Therapie per Chatbot: Mit Künstlicher Intelligenz gegen Depressionen.

von Anika Reker am 08.Juni 2017 in Chatbots, Künstliche Intelligenz, News

Smartphone statt Psychologen-Liege: Für chattende Roboter gibt es eine Vielzahl von Betätigungsfeldern. Sie kommen im Kundenservice zum Einsatz und stehen Nutzern als Shopping-Berater oder Küchenhilfe zur Verfügung. Der WoeBot ist wohl der erste seiner Art, der sein Arbeitsfeld im Bereich der Psychologie hat und den Gang zum klassischen Therapeuten ersetzen oder zumindest ergänzen will. Durch Kommunikation mit dem digitalen Psychologen soll so zum Beispiel Patienten geholfen werden, denen entweder die Zeit oder das Geld für eine Gesprächstherapie fehlt. Entwickelt wurde die Software für die dazugehörige App an der US-amerikanischen Stanford-Universität von einem Team aus Psychologen und Experten für Künstliche Intelligenz, wie WIRED berichtet.

Um die mentale Gesundheit des Nutzers kümmert sich der Woebot, indem er täglich mit diesem per Chat in Kontakt tritt und sich aktiv nach den Sorgen, Probleme und anderen Dinge erkundigt, die den Nutzer im Alltag beschäftigen und belasten. Darauf basierend erstellt er ein Tracking der Stimmung, das dem Anwender dabei helfen soll, gewisse Muster in seinem Leben zu erkennen. Den großen Vorteil gegenüber einem Therapeuten aus Fleisch und Blut sieht Alison Darcy, eine der Stanford-Psychologinnen, darin, dass es sich eben um ein absolut neutrales Computerprogramm handelt, bei dem der Nutzer in keiner Weise das Gefühl haben muss, beurteilt zu werden. Deswegen hätten die Entwickler der Software auch bewusst auf den Einsatz von Machine Learning verzichtet, die der Technik erlauben würde, sich rasend schnell weiterzuentwickeln. „WoeBot ist keine Künstliche Intelligenz, die dir auf magische Weise Dinge erzählen wird, die du bisher nicht über dich selbst wusstest,“ erklärt Darcy.

Die Wirksamkeit ihres Produktes ließen sich die Forscher der Stanford-Universität in einem Experiment bestätigen. 70 Studenten verwendeten über zwei Wochen lang entweder den WoeBot oder ein E-Book zur Selbsthilfe. Der Teil der Versuchsgruppe, der per Chatbot therapiert wurde, berichtete am Ende der Versuchsphase über weniger Angst- und Depressionszustände. Externe Wissenschaftler kritisierten die Aussagekraft dieses Experimentes. Laut Steven Chan von der American Psychiatric Association sei es zum Beispiel sinnvoller gewesen, den WoeBot mit einem echten Therapeuten zu vergleichen, mit dem die Versuchspersonen per Messenger in der Zeit kommuniziert hätten.

Insgesamt dauerte die Entwicklungsphase der Software etwa ein Jahr, in der die Forscher zunächst eine Beta-Version erstellten und klinische Daten sammelten. Jetzt ist die Technik offiziell gelauncht worden und kostet Nutzer pro Monat 39 Dollar.

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