Mobilfunkunternehmen stellen die Weichen für Mobile Payment – schon wieder.

von Maik Klotz am 21.März 2016 in Mobile Payment, Netzbetreiber, News, Ökosysteme

Bild: Deutsche Telekom

Bild: Telekom

Der Klangforscher Heinz Barth aus Halle an der Saale kann Steine zum Singen bringen. Manchmal. Denn mit vielen Steinen geht das nämlich nicht. Die können nur klingen.

So ähnlich verhält es sich mit den Bemühungen der Deutschen Telekom, Mobile Payment zu etablieren. Immer wenn ich über den Durchbruch beim Mobile Payment lese, denke ich an Heinz und muss lächeln. Schaut man sich die Bezahlverfahren der Mobilfunkbetreiber im Detail an, stellt man fest: Mit diesem Smartphone geht das leider nicht, das kann nur klingen.

CeBIT: Mobilfunker stellen Mobile Payment mit der Girocard vor

Letzte Woche war die CeBIT und zusammen mit der Volks- und Raiffeisenbanken stellten die Mobilfunkbetreiber Mobile Payment mit der Girocard vor. “Bald bis zu 26 Millionen girocards in mobile Wallets” und “Auf der CeBIT wurden die Weichen für das mobile Bezahlen in Deutschland gestellt” verkündete die Telekom letzte Woche in ihrer Pressemitteilung. Jetzt, 2016 werden also die Weichen gestellt. Zur Erinnerung, im Jahr 2012 meldete die Telekom “Wir schaffen eine neue Welt des Zahlens” und schon 2008 startete man zusammen mit O2 und Vodafone das Gemeinschaftsunternehmen Mpass, um Mobile Payment nach vorne zu bringen. Finde den Fehler.

Martin Schurig/ Telefonica, Alexander Saul/ Vodafone, Dr. Andreas Martin/ Vorstand BVR, Dr. Franz J. Köllner, Vorstand DG Verlag, Dr. Stefan Eulgem/Deutsche Telekom (Bild: Telekom)

Martin Schurig/ Telefónica, Alexander Saul/ Vodafone, Dr. Andreas Martin/ Vorstand BVR, Dr. Franz J. Köllner, Vorstand DG Verlag, Dr. Stefan Eulgem/Deutsche Telekom (Bild: Telekom)

Alter Wein in neuen Schläuchen

26 Millionen Girocards könnten zukünftig in die Wallets der Mobilfunkanbieter integriert werden, heißt es weiter in der Pressemitteilung. “Könnten”. Denn das, was auf der CeBIT stolz gezeigt wurde, war ein sogenannter POC (Proof of Concept). Proof of Concept hört sich toll an, ist aber nur die charmante Umschreibung von Prototyp. Anders gesagt: Es ist nicht fertig, geschweige denn marktreif. Man verkündet also was alles sein “könnte” zu einem Zeitpunkt, wo Apple mit Apple Pay oder Google mit Android Pay in immer mehr europäischen Ländern in den Startlöchern steht. Apple und Google kommen nicht mit einem “Proof of Concept”, sondern sind echt. Beide sind auf deutlich mehr Smartphones nutzbar und brauchen keine neue SIM-Karte. Denn die Weichen, die man seitens der Mobilfunkanbieter auf der CeBIT gestellt hat, sind alter Wein in neuen Schläuchen. “Neu” ist die theoretische Möglichkeit, anstelle der Kreditkarte oder PayPal, nun auch die Girocard in der jeweiligen Wallet zu hinterlegen. Das Onboarding vereinfacht sich für den Kunden, aber die Vorraussetzungen, um Mobile Payment letztendlich nutzen zu können, bleiben die gleichen. Die Lösungen der Mobilfunkanbieter funktionieren nicht mit dem iPhone und auch nicht mit allen Android-Geräten und es braucht eine neue SIM-Karte sowie die Wallet-App der Telekom oder Vodafone, als auch die App der Volks- und Raiffeisenbanken. Und wieder denke ich: mit diesem Smartphone geht das leider nicht, das kann nur klingen.

Wie viele potenzielle Nutzer bei 26 Mio Girocards übrig bleiben…

Schauen wir uns die Zahlen im Detail an. Zunächst sind die 26 Millionen Girocards nicht gleichzusetzen mit Anzahl der Kunden. Die Volksbanken und Raiffeisenbanken haben nämlich “nur” ca. 18 Millionen Mitglieder. Die Wallets der Mobilfunkbetreiber funktionieren auch nur mit Android. Das halbiert, gemessen an einem Android-Marktanteil von 72 Prozent, die ursprüngliche Zahl auf 13 Millionen. Damit nicht genug: Damit einer der übrigen 13 Millionen potentiellen Nutzer in den Genuss der girocard mobile kommt, braucht es neben dem passenden Android-Gerät auch eine neue SIM-Karte und die VR-Banking App, sowie die Wallet der Telekom oder Vodafone. Erstere wurde laut Google Play 5 Millionen mal heruntergeladen, die Wallet-Lösungen der Telekom oder Vodafone kommen laut Google Play auf 150.000 Downloads. Wie viele davon in Nutzung sind, steht auf einem anderen Blatt.

Einstiegshürden sinken, Komplexität bleibt

Sollte der vorgestellte Prototyp marktreif werden, sinken vielleicht die Einstiegshürden, um an einem mobilen Bezahlverfahren der Telekom oder Vodafone teilzunehmen. Das reicht aber nicht. Konsumenten unternehmen nicht so komplexe Schritte, nur um ein mobiles Bezahlverfahren zu nutzen. Bei Apple und Google ist das anders: Beide Verfahren sind nicht als Produkt konzipiert sondern sind eine Funktion des Betriebssystems oder Smartphones. Apple Pay und Android Pay sind einfach da. Vor dem Hintergrund, dass Apple mit Apple Pay und Google mit Android Pay über kurz oder lang auch nach Deutschland kommen werden und beide Lösungen weder eine neue SIM-Karte noch den Download einer oder mehrerer Apps voraussetzen, darf deshalb bezweifelt werden, ob die auf der CeBIT vorgestellte Lösung irgendwelche Weichen stellt.

– Anzeige –
Melinda Albert - Mobile Usability SeminarDu bist Produktmanager, Konzepter, Entwickler oder Designer von mobilen Apps und willst die Usability Deiner Android- oder iOS-App verbessern? Dann besuche das mobilbranche.de-Seminar „Mobile Usability für Android und iOS“ am 23. und 24. Mai 2016 in Berlin. Usability-Expertin Melinda Albert zeigt die häufigsten Fehler bei der Konzeption einer App und gibt konkrete Verbesserungsvorschläge.
Melde Dich jetzt zum Frühbucherpreis an!


Sichern Sie sich jetzt Ihren Wissensvorsprung in Mobile Marketing und Mobile Business und abonnieren Sie die Meldungen von mobilbranche.de ganz bequem per E-Mail. Unser Newsletter erscheint täglich um 13 Uhr und ist kostenlos.


Facebook Kommentare:

Kommentare