Interview: CTO Philipp Neuberger über die neue Audience-Plattform von Glispa.

von Florian Treiß am 17.März 2016 in Interviews, Mobile Advertising, News

Philipp Neuberger CTO glispaMobile Advertising reloaded: „Wir wollen dafür sorgen, dass man Werbung für Apps angezeigt bekommt, die für einen relevant sind“, sagt Philipp Neuberger von Glispa. Das Berliner Unternehmen hat im Dezember eine neue Audience-Plattform präsentiert, die der Glispa-CTO in unserem Interview nun näher vorstellt. „Die Plattform ist eher ein Scharfschütze als die klassische Schrotflinte, wo man auf alles schießt. Wir suchen also über die Plattform genau die Leute heraus, von denen wir wissen, dass sie z.B. Gaming-affin sind oder Power-Shopper“, sagt Neuberger. Sprich: durch die Minimierung von Streuverlusten sollen Werbungtreibende mit der neuen Audience-Plattform effektiver und günstiger werben können.

mobilbranche.de: Was unterscheidet Eure neue Audience-Plattform von der Konkurrenz und was ist das Neue daran?

Philipp Neuberger: Die Idee hatten natürlich schon viele Wettbewerber, allen voran große Player wie Facebook usw. Wir selbst legen den Fokus komplett auf Mobile, unsere Plattform ist also „Mobile only“, was es so bislang noch nicht von anderen Firmen gab. Insbesondere zielen wir aber darauf ab, dem Konsumenten relevantere Werbung anzuzeigen als bislang. Wir sehen das also nicht als Projekt, bei dem wir die Daten verkaufen möchten, sondern wollen die Plattform vor allem nutzen, um unser Kerngeschäft zu stärken, nämlich das mit mobiler Werbung.

mobilbranche.de: Wie funktioniert die neue Audience-Plattform? Wird diese mit anderen Plattformen verknüpft?

Philipp Neuberger: Die Plattform ist so gebaut, dass wir aus sehr vielen verschiedenen Quellen Daten verarbeiten können. Wir sind zugleich in der Lage, jederzeit neue Werbequellen einzupflegen. Wir haben über unser eigenes Netzwerk Daten, die in die Plattform einfließen. Dabei achten wir natürlich darauf, dass unsere Kunden entweder genau wissen, dass ihre Daten mitverarbeitet werden, oder eben isoliert von anderen Kunden betrachtet werden. Da kommt es darauf an, was der Kunde möchte. Wir haben natürlich auch eigene Apps und werden auch immer stärker eigene Apps in unserem Portfolio haben, über die wir dann auch Daten sammeln, die in dem System dann eine Art Grundlage bilden.

mobilbranche.de: Eigene Apps heißt, Ihr habt ein SDK in Apps von Partner-Publishern hinterlegt?

Philipp Neuberger: Ganz genau. Zudem können wir dadurch, dass wir z.B. Klicks messen oder DSP-Requests bekommen, Daten sammeln, die wir dann neu aufbereiten können, z.B. im Sinne von Kontext wie User Agent und Geolocation. Solche Daten bilden ein Grundmuster, das man dann nutzen kann. Zusätzlich wollen wir aber auch komplett eigenständige Apps entwickeln, die einen Mehrwert für die Nutzer bieten.

Glispa Audience Plattform

Ein erster Blick auf Glispas Audience-Plattform

mobilbranche.de: Was habe ich davon, Eure neue Daten-Plattform zu nutzen? Bekomme ich dadurch loyalere Nutzer? Oder verdiene ich dadurch mit meiner App mehr Geld?

Philipp Neuberger: Unser Ziel ist es, dass wir für unsere Kunden darüber die passenderen Nutzer finden. Die Plattform ist dabei eher ein Scharfschütze als die klassische Schrotflinte, wo man auf alles schießt. Wir suchen also über die Plattform genau die Leute heraus, von denen wir wissen, dass sie z.B. Gaming-affin sind oder Power-Shopper. Wir zielen dann genau auf diese Leute und können dadurch einen besseren Return on Investment für Advertiser erzielen. Auf der anderen Seite können wir dem User dadurch ein besseres Werbeerlebnis bieten, denn wir finden die passenderen Anzeigen für die entsprechenden Nutzer. So können wir auf beiden Seiten Vorteile schaffen: Der Nutzer sieht die passenderen Anzeigen, der Werbungtreibende bekommt die relevanteren Kunden.

mobilbranche.de: Ihr habt den Start der Datenplattform Mitte Dezember bekanntgegeben. Wie waren die ersten Reaktionen am Markt?

Philipp Neuberger: Die meisten Reaktionen, die ich persönlich mitbekommen habe, waren von Wettbewerbern, die mit mir gesprochen haben und ganz gefesselt waren. Auf der Business-Seite ist das auf jeden Fall eine Sache, die langsam anläuft und etwas Zeit braucht, bis wir einen relevanten Datenpool haben. Anfang des 2. Quartals dürften wir dann eine erste Kunden mit Kampagnen live haben.

mobilbranche.de: Kann man die Audience-Plattform jetzt schon richtig vollwertig nutzen?

Philipp Neuberger: Wir haben schon jetzt sehr viele Daten in der Plattform drin, und zwar über 400 Millionen User-Profile. Aber wir haben noch nicht die Update-Frequenz, die wir uns wünschen. Das macht dann auch später die Relevanz der Plattform aus, dass man in Echtzeit weiß, welche User gerade angesprochen werden können. Auch das Interface der Plattform ist aktuell noch in Entwicklung, aber das werden wir schnell verbessern. Aktuell kann man die Plattform also schon für ein grundlegendes Targeting nutzen, aber noch nicht so tiefgehend, wie wir es uns wünschen, also Kontext-bezogen usw.

mobilbranche.de: Was wollt Ihr mit der neuen Plattform denn generell erreichen? Die Welt retten – oder bloß Werbung besser machen?

Philipp Neuberger: Werbung besser machen ist auf jeden Fall das Thema, was ich gerne pushe. Also, dass man als Nutzer eben nicht von Werbung irrelevanter Apps erschlagen wird. Das passiert mir nämlich viel zu oft selbst. Wenn ich bestimmte Spiele-Apps nutze, dann liefert Googles Admob bei mir immer wieder Werbung für dieselbe Trading-App aus. Doch mit Trading habe ich überhaupt nichts am Hut und ich weiß nicht wie die auf die Idee kommen, dass ich dafür geeignet bin. Auch bei Facebook sehe ich immer wieder Werbung von Firmen, bei denen ich schon langjähriger Kunde bin, und dann kommt ständig nur Retargeting von denen. Oder ich sehe dort Werbung von für mich irrelevanten Dingen. Und wir wollen eben dafür sorgen, dass man Werbung für Apps angezeigt bekommt, die für einen relevant sind. Ich denke Werbung kann einen echten Mehrwert bieten, wenn man neues entdeckt, wenn also Werbung dafür sorgt, dass man neue Produkte findet, die wirklich interessant für einen selbst sind und das Leben bereichern.

mobilbranche.de: Glispa hat ja schon immer voll auf Mobile gesetzt. Ist denn mobile Werbung aus Eurer Sicht mittlerweile aus den Kinderschuhen raus? Oder ist diese noch immer ein Nischenprodukt?

Philipp Neuberger: Mobile Werbung hat natürlich immer noch seine Hürden. Es hat sich noch nicht so etabliert und gerade die Werbeformate sind noch ein riesiges Thema. Wir selbst sagen, dass wir eigentlich nur Native Advertising machen wollen und nicht mit irgendwelchen Bannern arbeiten wollen, die das IAB (Interactive Advertising Bureau) mal irgendwann definiert hat und die nur 300 Pixel breit sind. Denn auf einem HD-Screen, den heute immer mehr Smartphones haben, sehen 300 Pixel einfach schlecht aus. Und jetzt kommen schon die ersten Smartphones mit 4K-Display, z.B. von Sony. Wie soll da bloß ein 300-Pixel-Banner aussehen? Deswegen setzen wir voll auf Native Advertising und sorgen z.B. dafür, dass die vorhandene Display-Auflösung von Smartphones auch ausgenutzt wird und man dann auch wirkliche schöne Anzeigen hinbekommt. Das ist also ein Thema, wo noch viel passieren muss, gerade auch im Programmatic Advertising, wo noch sehr auf Standard-Bannerformate gesetzt wird. Wir wollen ganze vorne dabei sein, wenn es um Programmatic geht, und setzen das Thema daher bei uns sehr hoch an.

mobilbranche.de: Worüber sprechen wir in einem Jahr? Sind die Probleme mit den Werbeformaten bis dahin schon gelöst?

Philipp Neuberger: Das dauert sicher länger, als wir es uns wünschen. Die Probleme sind zwar vielen Playern bekannt, doch da es ein Multi-Milliarden-Ökosystem ist u.a. mit vielen Agenturen, dauert es natürlich lange, bis alle Player es adaptieren. Es wird sicher auch noch das gesamte nächste Jahr dauern, bis Programmatic Advertising und die passenden Werbeformate dafür wirklich voll angekommen sind. Ein anderes wichtiges Thema für uns sind Emerging Markets, also in Märkte zu gehen, wo Google & Co womöglich weniger Reichweite haben. In solchen Märkten wollen wir als erste dabei sein, wenn es um Mobile geht.

mobilbranche.de: Vielen Dank für das Gespräch!

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