„Jeder Professional muss sich mit Chatbots auseinandersetzen“: Interview mit Laurent Burdin.

von Kay Ulrike Treiß am 17.Januar 2017 in Chatbots, Interviews, News

Laurent Burdin

Laurent Burdin

„Es wird unsere digitale Welt völlig verändern“, sagt Laurent Burdin über Chatbots. Der Digital-Experte hat 2015 die größten Digital-Städte der Welt bereist und wurde damals bereits auf den Boom von Chatbots in Asien aufmerksam. Mittlerweile hat er mit seiner Agentur Space and Lemon einen eigenen Chatbot für den Facebook Messenger entwickelt. Im mobilbranche.de-Seminar „Chatbots, AI und neue Ökosysteme“ am 7. Februar 2017 sowie 7. Juni 2017 in Berlin verrät er praktische Best-Practices für die Entwicklung von AI-Modellen für Chatbots, Sprachsteuerungen und den damit verbundenen neuen Ökosystemen. Wir haben mit Laurent Burdin im Vorfeld des Seminars gesprochen, wie schwierig es ist, einen guten Bot zu entwickeln und was die Seminarteilnehmer für sich mitnehmen können.

mobilbranche.de: Du hast vor nicht mal einem halben Jahr das erste mobilbranche.de-Seminar zu Chatbots gegeben. Hat sich die Bedeutung der Bots in dieser kurzen Zeit verändert?

Laurent Burdin: Chatbots rückten erst 2016 ins Visier der Branche, insbesondere als Facebook sie in der Messenger-App einführte. Sie nehmen heute mit der Einführung von virtuellen Assistenten wie Alexa von Amazon massiv an Bedeutung zu. Das Prinzip der automatisierten Konversation in Alexa oder in einem Chatbot ist genau das Gleiche.

mobilbranche.de: Hat die Zahl der Bots zugenommen? Oder konnten sich im Gegenteil einige Bots gar nicht durchsetzen?

Laurent Burdin: Die Zahl der Bots hat zugenommen und – genau wie vor 10 Jahren bei dem Start der App-Entwicklung – werden Bots für jeden Usecase entwickelt. Nicht alle sind sehr sinnvoll und nicht alle sind intelligent (die Bots!). Die Zahl der Bots auf Messaging-Plattformen beträgt rund 35.000, jedoch hat Facebook bislang zu wenig für diese Gattung getan. Diese Aufgabe übernimmt gerade Amazon Alexa und es wird unsere digitale Welt völlig verändern.

mobilbranche.de: Ist es schwieriger geworden gute Chatbots zu entwickeln? Also steigt der Anspruch der Nutzer?

Laurent Burdin: Heute ist es viel einfacher, gute Bots zu entwickeln. Kommen wir darauf zurück, wie ein Bot entwickelt wird (Thema des Seminars am 7. Februar): es werden Tools und Plattformen verwendet. Am Ende ist ein AI-Setup so schwierig, dass man es nur mit Tools löst. Wir nennen es DIY AI (Do-It-Yourself Artificial Intelligence). Eben diese Tools wurden in den letzten acht Monaten stark verbessert: mehr Tools und bessere Tools. Alle Tech-Giganten mischen mit eigenen Systemen mit: Microsoft Bot Platform, Google API.ai und GCP, Amazon Alexa, IBM Watson Suite, Facebook Messenger / wit.ai, Zendesk für Onsite und Baidu. Gleichzeitig wächst der Anspruch des Nutzers. Das sehen wir an unserem eigenen Space and Lemon Digital News Chatbot mit 1.100 Followern und vielen Konversationen, die wir einzeln auswerten und in das AI Setup einpflegen, um den Chatbot zu trainieren.

mobilbranche.de: Was ist aus Deiner Erfahrung das Beste an Chatbots? Also worauf möchtest Du nicht mehr verzichten?

Laurent Burdin: Chatbots sind der Katalysator aller aktuellen digitalen Entwicklungen und jeder Professional der Branche muss sich damit auseinandersetzen. Man lernt AI-orientierte technische Architektur, AI-Modelling, Natural Language Processing (also viel Sprache) und Machine Learning Plattformen. Dazu muss man seine Nutzer sehr gut kennen: ihre Sprache, ihre Bedürfnisse, ihre Gewohnheiten. Auf einige eher news-orientierte Bots kann ich persönlich nicht mehr verzichten: Quarz, Tech In Asia und dann noch der Timer von Amazon Dot.

mobilbranche.de: Du hast schon angedeutet, dass Sprachsteuerungen wie Alexa den Chatbots ähneln. Wieso genau?

Laurent Burdin: Alexa ist eine Bot-Plattform. Die Nutzung sowie der Aufbau von Alexa Skills ähneln Chatbots, nur geschieht die Ausgabe bei Alexa über Sprache anstatt Text. Die Klaviatur ist genau gleich: Natural Language Processing (NLP), Machine Learning, Anbindung an externen Datenbanken, Konversationstrainings, semantische Textvorarbeit und gute Usecases. Während des Seminars werden wir die großen Schritte zum Aufbau von Alexa Skills beleuchten und sie mit dem Aufbau von Chatbots vergleichen. Und das alles in einem Theaterstück.

mobilbranche.de: Was können die Seminarteilnehmer aus deinem Seminar mitnehmen und konkret für sich bzw. ihre Arbeit anwenden?

Laurent Burdin: Das Seminar ist eine große Entdeckungsreise und ein Theater. Es zeigt anfangs, auf welchen technologischen Entwicklungen Bots basieren. Dann schauen wir auf gute Beispiele aus der ganzen Welt. Danach analysieren wir Schritt für Schritt den Aufbau eines Bots. Wir werden am Ende des Tages einen Bot als Mock-up entwickeln, in zwei Gruppen. Und die Ergebnisse in einem Theater-Stück präsentieren. Gelernt werden: das weltweite AI-Schachspiel, die Chatbot Aufbaulogik, AI-Modelling, Plattformen der großen Techfirmen, Live-Aufbau eines Bots und ein Prototyp.

mobilbranche.de: Vielen Dank für das Interview – wir freuen uns sehr auf das Seminar „Chatbots, AI und neue Ökosysteme“ mit Dir!

 

 


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