menschen
aufhalten (also die Geolocation), sondern der Kontext warum die Leute etwas gemacht haben, ist entscheidend. Mit unserer App ‚explore‘ können wir gezielt nachfragen, wenn Menschen z.B. einen bestimmten Ort besucht haben. Wir können also Fragen, warum ein Kunde des einen Händlers das Geschäft der Konkurrenz besucht hat. – Anonymität und Datenschutz sind dabei selbstverständlich garantiert.

Tourismus ist unsere zweite Kernbranche. Was machen Touristen aus China, während sie in Deutschland sind? Wo kaufen sie ein, und warum? Daher betreiben wir unsere App ‚explore‘ nicht nur auf Deutsch und Englisch,
sondern auch auf Chinesisch und Russisch.

Gesundheit ist die dritte Säule. Mit Partnern aus der Medizin entwickeln wir Programme, die Menschen interaktiv dabei unterstützen, ihr Leben aktiver zu gestalten. Das sind zum einen Programme im Bereich Fitness
und persönliche Ziele, zum anderen spezielle Hilfe für chronisch Kranke.

mobilbranche.de: Was sind die Anforderungen an die Teilnehmer?

Jörg Blumtritt: An unserem ‚Call for Data Fiction‘ können alle, die Spass daran haben, mitmachen. Wir suchen nicht unbedingt nach technischen Lösungen, sondern eher nach Ideen, nach Inspiration, was man wirklich mit Daten machen kann. Die Ideen sollen daher nicht nur die Geo-Daten einbeziehen, sondern insbesondere Messwerte auf den Smartphones, die noch kaum jemand kennt: Magnetfelder, Beschleunigung, Erschütterungen, oder welche Wifis in der Umgebung des Smartphones liegen.

mobilbranche.de: Wer entscheidet über die Gewinner?

Jörg Blumtritt: Der ‚Call for Data Fiction‘ ist ein Austausch, kein Wettbewerb. Es gibt keine Gewinner. Wir werden jede originelle Idee veröffentlichen. Wir werden also Blogposts auf unserem Blog theqsblog.com schreiben, der international eine gute Leserschaft hat. Als wichtigstes Ziel wollen wir die Szene vernetzen, einen Austausch fördern und Bewusstsein für den Reichtum der Daten schaffen – Big Data mit echten Daten anfassbar und sichtbar machen.

mobilbranche.de: Was hat Datarella mit den Gewinnern vor? Wollt ihr besonders innovative Konzepte selbst umsetzen oder als Investor unterstützen?

Jörg Blumtritt: Ideen, die sich sinnvoll umsetzen lassen, wollen wir gemeinsam mit den Einreichenden weiter entwickeln. Das kann in unserem Unternehmen Datarella sein, oder bei Partnern.

mobilbranche.de: Vielen Dank für das Interview!


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