Exklusiv: Trademob wird von Adikteev übernommen – Interview mit Trademob-Gründer Mark Kamran.

von Florian Treiß am 16.Januar 2017 in Interviews, Mobile Advertising, News

Mark Kamran, Trademob-Gründer

Mark Kamran, Trademob-Gründer

Exit an der Spree: Trademob, ein Spezialist für Mobile App User Acquisition und Retargeting aus Berlin, wird von Adikteev aus Paris übernommen, einem Unternehmen, das sich als „Machine Learning Driven Marketing Platform“ bezeichnet. Trademob-Gründer Mark Kamran sagt im Interview mit mobilbranche.de, dass das große Potenzial des Zusammenschlusses „vor allem in der Zusammenführung der Technologien liegt, die eine bisher im Markt nicht mögliche Kombination von Kampagnen erlaubt.“ Zudem bringe der Zusammenschluss große Vorteile im internationalen Vertrieb, denn Kamran glaubt, „dass man im Adtech-Bereich durch Holdings bzw. Zusammenführungen von Technologien und Vertriebsmannschaften häufig besser aufgestellt ist, als alles selber aufbauen zu wollen.“ Was er über das CEO-Intermezzo von Heiko Genzlinger (Ex-Deutschlandchef von Yahoo) bei Trademob sagt und ob es ihm nicht weh tut, sein „Baby“ Trademob zu verkaufen, beantwortet Mark Kamran in unserem Interview.

mobilbranche.de: Trademob wird Teil des französischen Marketing-Spezialisten Adikteev. Was hat Trademob von der Übernahme durch Adikteev?

Mark Kamran: Trademob profitiert sowohl technisch als auch beim Vertrieb. Adikteev besitzt eine beeindruckende Branding- und Creative-Technologie, die sich ebenso im Performance-Bereich einsetzen lässt. Dies war bereits sichtbar bei unserer ersten gemeinsamen Kampagne im Sommer, als sie ein App-Game von Gameloft in ein Playable Ad umgebaut haben und wir dies datentechnisch mit unserer DSP verbinden konnten. Somit konnten wir bereits die Interaktivität der Nutzer mit dem Banner-Spiel nutzen, um die Kampagne zu optimieren. Das hat Game Publisher und auch uns sehr beeindruckt. Darüberhinaus verfügt Adikteev über eine schlagkräftige Vertriebsmannschaft in Frankreich und den USA, die Trademob bei den Expansionsplänen sehr gut unterstützen kann. Das erlaubt uns, deutlich schneller internationale Werbetreibende mit unserer Technologie zu adressieren.

mobilbranche.de: Und umgekehrt, was hat Adikteev von der Trademob-Übernahme?

Mark Kamran: Trademob hat über die letzten 4 Jahre und vor allem im letzten Jahr die Mobile DSP Technologie kontinuierlich ausgebaut. Inzwischen sind wir in der Lage, innerhalb eines Tages in fast jedem Land der Welt effektive Mobile Retargeting und User Acquisition Kampagnen zu schalten. Die Algorithmen sind gut entwickelt und wir haben ein sehr eingespieltes Team. Diese Technologie kann Adikteev für seine Brand-Performance-Kampagnen einsetzen. Darüberhinaus freuen sie sich, über uns Zugang zum deutschen Markt zu erhalten. Und letztlich ist Adikteev natürlich auch an unseren über die Jahre aufgebauten Bestandskunden interessiert und an dem damit verbundenen Umsatz. Das große Potenzial liegt vor allem in der Zusammenführung der Technologien, die eine bisher im Markt nicht mögliche Kombination von Kampagnen erlaubt.

mobilbranche.de: Ihr habt schon seit letztem Sommer mit Adikteev zusammengearbeitet. Wie kam es zu der Idee, dass aus einer losen Kooperation eine Übernahme werden könnte?

Mark Kamran: Nachdem wir die Gameloft-Kampagne zusammen ausgerollt hatten, waren beide Seiten beeindruckt von der Technologie und dem Team des Partners. Daraufhin haben wir weitere Kampagnen gemeinsam geschaltet und parallel besprochen, wie wir das gemeinsame Potenzial besser nutzen können. Hierbei war recht schnell klar, dass ein dauerhaftes, wirtschaftlich übereinstimmendes Interesse notwendig ist, um tiefere Integrationen zu rechtfertigen. Der Plan einer Übernahme bzw. die Zusammenführung in eine Holding war geboren.

mobilbranche.de: War es für Trademob auf Dauer einfach zu schwierig, als deutsches Unternehmen andere Märkte zu erschließen?

Mark Kamran: Trademob hat als DSP bereits gut internationale Kunden gewinnen können. Aus früheren Tests haben wir gelernt, dass es im Adtech-Markt mindestens 2 Jahre braucht, bis man eine internationale Vertriebsmannschaft aufgebaut hat. Diese Zeit wollten wir uns einfach sparen und schneller sein als andere Mitspieler. Es zeigt sich bereits, dass diese Strategie aufgeht. Generell glaube ich, dass man im Adtech-Bereich durch Holdings bzw. Zusammenführungen von Technologien und Vertriebsmannschaften häufig besser aufgestellt ist, als alles selber aufbauen zu wollen.

mobilbranche.de: Bei Trademob gab es zwischenzeitlich spannende Personalien, u.a. habt Ihr 2014 den Ex-Deutschlandchef von Yahoo, Heiko Genzlinger, als CEO geholt, doch er blieb nicht mal zwei Jahre. Hat Euch der frische Wind von außen Euch etwas gebracht – oder Euch eher vom Kurs abgebracht?

Mark Kamran: Bei Trademob wurden zwischenzeitlich eher die Branding-Themen fokussiert. Jedoch hat sich gezeigt, dass es Erfolg versprechender ist, bei der eigenen DNA zu bleiben, und das ist bei Trademob nun mal der Performance-Bereich. Wir haben uns 2016 auf unsere Wurzeln refokussiert, die ja nie ganz verloren waren, und das ist offensichtlich das erfolgreichere Konzept.

mobilbranche.de: Trademob ist ja „Dein Baby“, Du hast die Firma 2010 gegründet. Tut es Dir nicht ein bisschen weh, Trademob zu verkaufen?

Mark Kamran: Nicht wirklich, da wir ja nicht ausscheiden, sondern nun Gesellschafter an der Mutterfirma sind und Trademob damit einfach sein Potenzial weiter vergrößert. Außerdem ist es unglaublich spannend, mit einem Schlag auf so eine Technologie und internationale Vertriebsmannschaft zugreifen zu können. Und letztlich hat Adikteev ein sehr gutes Team, mit dem es einfach Spaß macht zusammenzuarbeiten.

mobilbranche.de: Welche Rolle wirst Du selbst künftig bei Trademob bzw. Adikteev spielen?

Mark Kamran: Ich werde bei Trademob weiterhin als CEO agieren und meine Gesellschafterrolle nun bei Adikteev und in ihrem Board wahrnehmen.

mobilbranche.de: Wo wird Trademob/Adikteev in fünf Jahren stehen?

Mark Kamran: Adtech entwickelt sich so rasant, dass fünf Jahre eine kleine Ewigkeit sind und ich mir maximal Vorausblicke für zwei Jahre erlaube. Ich würde mich sehr freuen, wenn wir als Adikteev-Gruppe in zwei Jahren ein signifikanter globaler Player sind, der die Marketingziele vieler internationaler Advertiser verwirklicht. Sowohl beim Branding als auch im Performance-Bereich.

mobilbranche.de: Vielen Dank für das Interview!


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