Auf Platz 1 im App Store dank dem Instagram-Trend „Best Nine“.

von Gastautor am 07.Februar 2017 in App Business, News, Trends

OMR17_300x250_GERDas Online Marketing Rockstars Festival in Hamburg wird immer mehr zum Pflichttermin der Branche. Zur nächsten Ausgabe am 2. und 3. März erwarten die Macher rund 25.000 Besucher. Besonders spannend für mobilbranche.de-Leser dürfte der Themenstrang Mobile & Messaging am 3. März auf der Expo Stage werden, bei dem u.a. der User-Acquisition-Experte Eric Seufert (Heracles) spricht. Auch im heutigen Gastbeitrag geht es um erfolgreiche Nutzerakquisition. Martin Gardt von den Online Marketing Rockstars zeigt, wie ein App-Entwickler 300.000 Nutzer in 24 Stunden gewonnen hat.

Von Martin Gardt

Auch Ende 2016 haben Instagram-Nutzer und -Influencer wieder ihre neun erfolgreichsten Beiträge in einer Collage auf der Plattform gepostet. Der Trend der sogenannten „Best Nine“ war 2015 das erste Mal in großem Stil aufgetaucht. Dieses Mal ist ein App-Entwickler und Marketer auf den Zug aufgesprungen und hat eine passende App in mehreren Ländern auf Platz 1 der App-Charts gepusht und 300.000 Nutzer in 24 Stunden gewonnen. Wir zeigen, wie er das geschafft hat.

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Best Nine Post von Instagram-Star Kylie Jenner

Andy McCune hat nach eigenen Angaben bisher elf Apps veröffentlicht und damit vier Millionen Nutzer gewonnen. Das Jahr 2016 wollte er dann mit einem Knall beenden und suchte sich eine Viral-Idee. Sein Ziel: Mit 2.000 US-Dollar Marketing-Budget so viele Nutzer wie möglich gewinnen. Nach kurzer Suche stößt er auf das Phänomen „Best Nine“ – eine Webseite, auf der Nutzer ihren Instagram-Namen eingeben. Eine Software sucht dann die neun Bilder oder Videos des Nutzers heraus, die im vergangenen Jahr die meisten Likes und Kommentare gesammelt haben. Das Programm erstellt automatisch eine Collage aus den Inhalten – die lässt sich mit einem Klick bei Instagram teilen. Stars der Plattform wie Kylie Jenner (83 Millionen Follower), Viola Davis (US-Schauspielerin) oder Sophia Thomalla (523.000 Follower) posten genauso ihre Collagen wie viele Normalo-Nutzer.

Erst die Zielgruppe, dann das Projekt

„Der Schlüssel zu jeder Viral-Kampagne ist Reverse Engineering“, sagt Andy McCune. Man solle den Kanal betrachten, auf dem die Reichweite entstehen soll und daraus die Idee entwickeln. Da McCune gleichzeitig eine Influencer-Marketing-Plattform aufbaut, steht für ihn schnell fest, dass er eine App mit Instagram-Bezug entwickeln will, um diese dann über Influencer zu vermarkten – mit einem Gesamtbudget von 2.000 US-Dollar.

„Der wichtigste Faktor für App-Viralität über Social Media ist Social Proof“, sagt McCune. Er sucht also nach einem Phänomen, dass schon auf Plattformen und bei Nutzern angekommen war. Hier kam „Best Nine“ ins Spiel. 2015 hatte Yusuke Matsumura das Online-Tool vorgestellt – sofort nutzten Influencer und Instagram-Nutzer das Programm, um automatisch eine Collage aus ihren neun beliebtesten Bildern zu erstellen. Beim Teilen der Collage landet das Hashtag #2015bestnine im Post – so verbreitet sich der Trend auf der Plattform – Native Advertising durch Instagram-Stars. 2015 gab es über 1,3 Millionen Beiträge mit eben diesem Hashtag. Laut dem Analyse-Tool Similar Web verzeichnet Matsumaras Seite allein im Dezember 2015 über 2,2 Millionen Visits (im Dezember 2016 sind es sogar 8,5 Millionen). McCune nimmt also an, dass es 2016 wieder so läuft und will seine virale App genau zu diesem Thema entwickeln.

Einfache App mit großem Effekt

McCune schaut im App-Store, ob es bereits Konkurrenz für seine Idee gibt – Fehlanzeige. Und das, obwohl die Webseite von Yusuke Matsumura 2015bestnine.com Ende 2015 über eine Millionen Visits pro Tag verzeichnet hatte. Innerhalb von zwei Stunden baut er ein Konzept und programmiert die App mit Apples Software Swift. Zwei Tage nach der Idee ist die App unter dem Namen Top Nine im Store.

In der App geben die Nutzer ihren Instagram-Namen ein und automatisch werden die neun erfolgreichsten Posts des Accounts zusammengestellt. Das Bild kann dann mit einem Klick bei Instagram geteilt werden – darunter steht immer „Made With Top Nine App“. So sehen andere Instagrammer, wie sie ebenfalls eine solche Collage erstellen können. Um im App Store erfolgreich bei der Suche zu ranken, sucht McCune dann noch nach passenden Keywords. Besonders der Titel entscheidet im App Store über das Ranking, er landet bei: „Top Nine for Instagram – Best Of 2016“. Er will mit „Top Nine“, „Instagram“ und „2016“ in der Suche auftauchen und so zusätzliche Nutzer gewinnen.

Die App zu den Nutzern pushen

Um Awareness in genau der richtigen Zielgruppe zu generieren, kauft er gesponserte Posts bei Influencern für insgesamt 1.700 US-Dollar. Instagrammer mit vielen Followern posten ihre Collage und erwähnen die App im Posting. Influencer wie Zoe Lazerson (213.000 Follower) oder Mathi Sellanes (572.000 Follower) posten ihre Collagen sogar nur in Instagram Stories – was bedeutet, dass der Verweis auf die App nach 24 Stunden verschwindet. Durch die Ausgaben erreicht das Team 6.400 Nutzer innerhalb eines Tages. Obwohl dann das Budget aufgebraucht ist, kommen auch am nächsten Tag noch einmal etwa 6.000 Nutzer dazu – das erste Zeichen, dass organische App-Downloads dazu kommen. Zwei Tage später, am 30. Dezember 2016 geht der große Boom los, die Top Nine App sammelt über 40.000 Downloads.

Downloads Top Nine App

Die Download-Entwicklung der Top Nine App

Durch die zusätzlichen Downloads, landet die App am 31. Dezember in den US-iTunes-Charts und im Trending-Bereich der Suche – was jeweils noch einmal extrem auf weitere organische Downloads einzahlt. Hinzu kommt, dass die meisten Nutzer sich mit der Collage ihrer besten Beiträge aus dem Jahr verabschieden wollen. Zum Jahreswechsel liegt die Top Nine App auf Platz neun in den USA und an der Spitze der App-Store-Charts in Schweden, Finnland und Lettland. In Deutschland schafft sie es immerhin in die Top-150 auf Platz 122. Insgesamt wird die App am 31. Dezember weltweit knapp 300.000 Mal herunter geladen.

So funktioniert Viralität

Insgesamt sind es also vier Faktoren, die für den Erfolg der App verantwortlich sind: Ein erster Push durch kleinere Influencer, folgende organische Downloads, wodurch mehrere Keywords in der Trending-Kategorie der Suche landen, Aufstieg in den App-Store-Charts und Shares von großen Influencern. Das alles gelingt der Top Nine App innerhalb von fünf Tagen. Das Interesse ist im neuen Jahr deutlich abgeflacht und Geld verdient hat McCune mit seinem Viral-App-Experiment auch nicht – er wollte wohl nur beweisen, welche Kraft auch kleine Influencer, die er bei seiner Agentur beschäftigt, haben können. Vielleicht nutzen im nächsten Jahr ja Kendall Jenner & Co. die App, dann sollten noch mehr Downloads drin sein.

Top Nine Influencer

Die beiden „Full House“-Schauspielerinnen Candace Bure und Jodie Sweetin nutzen die Top Nine App.

Dieser Beitrag erschien zuerst bei Online Marketing Rockstars Daily.


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