Katastrophe im App Store: Richtline 4.2.6 bedeutet Aus für zahlreiche seriöse Template-Apps.

von Sebastian Beintker am 20.Oktober 2017 in App Business, News

Apple kontrolliert mit der Richtline 4.2.6 massiv alle neu eingereichten iOS-Apps. Ziel ist es, dubiose App-Klone und Spam-Anwendungen bereits vor der Veröffentlichung zu blocken. Allerdings fallen immer mehr seriöse Template-Apps von kleinen und mittelständischen Unternehmen der Aktion zum Opfer – ein folgenschweres Problem.

Vorgeschichte

Seit Juni existiert die neue App-Store-Richtlinie 4.2.6, deren Ziel es ist, stärker gegen Klon- und Spam-Apps vorzugehen. Im genauen Wortlaut besagt sie: “Apps created from a commercialized template or app generation service will be rejected.” Die Richtlinie nimmt also Apps ins Visier, die mit einer Template-Software erstellt wurden. Bisher war es mit solchen Tools möglich, auch ohne technisches Knowhow ganz einfach eine eigene App zu entwickeln.

Apples Gründe gegen App-Klone

In den letzten Jahren haben Baukasten-Klone den App Store geradezu überflutet. Curved nennt zwei Gründe, warum Apple seinen App Store davor schützen möchte:

  1. Für Nutzer ist es unkomfortabel, da sie in der Flut der Klone kaum noch die gewünschte Original-App finden.
  2. Neben harmlosen Klonen befinden sich unzählige Kopien von Musikstream-Apps, die raubkopierte Inhalte zur Verfügung stellen, im App Store.

Negative Auswirkungen für seriöse Template-Apps

Durch unseren Kontakt mit verschiedenen App-Entwicklern und Template-Anbietern zeigen sich die negativen Auswirkung der Richtline 4.2.6 sehr deutlich. So berichtet uns z. B. der App-Baukasten-Anbieter AppYourself, dass die mit der eigenen Template-Software eingereichte iOS-Apps zunehmend abgelehnt werden. Kurz nach Start der Richtline 4.2.6 betrug die Ablehnrate knapp über 10 Prozent. Aktuell liegt sie bei 60 Prozent – Tendenz steigend. Betroffen sind davon auch zahlreiche Mitbewerber.

„Die Verbannung von Baukasten-basierten Apps durch Apple sehe ich sehr kritisch. Kleine Unternehmen und Startups werden dadurch klar benachteiligt, indem ihnen der Zugang zum App Store quasi verwehrt wird. In Hinblick auf Fairness und Chancengleichheit kann das nur negativ bewertet werden“, so Benjamin Heisch, CEO von AppYourself, gegenüber mobilbranche.de.

AppYourself zieht nun die Notbremse und stoppt seine iOS-Submissions komplett. Auf der Internetseite des Unternehmens heißt es:

Lösung des Problems

Der verstärkten Ablehnung von Baukasten-Apps seriöser KMUs im App Store begegnet AppYourself nun mit einem neuen Ansatz. Wie das Unternehmen uns mitteilte, möchte es in Zukunft vollständig auf Progressive Web Apps (PWA) setzen.

„Im Grunde handelt es sich um eine Website, die Eigenschaften einer nativen App vereint. Das heißt, sie verhält sich wie eine App und es können typische App Features wie die Chat-Funktion sowie Gerätefunktionen, z. B. Kamera, genutzt werden. Im Vergleich zu ihrer nativen Schwester weist sie noch weitere Eigenschaften auf: Zum einen wird sie stets auf dem aktuellsten Stand gehalten – manuelle Updates gehören somit der Vergangenheit an – und zum anderen funktioniert sie auch offline und mitten in der U-Bahn, wenn die Internetverbindung nicht so umfassend ausgebaut ist“, heißt es in einem Blogbeitrag von AppYourself.

Die Vorteile der PWA auf einen Blick:

  • einfach und kostengünstig zu erstellen
  • direkter Aufruf über Internetbrowser
  • keine umständliche Suche und Download im App Store
  • Integration aller Features einer nativen App
  • stets auf dem aktuellen Stand (keine manuellen Updates nötig)
  • offline nutzbar
  • auf Homescreen des Smartphones ablegbar

„Wir sehen in Progressive Web Apps (PWA) ganz klar die Zukunft, da sie deutliche Vorteile gegenüber nativen Apps, insbesondere für kleine Unternehmen, bieten“, so Benjamin Heisch. Die folgenden drei Screenshots von AppYourself geben einen ersten Einblick, wie eine Umsetzung mit einer Progressive Web App aussehen kann:

  

Ein kleiner Stolperstein

Derzeit ist der volle Funktionsumfang der PWA nur unter Googles Android-Systems nutzbar. Allerdings hat Apple bereits signalisiert, dass die Progressive Web App zeitnah auch unter iOS funktionieren soll. Benjamin Heisch kommentiert das mit den Worten: „Dass Apple bei der Unterstützung von PWAs im iOS Safari hinterherhinkt, ist zwar schade, aber bei den meisten Anwendungsfällen irrelevant.“

 

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