Facelift: Facebook entledigt sich seines ärgsten Konkurrenten um die Gunst der jungen Nutzer.

Facebook-vs-WhatsappMilliardenschwere Verjüngungskur: Facebook kauft den Kurznachrichten-Dienst WhatsApp für unglaubliche 16 Mrd Dollar. Bis zu 3 Mrd Dollar will Facebook in Form von Aktien für die Mitarbeiter noch drauflegen, wenn diese auch nach der Übernahme an Bord des Messengers bleiben. Der Großteil der Kaufsumme soll in Form von Facebook-Aktien, lediglich 4 Mrd Dollar in bar gezahlt werden. Nach Instagram kauft sich Facebook einmal mehr die verlorengegangene und besonders für Werbekunden unentbehrliche junge Nutzergruppe zurück. Nicht die Übernahme-Nachricht selbst, vielmehr der Preis hat die Tech-Branche in Aufruhr versetzt. “Die haben wohl ein Komma vergessen”, “Das ist doch durchgeknallt” heißt es von Google und Yahoo – beide Unternehmen sind selbst nicht zimperlich bei Milliardenübernahmen. “Das Imperium kauft ein”, titelt WiWo Online und weist in seinem Bericht auf die Vormachtstellung des mit Mehrfachstimmrechten ausgestatteten und dadurch das soziale Netzwerk quasi alleinregierenden Facebook-Gründers Mark Zuckerberg hin. Ein Vorteil gegenüber etwaigen Mitbietern. Die muss es hinsichtlich der enormen Kaufsumme gegeben haben, mutmaßen die “WiWo”-Redakteure Matthias Hohensee und Jana Reiblein. Dem Techblog “The Information” zufolge soll Facebook dem Chat-Dienst sogar Geld geboten haben, um über die Gebote anderer Unternehmen informiert zu werden. Zuckerberg soll den Deal am Valentinstag mit WhatsApp-CEO Jan Koum beim Dessert unter Dach und Fach gebracht haben, wie die “New York Times” berichtet. Spiegel-Redakteur Thomas Schulz befürchtet, dass “selbst kleinste Startup-Klitschen nun dreistellige Millionenbeträge aufrufen könnten” – eine neue Blase? Erst vor wenigen Monaten hatte Snapchat, ebenfalls eine bei jungen Nutzern heiß begehrte Messaging-App, ein Milliarden-Kaufangebot von Facebook ausgeschlagen. Das könnte sich unter den neuen Vorzeichen freilich als klug herausstellen. Denn noch ist unklar ob die in puncto Datenschutz sensibilisierten Nutzer WhatsApp den Deal mit der Datensammelstelle Facebook durchgehen lassen. Denn die Messaging-App verzichtete bislang bewusst auf die Eckpfeiler des Facebook-Geschäftsmodells Werbung, Gimmicks und Spiele und finanzierte sich durch eine jährliche Nutzungsgebühr von 0,99 Dollar. Zwar behauptet WhatsApp selbst profitabel zu sein, riesige Umsätze dürften mit diesem Geschäftsmodell aber nicht zu erwirtschaften sein. Ob WhatsApp nun als unabhängige App bestehen bleibt ist fraglich. Facebook-Chef Mark Zuckerberg möchte daran allerdings keinen Zweifel lassen: “Unsere Strategie ist es uns in den nächsten Jahren darauf zu fokussieren zu wachsen und die gesamte Welt miteinander zu verbinden.” Grund für die Übernahme sind auch die Anleger, die den börsennotierten US-Riesen im Nacken hängen. Sie dulden keinen Stillstand, wollen Rekordzahlen, Fortschritt um jeden Preis. Besonders freuen wird die Übernahme die Investoren von Sequoia Capital. Sie sind einer der wenigen externen Kapitalgeber, die WhatsApp an Bord geholt hat. Für sie dürfte sich der Milliarden-Exit besonders gelohnt haben.
nytimes.comnewsroom.fb.com, theinformation.comwiwo.de, spiegel.de, faz.net

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Unternehmen im Beitrag

4 Antworten zu “Facelift: Facebook entledigt sich seines ärgsten Konkurrenten um die Gunst der jungen Nutzer.”

  1. Tja, das passiert, wenn Economy, ganz gleich welcher Art, zum Selbstzweck wird. Nachhaltiges wirtschaftliches Handeln sieht anders aus. Niemand weiß, auch Zuckerberg nicht, ob sich dieser Deal jemals wird refinazieren lassen. Wie denn auch? Es sei denn, wie kümmern uns nicht um Nutzen, Wert und Gegenwert, sondern mutieren allesamt zu Propheten einer nicht mehr nachvollziehbaren weirid economy, deren einzig Gott der schnöde schnelle Mammon. Treten sie nächer, kommen sie ran, hier werden sie genauso besch.ssen wie nebenan.

    Nicht nur, dass die unreifen entrepreneurial kids mit ihren stat-ups eine Horde von feisten Geldgebernwie Sch.isse die Fliegen anlocken und sich von deren Gier vor sich her treiben lassen, nein, sie entziehen sich selbst die Grundlagen und vernichten das, was sich aus ihren wagemutigen und faszinierenden Ideen an nachhaltigen Geschäftsmodellen vielleicht noch hätte entwickeln und etablieren lassen, um so vielen Ideenlosen in unserer Gesellschaft eine solide Lebensgrundlage zu bieten. An solchen Wertvorstellungen mangelte es bereits Anfang der Jahrtausendwende zur Zeit des ersten Internethypes. Weird economy, stupid.

  2. […] Facebook kauft WhatsApp für 19 Mrd Dollar: Nicht die Übernahme-Nachricht selbst, sondern die Kaufsumme versetzt das Silicon Valley in Aufruhr. Von einer neuen Blase ist da oft die Rede. Für Facebook dürfte sich das Investment lohnen. Auch Snapchat könnte von der Übernahme des Messaging-Dienstes und direkten Konkurrenten profitieren. Unklar ist inwieweit Facebook WhatsApp in sein auf Nutzerdaten und Werbung basierendes Geschäftsmodell eingliedert oder ob WhatsApp als unabhängige App bestehen bleibt. weiterlesen auf mobilbranche.de […]

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