„Zeitgemäße Testmethoden für Apps werden immer wichtiger“: Interview mit Jan Wolter von Applause.

von Sebastian Beintker am 25.Januar 2018 in App Business, Interviews, News

Der App-Markt boomt und immer mehr Menschen auf der ganzen Welt bekommen per Smartphone Zugang zu verschiedensten Anwendungen. Dabei ist es für App-Macher von enormer Wichtigkeit, die eigenen Apps so zu entwickeln, dass sie einerseits genau das Verlangen der User treffen, auf der anderen Seite aber auch perfekt funktionieren. Jan Wolter, General Manager von Applause EU, illustriert im Interview mit mobilbranche.de, welche Testmethoden am besten sind und was App-Macher unbedingt beachten sollten.

mobilbranche.de: Die Lust der User auf Apps ist ungebrochen und steigt sogar noch weiter. Woran liegt das? Gibt es einen Grund für das steigende Verlangen nach Anwendungen?

Jan Wolter: Es sind nicht nur die Apps an sich, die die Nutzer so stark begeistern, sondern das umfassende Nutzererlebnis. Im besten Fall “belohnen” Apps ihre Nutzer mit einem Markenerlebnis, das bei den Nutzern einen Mehrwert in alltäglichen Situationen und Problemstellungen (z. B. Navigation) stiftet, einen Unterhaltungswert bietet oder schnelle Kommunikation in Echtzeit und weltweit ermöglicht.

Marken haben das endlich verstanden. Firmen wie Uber und Waze wurden in der Apps Economy gegründet. Sie sahen die Möglichkeit, ihren Kunden etwas Einzigartiges zu bieten – das heißt, einen Mehrwert für Nutzer zu schaffen – und haben sie genutzt. Aber auch etablierte Unternehmen wie Starbucks haben mittlerweile erkannt, dass sie ihre Kundenerlebnisse auf die digitale Welt ausdehnen können, wenn sie Applikationen sinnvoll verwenden.

Um bei Starbucks zu bleiben: Das Unternehmen hat mit seiner App, die es Kunden ermöglicht, den Kaffee schon vorab zu bestellen, einen vollen Erfolg gelandet und viele Nachahmer auf den Plan gerufen. Ein schönes Beispiel für eine gelungene App.

Bild: Starbucks

mobilbranche.de: Wird sich der oben beschriebene Trend der zunehmenden App-Nutzung noch weiter fortsetzen?

Jan Wolter: Ja und zwar aus folgenden zwei Gründen:

  1. Die Entwicklung von Apps ist heutzutage sehr viel kostengünstiger umzusetzen als noch vor ein paar Jahren. Apps werden daher nicht mehr als Luxusartikel angesehen, sondern gehören zum Standardrepertoire eines Unternehmens.
  2. Der Absatz von Mobiltelefonen nimmt weiterhin zu, was auch die Nachfrage nach Apps weiter beflügeln wird.

mobilbranche.de: Für App-Macher ist das große Interesse der User die ideale Basis, erfolgreich eigene Apps anzubieten. Worauf kommt es an, wenn man mit eigenen Anwendungen erfolgreich bei den Kunden landen möchte?

Jan Wolter: Konsistente und fehlerfreie Nutzererfahrungen sind wichtiger denn je. Mit der zunehmenden Digitalisierung sind auch die Ansprüche der User an Funktionalität und Usability gestiegen.

Damit die Qualität digitaler Produkte mit den hohen Erwartungen Schritt halten kann, bedarf es zeitgemäßer Testmethoden und Technologien. Als Konsequenz ergeben sich für das Testing zahlreiche Herausforderungen: Wie lassen sich digitale Produkte testen und welche Methoden stellen sicher, dass die Lösungen auch unter realen Bedingungen so funktionieren, wie die Hersteller es sich wünschen – und die Nutzer es verlangen?

Software-Testings vor Marktstart sind wichtig, wenn App-Anbieter gewährleisten wollen, dass ihre Produkte in den Händen der Nutzer reibungslos funktionieren. Ein positives Nutzererlebnis ist ein wesentlicher Faktor für die Akzeptanz der Apps. Es ist daher wichtig, dass Unternehmen das komplette digitale Erlebnis ihrer Anwendungen aus den Augen der eigenen Endnutzer betrachten. Nur so können sie nachvollziehen, an welchen Stellen Handlungs- bzw. Optimierungsbedarf besteht. Sie müssen die Qualität der eigenen Anwendungen immer wieder neu überprüfen und an den Nutzern ausrichten.

Nur wenn Anbieter wesentliche Qualitätschecks vor Marktstart der App durchführen, ist ihnen die langfristige Loyalität ihrer Kunden sicher. Nur dann können sie am Ende auch auf ein möglichst großes Stück vom Kuchen des boomenden Marktes für Apps hoffen.

mobilbranche.de: Thema „Erwartungen der User“: Wie ist es möglich, die genauen Erwartungen detailliert zu bestimmen? Existieren dazu bestimmte Methoden, um diese Erwartungen genau zu definieren?

Jan Wolter: Wir bieten verschiedene Methoden, um unseren Kunden alle Market Insights zu liefern, die sie benötigen. Ob es um schnelles Feedback für einen Prototyp geht oder nur die Information, was potenzielle Kunden in ihrem Portemonnaie mit sich herumtragen – mit unseren Umfragen erhalten unsere Kunden Antworten von Personen, die auch wirklich ihrem Kundenprofil entsprechen. Unsere Experten helfen zudem dabei, Stimmungen, Veränderungen und Meinungen am Markt zu verstehen.

mobilbranche.de: Inwieweit spielen dabei verschiedene App-Bereiche eine Rolle? (Bsp: Games, Shopping-Apps, Gesundheit, Business …)

Jan Wolter: Jede Branche hat ihre eigenen Feinheiten und Unterschiede, die es zu beachten gilt. Allerdings gibt es auch viele Gemeinsamkeiten. Es ist heute unabdingbar, dass die Erwartungen der Nutzer bekannt sind und erfüllt werden. Andernfalls entsteht Frust, der wiederum dazu führt, dass Kunden abwandern und nach alternativen Angeboten suchen.

mobilbranche.de: Gibt es grundsätzlich Erwartungsunterschiede zwischen iOS- und Android-Usern?

Jan Wolter: Generell neigen iOS-Nutzer dazu, etwas höhere Erwartungen zu stellen, weil bekanntlich strengere Guidelines für den Release von Apps im Apple Store vorliegen als beim Google Play Store.

mobilbranche.de: Ist die App fertig, so sollte sie vor dem Markteintritt zunächst getestet werden. Nach welchem Fahrplan sollte dies geschehen? Gibt es Testmethoden, die besonders wichtig sind? Und warum?

Jan Wolter: Es wird immer wichtiger, dass Unternehmen sich den hohen Anforderungen der Nutzer mit zeitgemäßen Testmethoden stellen. Um künftig erfolgreiche Applikationen anbieten zu können, müssen Unternehmen nahe am Anwender testen. Nur eine sinnvolle Kombination aus explorativen Tests in realer Nutzerumgebung (z. B. durch Crowdtester) und einer flexiblen Automatisierungsstrategie kann die Komplexität digitaler Produkte abdecken.

Menschlicher Scharfsinn und Kreativität sind nötig, um sowohl oberflächliche als auch tiefgehende Fehler zu finden, die vorab nicht in der unternehmensinternen QA-Abteilung vorhersehbar sind. Mit strukturiertem Testdesign müssen die neuen Angebote zudem so funktional wie möglich gemacht werden und Antworten auf die hohen Erwartungen der User liefern.

mobilbranche.de: Kann es passieren, dass neue Apps trotz idealer Feinabstimmung nach dem Marktstart nicht wie erwartet performen? Worin könnte das Problem liegen und was kann man tun?

Jan Wolter: Um Fehlern vorzubeugen, sollten Produkte nicht im Labor (QA-Abteilung in Unternehmen) getestet werden, sondern von echten Personen, das heißt realen Nutzern aus der passenden Zielgruppe auf echten Geräten (keine Emulatoren) und in Alltagssituationen. Hier bietet sich exploratives Testing an, das immer dann eingesetzt wird, wenn nicht klar ist, was getestet werden muss. Im Grunde dient die Methode dem gleichzeitigen Erlernen von Produktfunktionen, der Erstellung von Testfällen und der Testdurchführung.

mobilbranche.de: Vielen Dank für das Interview.

 


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