Verkehrsanalyse mittels Mobilfunkdaten: Der Umzug von 1860 München ins Grünwalder Stadion und die Folgen.

von Angela Kreß am 01.August 2017 in Big Data, News

Big Data für die Verkehrsplanung: Viele deutsche Städte wachsen und mit diesem Wachstum müssen auch die Verkehrssysteme optimiert werden. Die meisten Personen, die sich in einer Stadt fortbewegen, generieren mittlerweile Bewegungsdaten im Mobilfunknetz. Diesen Datenberg anonymisiert für die Optimierung der Verkehrssysteme zu nutzen, könnte einen Teil des Problems lösen. Der Datenanalyse-Spezialist Telefónica NEXT und Intraplan, ein Beratungsunternehmen im Verkehrssektor, bieten ab sofort eine der detailliertesten Datengrundlagen für die Verkehrsplanung in der schnell wachsenden Metropole München an und wollen diese bald auch für andere Städte zur Verfügung stellen.

Getestet wurde das Verfahren bei einem Fußballspiel des TSV 1860 München, der vor kurzem von der Allianz Arena vor den Toren Münchens zurück ins traditionsreiche Stadion an der Grünwalder Straße gezogen ist. Das Stadion im Münchner Süden verfügt über keine der Allianz Arena ähnliche Verkehrsanbindung. In den Ergebnissen der Analyse verteilt sich der Pkw-Verkehr besonders auf die zentrumsnahen Zufahrtsstraßen wie Mittlerer Ring, A94 und A96. Auch zeigen die Daten die zunehmende Nutzung des öffentlichen Nahverkehrs auf. Insbesondere die U-Bahn-Linie U1 wird große Fahrgastmengen in und aus Richtung Sendlinger Tor und Hauptbahnhof aufnehmen müssen. Bei den in der vierten Liga durchaus häufigen Abendspielen wird sich der anreisende Fanverkehr zudem in den Berufsverkehr mischen – ein Chaos dürfte somit vorprogrammiert sein.

So verteilen sich die Verkehrsströme zum Grünwalder Stadion. Quelle: Intraplan

„Wir verfügen als nach Kunden führendes Telekommunikationsunternehmen in Deutschland über ein riesiges Datenaufkommen, von dem die Gesellschaft unmittelbar profitieren kann. Deshalb sollte es nicht ungenutzt bleiben“, sagt Robert Erdmann, Senior Practice Leader für Transport Analytics bei Telefónica NEXT. „Wir haben zusammen mit den Experten von Intraplan unter anderem für die Region München die vorhandenen Daten zeitlich und räumlich sehr detailliert aufbereitet. Sie bieten einen echten Mehrwert für die Verkehrsplanung.“ Potentiell könnte die Methode auch bei der Verkehrsplanung anderen Großveranstaltungen sowie an Flughäfen oder Bahnhöfen eingesetzt werden.

Bisherige Messungen des Verkehrsaufkommens sind teilweise sehr aufwendig, teuer und können situationsbedingte Schwankungen, wie beispielsweise bei einem Fußballspiel, nicht erfassen. Klassisch modellierte Verkehrsströme könnten außerdem die Verkehrsverteilung, also die Verknüpfung von Quelle und Ziel, nicht leisten, erklärt Intraplan-Geschäftsführer Markus Schubert. An diesem Punkt soll das neue Verfahren anknüpfen. Aus den Mobilfunkdaten, die im Regelbetrieb von Telefónica Deutschland entstehen und über ein TÜV-zertifiziertes Verfahren anonymisiert sind, sollen Start- und Zielpunkte der Reisenden erfasst werden, wobei kein Rückschluss auf Einzelpersonen möglich ist. In einem zweiten Schritt sollen dann die genutzten Verkehrsmittel analysiert werden. So kann ermittelt werden, wie sich der Verkehr im Netz verteilt und das System daraufhin optimiert werden. Täglich entstehen auf diese Weise mehr als fünf Milliarden Datenpunkte in ganz Deutschland.

So funktioniert das Anonymisierungsverfahren von Telefónica NEXT (zum Vergrößern bitte anklicken)

 


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