Kaum Innovation auf dem Mobile World Congress 2017.

von Philipp von Roeder am 03.März 2017 in Geräte, News, Trends

Ausgerechnet die Neuuflage des Einfach-Handys Nokia 3310 war der Star des MWC

Ausgerechnet die Neuauflage des Einfach-Handys Nokia 3310 war der Star des MWC

Der Mobile World Congress (MWC), das Hochamt der Mobilbranche, ging gestern Abend nach vier langen Tagen zu Ende. Bereits am Mittwoch schloss das Nebenevent 4YFN, sprich Four Years From Now. Beide waren gut besucht – aber man hatte den Eindruck, dass es weniger voll war als in vergangenen Jahren.

Zu sehen gab es wie immer die neuesten Telefonmodelle und andere Technologie-Highlights wie Roboter mit mehr oder weniger künstlicher „Intelligenz“, verbesserte Virtual-Reality-Produkte sowie 5G, die neueste Generation der Mobilfunktechnologie. 5G wurde groß präsentiert und die Netzbetreiber, die eigentlichen Veranstalter des MWC, zeigen wieder Größe wie in vergangenen Zeiten. Allerdings, während 5G sicher ein großer technologischer Fortschritt ist, so taugt 5G einfach nicht zum Aha-Effekt, da es kein greifbares Produkt ist. Was fehlte, waren also spannende Innovationen, über die alle reden. Es wurde zwar gesprochen, aber eben nicht über eine Innovation, sondern über den Nokia-Klassiker 3310, ein Feature-Telefon, welches sich in der heutigen Smartphone-Ära ausnimmt wie ein Propellerflugzeug verglichen mit einer Space-X-Rakete. Der Stand vom chinesischen Hersteller HMD, der die Markenrechte von Nokia fürs Handygeschäft erworben hat, war durchgehend belagert und insbesondere die jüngeren Besucher waren von Talk-Zeiten von 46 Stunden und Standby-Zeiten von bis zu einem Monat sichtlich beeindruckt. Aber was bedeutet es für die Mobilindustrie, wenn ein uraltes Retrophone der „Talk der Messe“ ist? Ist schon alles erfunden? Brauchen wir nichts mehr? Es sieht fast danach aus. So ähneln sich die Flagschiff-Smartphones aller großer Marken, da sie sich an den Marktführern Samsung und Apple orientieren. Das Huawei P10, übrigens ausgestattet mit einer wirklich tollen Kamera, schaut beispielsweise von vorne aus wie ein Samsung Galaxy und von hinten wie ein iPhone 7. Es gibt hier und da zaghafte Versuche, eine eigene Formsprache zu finden, beispielsweise beim Huawei „Honor“, das den Samsung Edge-Gedanken deutlich weiter treibt und an drei Seiten abgerundet ist wie ein Kieselstein – leider nicht für den europäischen Markt. Man hört, dass Sony für 2018 ein ähnliches Konzept in Arbeit hat.

Sony zeigt eine herausragende Innovation

Klavierspielen mit dem Projektor Experia Touch von Sony

Klavierspielen mit dem Projektor Experia Touch von Sony

Der einstmalige Markenriese zeigte allerdings bereits in diesem Jahr eine wirklich spannende Neuheit, die leider an vielen Besuchern vorbei ging: der Projektor „Experia Touch“ hat ein Android-Betriebssystem im Gepäck und macht aus jeder geraden Oberfläche einen „Touchscreen“ inklusive pinch und swipe, wie man es vom Smartphone kenn. Der verbaute Prozessor ist so schnell, dass man damit sogar auf einem Klavier, bei dem die Tasten nur aus Licht bestehen, spielen kann. Stellt man das Gerät anders hin, wirft es das Bild an die Wand und man kann es aus gewisser Entfernung mittels Gesten steuern – das ist nicht nur eine ganze Reihe von Spielen interessant. Alles in einem kleinen bedarfsweise batteriebetriebenen Kästchen von ca 15x15x5 Zentimetern, also vergleichbar mit Amazon Echo oder Google Home. Nun fehlt nur noch die Intelligenz und aus diesem Gerät wird ein kleines Wunderwerk für den privaten aber sicher auch für den geschäftlichen Einsatz. Wermutstropfen: es wird das „Experia Touch“ nur in kleiner Auflage und zu einem vergleichsweise hohen Preis geben. Aber es ist ein Anfang und eine echte Innovation.

Virtual Reality wird immer besser

Nokia OZO auf der Samsung Gear

Nokia OZO auf der Samsung Gear

Nokia zeigte, was im Bereich VR in Zukunft mit recht geringen Mitteln möglich ist. „OZO“ ist eine 360-Grad-Kamera, mit der man VR-Videos aufnehmen kann. Dazu werden die Streams vieler kugelförmig angebrachter Linsen zu einem einzigen virtuellen Raum zusammen gefügt. Damit kommt der Zuschauer näher an die gezeigten Objekte und vor allem Personen, als es in Wirklichkeit möglich wäre. Besonders bemerkenswert: „OZO“ kann die Videos sogar live und direkt in die VR-Brille übertragen. Damit tun sich neue Erlösmodelle zum Beispiel für Konzerte oder Sportereignisse auf, aber natürlich auch beim klassischen Innovationstreiber des „Adult Entertainment“.

Autohersteller waren auf dem MWC präsent wie nie

Auffällig und häufig kommentiert war die Präsenz vieler Autohersteller auf dem MWC 2017. Sie zeigten Neuheiten, häufig in Zusammenarbeit mit einem kleineren Partner bis hin zu Startups. Man merkt klar, dass die Autohersteller aufgewacht sind und den Platz um das mobile Innenleben ihrer Fahrzeuge nicht kampflos aufgeben wollen. So zeigten unter anderem Ford, Volvo und Seat spannende Ideen und Services, die das Leben der Kunden verbessern sollen. Auch der Erfinder des Automobils war mit einem großen Stand zugegen: Hier stand das Thema „Digital Life“ ganz im Vordergrund und Mercedes-Benz zeigte ganz klar, dass es offen ist für die Zusammenarbeit mit innovativen Partnern. Dazu betreiben die Schwaben Innovations-Hubs in San Francisco, Berlin, Israel und natürlich auch in Stuttgart.

Der kleine aber spannende Bruder 4YFN

Was vor vier Jahren als kleines Seitenevent rund um Startups zum MWC zu locken begann, ist inzwischen ein ausgewachsener Kongress und Messe mit mehr als 600 internationalen Startups, die ihre Ideen präsentiert haben. Die meisten kamen mit Unterstützung der Innovationsprogramme ihrer Herkunftsländer. Vertreten waren Startups aus in Europa nur selten präsenten Länderprogrammen wie Pakistan, Sri Lanka, Kuwait, Argentinien, Kolumbien, Taiwan und Südkorea, aber auch Startups aus UK, USA, Israel, Spanien und wie immer sehr präsent, Frankreich mit „La French Tech“. Deutsche Startups waren auf der 4YFN über den Telekom Hubraum vertreten, aber leider macht Deutschland in der Außenwirkung keine gute Figur. Das hängt mit den föderalen Strukturen zusammen, die dazu führen, dass es zwar aufwändige Unterstützung und Gemeinschaftsstände gibt, diese aber nicht unter einer einheitlichen Marke auftreten. Auf dem Mutterkongress MWC präsentierten Startups unter anderem aus Land Rheinland-Pfalz und am Gemeinschaftsstand von Berlin und Brandenburg ihre durchaus spannenden Innovationen. Es wäre sicher hilfreich für den Standort Deutschland, wenn diese Aktivitäten unter einem einheitlichen Markendach international gezeigt würden, wie es „La French Tech“ auf vielen großen und kleinen Kongressen vormacht.

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